Bewertet von Papadopoulos
am 1. Februar 2011
Neuwagen im Test: Der Opel Corsa 1.4 ECOTEC Satellite mit 100 PS
Was zum Geier soll das für ein Auto sein?
Auf der Suche nach einem sinnvollen Zweitwagen stolperte ich quasi zwangsläufig auch über Opel. Und ich dachte mir: „Hey, seit einigen Jahren bauen die Rüsselsheimer eigentlich ganz schöne Autos und auch die Qualitätsprobleme von damals (Corsa B, Vectra A, Omega A) scheinen sie in den Griff bekommen zu haben.“ Also nichts wie hin zum Opel-Neuwagen-Händler und sich einen Corsa in der Satellite-Sonderedition für eine Neuwagen-Probefahrt geschnappt. Dabei handelte es sich um einen 1.4 Liter-Benziner mit 100 PS. Damit sollte der kleine Opel Corsa D an sich gut motorisiert sein. Wie ich mich täuschte.
Doch auch in seiner optischen Erscheinung ist der Corsa D aus der Nähe betrachtet ein ziemlich hässliches Entlein. Trotz des neuerlichen Facelifts und weiterer kosmetischer Korrekturen – wieso nur Opel soviel Kosmetik am Corsa betreibt? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt ... – wirkt der Opel Corsa irgendwie infantil und so kugelig gedrungen. Ein ein kleines dickes, pausbäckiges Kleinkind. Aber als ob das nicht genug wäre, ist selbst die Außenfarbe des 1.4 ECOTEC-Corsas ein Musterbeispiel grenzdebiler Geschmacksverirrung. Die Farbe „Guacamole“, das soviel wie „Avocadosauce“ bedeutet (wie einfallsreich) und eigentlich ein mexikanischer Dip für Taquitos oder Tortillas meint, ist wohl kaum an Hässlichkeit zu übertreffen. Diese farbliche Kombination aus menschlichem Auswurf und Vogelkot kostet zudem 190,-- € Aufpreis.
Doch das ist noch nicht genug. Jeder noch so kleine Murks kostet Aufpreis. Zwar ist das Elektro-Paket serienmäßig an Bord, aber für einen Neuwagen dieser Preisklasse ist der Corsa trotz allem mager ausgestattet. Die „Satellite“-Edition ist zudem ausgestattet mit einem CD-Radio und eine Klimaanlage, die sonst ebenfalls aufpreispflichtig sind. Dafür kostet dieser „Satellite“-Schriftzug allein schon über 2.300,-- €. Dafür sind dann auch Nebelscheinwerfer verbaut. Als statisches Kurvenlicht kosten die dann aber wieder Aufpreis. Ein sinnvolles Airbag-Paket bietet Opel ebenfalls nur gegen 390,-- € feil. Sicherheit kostet bei Opel extra. Und Fondpassagiere sind überdies weniger wichtig als Fahrer und Beifahrer. Das ist ganz großer Mist, Opel. Immerhin ist eine Fahrdynamikregelung serienmäßig in allen Modelle zu haben.
Dass heutzutage serienmäßig elektrische Seitenspiegel nicht beheizbar sind, ist ein Armutszeugnis. Aber dann auch noch 105,-- € zusätzlich für beheizbare Spiegel zu verlangen, ist eine Frechheit. Ein vollwertiges Reserverad kostet auch zusätzliches Geld. Anstatt die Wahl beim Kunden zu belassen, ob er ein Reifen-Reparatur-Set oder einen Ersatzreifen wünscht, wird dem Kunden ersteres aufgezwungen. Zudem fehlt – sollte der Kunde nicht bereit sein, Geld für das Reserverad auszugeben – ein Wagenheber, ohne den bekanntlich schlecht ein Reifenwechsel vollzogen werden kann.
Der Innenraum des Opel Corsa D wirkt wie das Kinderparadies unterm Traumzauberbaum. Das Auto ist schlichtweg nicht erwachsen, extrem verspielt und unreif. Ich kann dieses Fahrzeug nicht ernsthaft als ein Fahrzeug für erwachsene Menschen betrachten. Die Mittelkonsole in perlweiß erscheint mir zu steril, als befände ich mich im Zahnarztstuhl. Furchtbar und grausam.
Das weiterhin verbaute Hartplastik ist für meine zarten Hände alles andere als schmeichelhaft. Trotz klinisch-weißer Applikationen wirken die Kunststoffe dezent billig. Die Übermacht und Flut an Knöpfen und Schaltern in der Mittelkonsole ist der Ergonomie nicht sonderlich zuträglich. Unübersichtlich in der Rundumsicht ist der Opel-Kleinwagen obendrein.
Ein weiteres großes Ärgernis ist dieser Motor. 100 PS unter der Haube und dieser Opel kommt partout nicht aus dem Tee. Darüber hinaus ist auch der Verbrauch nicht der beste. Das Triebwerk des Corsa ist einfach nur zäh, schlapp und unkomfortabel. Die 100 Pferde bewegen den Corsa in elendig langen 11,9 Sekunden auf 100 km/h. Ich bekam das Gefühl, der D-Corsa schleciht sich an die 100 heran. An der Zapfsäule soll er sich nach der Werksangabe mit 5,7 Litern auf 100 Kilometer begnügen. Wie immer, ein eher unrealistischer Wert; er soll jedoch als Vergleichsgrundlage genügen.
Der Mitsubishi Colt 1.3 meiner Oma geht besser, ist um Welten agiler, günstiger in der Anschaffung und schluckt weniger Sprit. Der kleine 1332 ccm-Motor bringt es auch 95 PS, die den Colt in 10,4 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen. Und an der Tankstelle genehmigt er sich schließlich nach Werksangaben mit 5,1 Litern auf 100 Kilometer. Und letztlich ist die viel gelobte Optik des Corsas eben nicht alles. Die inneren Werte, der praktische Nutzen ist entscheidend. Und der Opel Corsa D fällt diesbezüglich durch.
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