Neuwagen: VW Golf VI 1.4 TSI mit 122 PS
Dieses Mal nehme ich den Golf VI mit dem 122 PSer 1.4 TSI-Motor unter die Lupe. Seit Jahren ist der Golf von Volkswagen in der nach ihm benannten Golf-Klasse der maßgebende Platzhirsch. Auch der neue Opel Astra J konnte daran trotz guter Gene nichts ändern. Ob dieses Urteil pauschalisiert immer so anzuwenden ist, soll sich nun zeigen.
Was ist nicht in der Vergangenheit am Golf – seien es IV, V oder VI – genörgelt worden. Bieder sehe er aus, so nüchtern und kalt, wie ein Beamter im zu eng geschneiderten Maßanzug. Nun, das Design ist letztlich wie gewohnt eine Frage des Geschmacks. Dennoch lässt sich attestieren, dass VW sein Zugpferd behutsam modernisiert und den Erfordernissen unserer Zeit angepasst hat. Und gefälliger als der Golf V wirkt er auch. Die ehemaligen Glubschaugen sind nun schmaler gezogen, besser konturiert. Frontscheibe und Motorhaube wirken mehr wie aus einem Guss. Insgesamt ist das Erscheinungsbild des Golf VI homogener. Dazu tragen auch die neu geformten Heckleuchten bei, die die unförmig geblähten Heckleuchten des Fünfers ersetzen.
Im Innenraum setzen sich Ergonomie und gute Verarbeitung fort. Die Qualitätsanmutung weiß mir zu gefallen und besonders haben es mir die trüffel-farbenen Ledersitze angetan, in denen ich mich sofort wohlfühle. Auch sonst ist der Neuwagen aus Wolfsburg geräumig und bietet genügend Raum zur Entfaltung. Das Cockpit ist übersichtlich und ich finde mich sofort zurecht. Im Gegensatz zum Konkurrenten aus Rüsselsheim überfordert und erschlägt mich im Golf VI keine Knöpfchen- und Schalter-Flut.
Weniger schön gelungen ist dagegen die Rundumsicht. Die C-Säule des Golf VI verhindert eine gute Sicht nach hinten. Gerade beim Spurwechsel oder beim Einparken fiel mir dieses unschöne Detail besonders auf.
Der Golf VI fährt sich gut. Das Fahrwerk ist für meinen Geschmack optimal abgestimmt. Problemlos lässt sich damit im alltäglichen Stadtverkehr gleiten, aber genauso gut sportlich fahren. Dabei ist die Lenkung angenehm direkt und die sechs Gänge des Schalters flutschen zügig von unten nach oben. So fühlt sich Fahrdynamik gut an. Verantwortlich hierfür ist neben dem Fahrwerk und der Lenkung der tolle 1.4er Turbo Direkteinspritzer. Im Gegensatz zum trägen Opel Astra ist der Motor des Golf VI quirliger und in der Gasannahme spontaner. Trotz der 18 PS weniger stimmen hier die Fahrleistungen. Kein Turboloch trübt meinen Eindruck, der Schub liegt ab 1500 Umdrehungen an und bleibt eine ganze Weile mein Begleiter. So soll es sein.
Mit einem Neuwagen-Gesamtpreis von über 31.000,- € ist der von mir gefahrene Golf VI alles andere als ein Volkswagen, sondern ein teurer Neuwagen, der – ganz im Gegensatz zum Naturell des Golf – ein Bauch- und kein Kopf-Auto ist. Der Grundpreis von 22.400,- € für einen Golf VI-Neuwagen ist akzeptabel, auch da die Grundausstattung in Ordnung und relativ umfangreich ist. Allerdings schlägt noch der kleinste Wunsch nach Individualität und Eigenständigkeit sehr teuer zu Buche.
Fazit: Der neue Golf VI ist und bleibt Platzhirsch in seiner, der Golf-Klasse. Der neue Astra J kommt nicht an ihn heran. Dazu macht der Golf in meinen Augen einfach zu viel, fast alles richtig und bietet dem potentiellen Käufer – je nach Geldbeutel – ein außerordentlich gutes Auto, das allerdings in seiner optischen Erscheinung nicht immer Emotionen wecken kann. Wer ihn haben möchte, muss für eine gewisse Golf-Affinität aufweisen. Das Fahrwerk ist klasse, das von einer wohltuend direkten Lenkung ergänzt wird. Der Motor macht mir richtig Freude und die Serienausstattung ist ordentlich.
Ein Volkswagen kann der Golf noch sein – immerhin ist der günstigste Neuwagen schon ab 16.825,- € zu haben – aber jeder Hauch Emotion, den man sich gönnt, kostet, sodass der von mir gefahrene Golf VI 1.4 TSI mit 122 PS über 31.000,- € kostet.
143/208 Benutzern fanden diesen Erfahrungsbericht hilfreich
Erfahrungsbericht hilfreich /
Erfahrungsbericht nicht hilfreich