Bewertet von Dopamin
am 15. Oktober 2010
Neuwagen: Opel Corsa 1.2 TWINPORT ecoFLEX
Ich hatte das Vergnügen, für ein paar Tage einen neuen Opel Corsa 1.2 TWINPORT ecoFLEX fahren zu dürfen. Das von mir gefahrene Modell war eine dreitürige Basisversion, die mich von der optischen Erscheinung her zunächst ansprach. Doch das anfängliche Gefallen wich einem gutmütigen Wohlwollen, um später zur maßlosen Enttäuschung zu mutieren.
Keine Frage, der Corsa ist chic. Vom kleinen hässlichen Mutti-Auto gedieh er und wuchs heran zu einem ausgereiften Kleinwagen, der nicht nur klein ist, um in enge Stadt-Parklücken zu passen. Stattdessen wurde er ein schnittiger Neuwagen, der mit Falze, Klarglas-Scheinwerfern und gelungenen Heckleuchten die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen weiß. Die große Klappe, die der kleine Bruder des Astra in der Heckansicht präsentiert, wirkt dagegen schon im Wortsinn aufgesetzt. Das erscheint mir im Design nicht sonderlich homogen und kohärent. Öffne ich die Heckklappe, erwartet mich ein zu kleines Gepäckabteil. Das macht die Konkurrenz von VW und Ford besser und großzügiger. Hinzu kommt, dass die Rücksitzbank nur in Gänze umklappbar, also nicht teilbar ist. Insgesamt wirkt der Corsa auch etwas hochbeinig, wie auf Stelzen, besonders direkt von vorn oder hinten.
Doch erst im Innenraum begann mein großes Trauerspiel. Ich setze mich in einen Neuwagen des Jahres 2010 und fühle mich zurückversetzt in die Auto-Steinzeit. Es begrüßt mich eine grau-schwarze Kunststofflandschaft und ein gähnendes Loch in der Gegend, in der sich in normalen Fahrzeugen ein Radio befindet. Lenkrad sowie Schaltknauf fühlen sich in meiner Hand künstlich an. Eine Klimaanlage fehlt genauso wie elektrische Fensterheber. Einzig die Spiegel sind elektrisch verstellbar; ein Hauch von Jetzt-Zeit. Das Cockpit ist ansonsten außerordentlich übersichtlich, was mich nicht weiter verwundert, es war schließlich kaum etwas an Ausstattung, das Knöpfe hätte haben können, verbaut. Die Regler für Heizung und Lüftung liegen zu tief und die Bedienung von Scheibenwischer und Blinker ist anfangs sehr gewöhnungsbedürftig. Vernünftige Ablagen sind ebenso Mangelware im Opel Corsa wie eine vernünftige Rundumsicht. Diese ist, wie bei fast allen Autos dieser Klasse, furchtbar. Eine viel zu massige C-Säule versperrt mir als Fahrer die Sicht nach schräg hinten. Beim Anschnallen musste ich feststellen, dass der Gurt reichlich weit weg war, um ihn sich anzulegen. Als ich das geschafft hatte, hieß es, die Sitzposition einzustellen. Doch das dazugehörige Rädchen wurde nun vom Gurt verdeckt und behinderte so meine Bemühungen, den Fahrersitz zu verstellen.
Die nächste Enttäuschung lässt aber nicht lang auf sich warten: Der Motor. Der 1,2 Liter Benziner lässt zu keiner Sekunde etwas wie Fahrspaß oder Dynamik aufkommen. Beim Tritt auf das Gaspedal lässt eine Kraftentfaltung lange auf sich warten. So verhält sich der Motor ausgesprochen träge, die Gasannahme erfolgt verzögert. Selbst wenn ich ihm höhere Drehzahlen spendiere, will der Motor nicht anziehen. Um im Verkehr mit schwimmen zu können, muss der Motor im Vergleich zu anderen Fahrzeugen seiner Klasse, regelrecht gequält werden. Der ganze Motor wirkt wie gehemmt, so als wolle und könnte er mehr, aber als hätte Opel ab Werk die Motor-Leistung verschweißt. Auch ist das Getriebe viel zu lang übersetzt, gerade im vierten und fünften Gang. Auf Dauer nervt das; häufiges Runterschalten und ein daraus resultierender, höherer Verbrauch ist die Folge.
Die kräftig zupackenden Bremsen und die gute Lenkung konnten mich im Gegensatz zu Motor sehr überzeugen. Hier hat Opel gute Arbeit geleistet.
Der Opel Corsa TWINPORT ecoFLEX ist ein Kleinwagen, der gut geeignet ist, von A nach B zu gelangen. Auf dem Weg nach B erlebe ich vorne genügend Platz und einen vernünftigen Federungs- und Fahrkomfort. Das serienmäßige ESP, das Opel seinem Kleinsten spendiert, ist eine gute Sache. Die Verarbeitung insgesamt erscheint mir auf einem brauchbaren Niveau, trotz der schwarz-grauen Kunststoff-Armatur und einigen weniger passgenau verarbeiteten Teilen.
Insgesamt verbeißt sich der Corsa in belangloser Mittelmäßigkeit, was Komfort und Bedienung anbetreffen. In Bezug auf Motor und Getriebe dagegen verhält sich der Corsa in meinen Augen eher unterirdisch, zumal der Verbrauch bei diesem Sparmotor nicht besonders niedrig liegt. Die Fahrleistungen sind eine Farce und quälten mich mehr, als dass sie mir dienten.
Bremsen und Lenkung sind gut und heben sich positiv ab.
Die magere Basis- und Sicherheitsausstattung grenzt wiederum fast an Frechheit. Das serienmäßige ESP und ein Bremsassistent sind ein guter Anfang, aber dafür spart Opel kräftig an anderen Stellen der Basisversion. Ein Radio fehlt, ebenso wie eine Klimaanlage. Allgemein lässt sich sagen, dass sich Opel die weiteren Sicherheitsausstattungen teuer bezahlen lässt, wie zusätzliche Airbags, aktive Kopfstützen, Kurven- und Abbiegelicht. Einen Gurtwarner gibt es nur für den Fahrer. Das ist zu wenig. Für jeden Käufer sollten im angemessenen Maße aktive und passive Sicherheit gewährleistet sein. Einzig überzeugend wäre der Preis: 11.400,- €. Dafür bekomme ich einen Neuwagen, der auch neu aussieht, sich aber anfühlt, als fahre ich ein Auto aus grauer Vorzeit und sich so träge fährt, wie sich Kaugummi zieht.
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