VW Polo V (ab 2009) 1.2

autoaid-Score 60 / 100 aus 1 Bericht „Ausreichend“

Hubraum: 1198 ccm

Leistung: 44 kW (60 PS)

Treibstoff: Benzin

Arrow_redAlle technischen Daten

Bewertung aus 1 Erfarungsbericht:

Alltagstauglichkeit:
4stars
Ausstattung:
2stars
Preis-Leistung:
3stars
Verbrauch:
3stars
Zuverlässigkeit:
4stars
Platzangebot:
4stars
Materialanmutung:
4stars
Fahrspaß:
2stars
Gesamtbewertung:
3stars

VW Polo V (ab 2009) 1.2 Erfahrungsberichte

Dopamin

Bewertet von Dopamin am 19. November 2010

3stars_widget Bewertet von Dopamin am 19. November 2010

Die Basis näher beleuchtet – Der Polo 1.2 Trendline mit 60 PS

Aufgrund eines Werkstattaufenthaltes kam ich in die Gelegenheit, den Basis-Polo einige Tage ausgiebig fahren zu können. Die Eindrücke dieser Tage möchte ich in diesem Bericht festhalten.

Äußerlich schaut der VW Polo Trendline aus wie jeder andere Polo auch. In der Front trägt er das neue Familiengesicht. Dem einen gefällt es, dem nächsten nicht, aber darum, geht es eigentlich nicht. Trotz Einheitsbrei kommt der kleine VW in der Front optisch gestrafft und modern daher. Persönliche Befindlichkeiten spielen dabei eine untergeordnete Rolle, denn auch wird der eher aggressive Blick nicht jedem gefallen. Andererseits werden ihn viele genau deswegen mögen. Die Optik ist also kaum ein Qualitätskriterium. Das Heck sieht in seiner Form und mit seinem Heckleuchten-Design deutlich an den Vorgänger angelehnt aus. Dennoch sind die Rückleuchten zeitgemäß gestaltet, sehen modern aus und entsprechen heutigen Sehgewohnheiten.
Wer aber genauer hinsieht, der wird schnell den Basis-Polo erkennen. Seitenspiegel und Türgriffe bleiben Kunststoff-grau, Chrom-Applikationen im Kühlergrill finden sich nicht, wie auch keine Nebelscheinwerfer vorhanden sind; zumindest nicht in Serie. Und somit wirkt der Basis-Polo in seiner Erscheinung auch eher einfach. Die Lackierung ist qualitativ hochwertig, rein handwerklich gibt es nichts auszusetzen. Mein Mietwagen war in der Farbe Meerblau lackiert, einem Uni-Lack, der keinen Aufpreis kostet.

