Bewertet von Dopamin
am 8. Oktober 2010
Mitsubishi Colt 1,3 ClearTec (3-Türer)
2008 überarbeitete Mitsubishi seinen Colt. Die Modifizierungen des Kleinwagens betrafen fast ausschließlich die Optik, doch schon 2009 folgte ein ökologisch orientiertes, sparsameres Sondermodell, das Sprit-Sparfüchse anlocken soll: Der Mitsubishi Colt ClearTec.
Ich möchte mich nun dem 1,3 Liter-Modell widmen und schaue mir neben den 2008er auch die 2009er Neuerungen an.
Der ehemals CZ3 genannte Dreitürer des Colts, der bis 2008 gebaut wurde, heißt mit dem Facelift schlicht Mitsubishi Colt 3-Türer. Optisch kommt dieser nun mit einer wesentlich aggressiveren Front daher. Der zweigeteilte Grill wurde à la Haifischmaul geweitet und geöffnet und erinnert mich auch entfernt an eine hochgezogene Lefze. Das Mitsubishi-Logo wandert von einem in Wagenfarbe lackierten Metall-Dreieck direkt auf den schwarzen Waben-Grill, der mittige Falz der Motorhaube machte für zwei an den Seiten liegende Falze Platz. Insgesamt fällt die Haube weniger steil ab und schließt höher ab. Die ehemals mandelförmigen Klarglasscheinwerfer wichen kürzeren, gestauchten Leuchten in Trapezform, mit angedeutetem Kreis an der Unterseite. Damit sind die Frontleuchten kantiger und schmaler geformt und orientieren sich damit an das Design des aktuellen Mitsubishi Lancers. Auch lässt mich diese Formgebung an den alten Mitsubishi Galant VIII (Baureihe EA0) denken, der in Europa eingestellt und nicht mehr fortgeführt wurde. Die am Vorgänger ringsherum angebrachten, unschönen Kunststoff-Stoßfänger entfielen ganz. Umso unschöner jedoch ist die schwarze Kunststofflandschaft unterhalb der Nummernschild-Aussparungen. Da denke ich schnell an die Design-Fehlgriffe des Golf V und des Audi A6 C5 bis zum Facelift 2001. Auch A- und B-Säulen erstrahlen nun in schwarzer Kunststoff-Optik gegenüber teilweise in Wagenfarbe lackierter A- und B-Säulen am Vorgänger.
Der Innenraum wurde ebenfalls überarbeitet. Auffällig sind die zwei gleichgroßen Rundinstrumente, die das Display des Bordcomputers, das zuvor auf der Mittelkonsole ruhte, einrahmen. Das weiß zu gefallen. Am alten Platz des Displays finden wir nun ein Ablagefach. Der CD-Schlitz wanderte nach oben und liegt nun oberhalb des Radio- und CD-Bedienelements. Das Radio samt CD-/MP3-Player wurde ebenfalls überarbeitet. Es nimmt nun weniger Raum ein, wirkt auf mich dagegen auch weniger in die Mittelkonsole integriert. Die Lüftungsöffnungen und der Schalter für den Warnblinker blieben an ihrem angestammten Ort. Unter dem Radio befindet sich ein weiteres Ablagefach, das sich über den überarbeiteten Schaltern für Lüftung und Klimaanlage befindet. Das Lenkrad wurde nun auch überarbeitet und erweitert. Es ist nun ein Multifunktionslenkrad, dessen Lenkradtopf vergrößert wurde. Die Bedienelemente am Lenkrad sind in silberfarbenen Kunststoff eingefasst, ebenso wie das CD-/MP3-Radio und die Klima-/Temperatur-Regler. Die Materialanmutung im Innenraum ist nicht die beste. Dunkles Kunststoff-Interieur beherrscht den Innenraum, das zwar der besseren Optik wegen durch Relief-Maserung aufgepeppt wurde, mir aber teilweise durch ungenügende Verarbeitung auffiel. So sind einige Teile wacklig und beweglich, stimmen Spaltmaße in der Armatur nicht. Abgesehen von diesen Mängeln erscheint das Cockpit stimmig, aufgeräumt und übersichtlich. Die Rundumsicht ist mäßig bis schlecht. Die A-Säule ist so massig, dass sie bei mir teilweise ganze Autos und Motorräder schluckte. Hier ist Vorsicht geboten. Die C-Säule ist noch breiter und raubt dem Fahrer somit die Sicht nach schräg hinten beim Schulterblick. Die Heckscheibe ist sehr klein, das fällt bei mir aber kaum ins Gewicht, da das Heck so steil abfällt, dass für das Einparken eine übermäßig große Heckscheibe nicht zwangsläufig nötig wird. Die Seitenspiegel sind zwar ästhetisch fragwürdig, dafür aber angenehm groß dimensioniert und damit der allgemeinen Übersicht im Straßenverkehr sehr dienlich.
Die Ausstattung des Mitsubishi Colt 1,3 ClearTec ist erst ab der teuren Ausstattungslinie Intense so umfangreich, wie das bereits in einigen CZ3-Modellen der Fall war. Bei diesen gab es das Sondermodell Motion Plus, das ab ca. 13.000 € zu haben war. Der Mitsubishi Colt 1,3 ClearTec Intense schlägt mit mindestens 15.390 € zu Buche. Allerdings müssen noch weitere Rückschritte hingenommen werden. Die einst hochgelobte Variabilität des Vorgängers, die mithilfe der um bis zu 15 cm verschiebbaren Rücksitzbank erzielt wurde, ist Geschichte. Die Bank ist starr, lediglich asymmetrisch teilbar. Es entsteht immerhin eine nahezu ebene Ladefläche, aber wozu das alte System, das wahlweise mehr Knie- und Beinfreiheit oder einen größeren Kofferraum gewährleistete, aufgegeben wurde, ist für mich nicht nachvollziehbar. Immerhin: ESP (heißt bei Mitsubishi MASC) gehört neben der Traktionskontrolle (MATC) schon beim Colt ClearTec Edition zur Serienausstattung. ABS, Servolenkung, Airbags gehören im Kleinwagen-Segment seit einigen Jahren sowieso zur Serie und zum guten Ton. Auf Kopfairbags muss der ClearTec Edition allerdings verzichten. Nett sind Details wie das klimatisierte Flaschenfach im Handschuhfach, das schon im Vorgänger zum Einsatz kam, der Warnton, der auf mögliche Eisglätte ab 3°C und darunter warnt oder der durch Antippen dreimal blinkende Blinker. Das Gurtwarnsystem ist gut gemeint, allerdings nervt mich der akustische Warnton schnell, wenn ich kurz auf dem Parkplatz rangieren möchte. Ab der mittleren Ausstattungslinie Invite sind Tür- und Heckklappen-Griffe sowie die Außenspiegel in Wagenfarbe lackiert. Die B-Säule bleibt jedoch schwarz. Alle drei Ausstattungsreihen der ClearTec-Modelle kommen mit Lederlenkrad und –Schaltknauf sowie Leichtmetallrädern. Weitere Spritspar-Elemente sind die Leichtlaufreifen und die Start-Stopp-Automatik. Weiterhin wurde das Getriebe länger übersetzt und alle ClearTec-Modelle sind mit einer Bremsenergie-Rückgewinnung ausgestattet.
Nützliche Helferlein, wie der Regen- und Lichtsensor, die automatisch Scheibenwischer und Scheinwerfer einschalten, sind nur in der teureren Intense-Ausstattung zu haben. Ebenso wie Nebelscheinwerfer und Dachspoiler, die ebenfalls nur am Mitsubishi Colt ClearTec Intense zu haben sind.
Der Mitsubishi Colt 1,3 ClearTec ist mit seinen 95 Pferden ausreichend motorisiert, zieht aber erst richtig ab 4000 U/min mit seinen maximal 125 Nm Drehmoment. Doch ab 4000 Umdrehungen wird der Motor für meinen Geschmack unangenehm laut. Beim zügigen Beschleunigen mag das weniger störend sein, bei 140 km/h auf der Autobahn sieht das allerdings anders aus. Der Motorenlärm verhindert Unterhaltungen oder das Hören von Musik in normaler Lautstärke. Das bedeutet, auf der Autobahn nervt der Colt einfach. Laut Werk beschleunigt der 1,3er in beachtlichen 10,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h, bei 180 ist dann schon Schluss. Es ist allerdings fraglich, wer sich freiwillig dieser Lautstärke bei solch einem Tempo aussetzt. In der Stadt macht der Mitsubishi Colt 1,3 bei zügiger Fahrweise Spaß. Das ClearTec-Modell von Mitsubishi ist serienmäßig mit 185er Pneus unterwegs. Die sind zwar weniger chic anzusehen als die 205er, doch verringern die 185er den Sprit-Verbrauch und verbessern Traktion sowie Straßenlage. Das Fahrwerk ist etwas straffer abgestimmt, die Federung gibt Stöße und Unebenheiten fast ungefiltert an den Fahrer weiter. Hier wäre mehr Komfort wünschenswert. Dies betrifft auch das Fünfgang-Schaltgetriebe. Der Schalthebel lässt sich teilweise nur unwillig durch die Gänge führen, hakt hier und dort. Die Lenkung ist mir zu schwammig und indirekt.
Der kombinierte Kraftstoff-Verbrauch wird ab Werk mit 5,1 Litern auf 100 km angegeben, realistisch sind je nach Fahrweise aber eher 6,0 – 6,5 Liter.
Fazit: Der Mitsubishi Colt 1,3 ClearTec ist in meinen Augen ein alltagstauglicher Kleinwagen, der seit 2008 optisch weniger unauffällig daherkommt, kleinere Neuerungen, aber auch einige Streichungen erfuhr. Der wichtige Faktor in puncto Alltagstauglichkeit war die Variabilität des Innenraums durch die verschiebbare Rückbank. Diese vermisse ich nun schmerzlich. Was bleibt, ist ein Auto, das mit seiner ClearTec-Technologie auf den Öko-Zug aufspringt, einen agilen und lauten Motor bietet, zu hart gefedert ist, gutmütig untersteuert und ordentlich ausgestattet ist. Allerdings sind die Modelle Intense und Invite mit einem Preis von 15.390 € und 14.790 € zu teuer. Wer nicht viel Wert auf Griffe und Spiegel in Wagenfarbe legt, auf Kopfairbags, Lichtsensor, Nebelscheinwerfer, Multifunktionslenkrad, Tempomat, Regensensor und Scheibenbremsen hinten verzichten kann, könnte mit dem Mitsubishi Colt 1,3 ClearTec Edition für 12.490 € glücklich werden. Aber wer möchte schon auf so vieles verzichten müssen?
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