Der Innenraum kommt im wahrsten Sinne des Wortes nüchtern daher. Den Fahrer erwarten graues Kunststoff-Einerlei und -Einheitsbrei. Auf mich wirkt das primär trostlos, doch kann nicht von Billigware gesprochen werden. Zwar handelt es sich beim Basis-Polo, an dem entsprechend gespart wird, die günstigste Einstiegsvariante und von irgendwoher muss der Preis auch kommen. Entsprechend wurden günstige Bauteile verbaut. Dabei ist die Verarbeitung des Polo tadellos. Auch auf holprigen Strecken klappert oder knarzt nichts. Es bleiben im Innenraum dennoch günstige Kunststoffe; aufgeschäumten, weichen und haptischen Kunststoff suchen wir vergebens, genauso wie Leder am Lenkrad oder Schaltknauf. Solche Attribute dürfen jedoch als eine Art Luxus betrachtet werden, die für ein Auto – gerade einem Kleinwagen – nicht zwingend nötig sind. Wem das nicht gefällt oder wer auf aufgeschäumte Kunststoff-Armaturen, Leder und Chromringe besteht, muss entsprechend zahlen. Denn Fakt ist, nötig sind diese Dingen nicht, zumal die Verarbeitungsqualität keinen Grund zur Kritik gibt und auch die Materialqualität – obschon das Material günstig, aber eben nicht billig ist – angemessen und gut anmutet.
Ansonsten begegnet uns im Polo-Innenraum gewohnte VW-Ergonomie. Ich finde mich ohne weitere Probleme zurecht und das Fehlen einiger aufpreispflichtiger Extras, die eher als Luxus durchgehen und der Bequemlichkeit dienlich sind, erhöht noch diesen Eindruck. Ganz zu schweigen von der teils erheblichen Gewichtsersparnis.
Tendenziell ist auch ausstattungstechnisch das Nötigste an Bord. Lobenswert ist, dass VW seinem günstigsten Polo ESP mit ABS, ASR, eine elektronische Differentialsperre und eine Motor-Schleppmoment-Regelung spendiert. 3-Punktsicherheitsgurte sind auf allen fünf Plätzen verbaut, wie auch drei Kopfstützen auf der Rückbank. Damit wird der Polo ein vollwertiger Fünfsitzer. Fahrer, Beifahrer-, sowie kombinierte Kopf- und Seitenairbags komplettieren die Sicherheitsausstattung. Allerdings kosten Kopfairbags für den Fond extra.
Störend dagegen ist die Aufpreispolitik von VW. Wer wenigstens eine manuelle Klimaanlage für 440,- € haben möchte, wird dazu gezwungen, auch ein Radiosystem zu ordern, das mindestens mit weiteren 480,- € zu Buche schlägt. Dabei ist das kostengünstigste Radio klangtechnisch wohl kaum zu gebrauchen, sodass eher das RDC 310 genommen werden sollte, das wiederum 645,- € kostet.
Alles weitere, das in einem Fahrzeug elektrisch betrieben wird, kostet zusätzliches Geld, sodass kaum jemand den Basispreis von 12.275,- € für einen Neuwagen-Polo ausgeben wird. Der Polo, den ich fuhr, war sehr günstig zusammengestellt. Einzig eine Klimaanlage, ein Radio und das Elektrik-Paket – ZV mit Fernbedienung, elektrisch verstellbare Außenspiegel – waren als Sonderausstattungen vorhanden. Damit kam der Polo 1.2 Trendline auf einen Neupreis von 13.530,- €. Dieser fällt damit recht hoch aus, relativiert sich aber teils aufgrund der hohen Verarbeitungsqualität und Zuverlässigkeit.

Großes Manko des 60 PS-Polo in der Trendline-Grundausstattung ist der Dreizylinder-Motor. Zum Mitschwimmen im Stadtverkehr ist die Motorisierung ausreichend. Dennoch müssen einzelne Gänge teils hochtourig gefahren werden. Wer im fünften Gang gleitet und dann beschleunigen möchte, muss runterschalten in einen höheren Drehzahlbereich. Das ist einerseits schaltintensiv – was mich nicht sonderlich stören würde – andererseits erhöht es den Verbrauch. Abgesehen davon, kommt der VW Polo auch mit hohen Drehzahlen nur leidlich zügig voran. Unten rum bis etwa 2000 Umdrehungen ist der Motor etwas brummig, neigt aber zum Glück weniger zum Dröhnen. Dafür sind die Motor-Vibrationen deutlich am Lenkrad zu spüren. Erst in hohen Drehzahlen dröhnt der Motor und wird merklich lauter. Aber bis 130 km/h bleibt der Dreizylinder 1.2-Liter-Motor verhältnismäßig leise. Auch in der Stadt verhält sich der Motor meist ruhig, obschon er nicht durch eine hohe Laufkultur glänzen kann. Aber das ist ein bekanntes Problem der Dreizylinder-Motoren.


Insgesamt gesehen ist es schwierig zu urteilen, wie dieses Auto – der VW Polo 1.2 Trendline mit 60 PS – zu bewerten ist. Wer schlichtweg ein Fahrzeug braucht, das einen zuverlässig von A nach B bringt und dabei Wert legt auf Zuverlässigkeit und Qualität, kann mit dem Polo 1.2 Trendline wenig falsch machen, wenn auf eher luxus- und bequemlichkeitsorientierte Extras verzichtet werden kann. Wer dagegen Wert legt auf sportlichere Fahrwerte, einen kultivierten Motor und hochwertige Materialien wie Leder, aufgeschäumtem Kunststoff und Chrom, der sollte zu einer höheren Ausstattungslinie greifen. Somit ist der Polo 1.2 Trendline nur bedingt empfehlenswert, je nachdem, wie und wofür der Polo verwendet werden soll und wie der Fahrer zum Auto und zum Fahren selbst steht.

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