Test & Fahrbericht: Toyota Yaris Hybrid – Antrieb & Dynamik

Im Kapitel „Antrieb & Dynamik“ widme ich mich abschließend den fahrerischen Eigenschaften des Toyota Yaris Hybrid XP13. Viel war ich mit dem Japaner unterwegs – auf Landstraße sowie Autobahn und natürlich im wuseligen Großstadtverkehr. Wie er sich schlug, lest ihr im letzten Teil des Hybrid-Tests.

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Toyota Yaris Hybrid XP13 HSD Platinsilber Frontalansicht Keen Look Feld Wies

100 PS Systemleistung klingen für einen unter 1,2 Tonnen schweren Kleinwagen weder nach wenig noch nach übermäßig viel Leistung. Und gefühlt in dieser Schwebe zwischen „nicht ganz“ und „noch nicht“ bewegt sich auch der Yaris Hybrid im Fahrbetrieb. So flott, wie es in der Werbung suggeriert wird, fährt der Yaris HSD nicht. Das Anfahren geht deutlich weniger spektakulär vonstatten, als erwartet. Folglich besteht nicht die Gefahr, sich als Beifahrer den heißen Kaffee ins Gesicht zu schütten.

Dennoch lässt sich der Toyota Yaris Hybrid, insbesondere in der Stadt, angenehm flott bewegen. Untermotorisiert fühlte ich mich mit dem kleinen Hybriden auch auf Landstraßen selten. Allerdings sollte bei Überholmanövern ausreichend Platz vorhanden sein mittelprächtig ist der Durchzug. Auf der Autobahn gilt: Wenn er erstmal rollt, dann rollt er. Das Drehzahl-Niveau dabei geht in Ordnung und der größte Lärmanteil geht auf Wind- und Abrollgeräusche zurück. Starkes Beschleunigen wird typischerweise mittels permanent hoher Drehzahl realisiert. Oftmals ist zu lesen, dass sich viele daran stören.

Toyota Yaris Hybrid XP13 HSD Hybrid Synergy Drive Platinsilber Seitenansicht Keen Look Windkraftrad Feld Wies

Das Problem hierbei: Hybrid-Fahren möchte gelernt werden. Ich kann in einem Hybrid-Auto nicht genauso arbeiten wie in einem reinen Verbrenner. Anfangs muss erlernt werden, wie ich wann mit dem Gaspedal spiele, um die Power Split Device (PSD) – sprich die Planetenrad-Getriebeeinheit – dazu zu animieren, möglichst früh niedrigere Drehzahlen anzulegen. Das funktioniert auch ganz gut – wenn der Fahrer weiß, wie es geht. Eben das ist das Problem vieler Testberichte zu Hybrid-Fahrzeugen.

Wer nach einer gewissen Einarbeitungszeit den Dreh raus hat, wird damit belohnt, erstaunlich häufig rein elektrisch unterwegs zu sein. Toyota gibt für den Toyota Yaris Hybrid an, bis zu zwei Kilometer bei einem Tempo von bis zu 50 km/h im EV-Modus unterwegs sein zu können. Und ja, das ist möglich. Ich fuhr innerstädtisch – einen guten Tag mit grüner Welle und niedrigem Verkehrsaufkommen vorausgesetzt – fast drei Kilometer mit etwa 57 km/h rein elektrisch. Auf der Autobahn war es mir im Baustellenbereich sogar möglich, mit über 70 km/h elektrisch zu gleiten.

Toyota Yaris Hybrid XP13 HSD Hybrid Synergy Drive Platinsilber Heckansicht Detail Windkraftrad Feld Wies

Belohnt wird der Hybrid-Fahrer folglich mit niedrigen Verbräuchen. Das spornt natürlich an und kitzelt den Ehrgeiz des Fahrers. Wie ich bereits im Fahrbericht zum Toyota Auris Touring Sports Hybrid schrieb:

Der Hybrid erzieht den Fahrer zu einer anderen Fahrweise. Unweigerlich wird man zum Großstadt-Ampelschleicher; zu einem Prius-Fahrer, den ich sonst an einer Berliner Ampel zügig überholen würde.

Ich fuhr merklich häufiger langsamer, besonnener und gelassener. Mein Lohn waren die ungläubigen Blicke, wenn ich geräuschlos ausparkte und vom Parkplatz fuhr.

Toyota Yaris Hybrid XP13 HSD Hybrid Synergy Drive Platinsilber Vorderansicht Keen Look Feld Wies

Aber es geht auch anders mit dem Toyota Yaris HSD. Auf der Landstraße ist er durchaus fähig, Fahrspaß aufkommen zu lassen. Wer hätte das gedacht?
Aufgrund der Hybrid-Konfiguration liegt der Hybrid tiefer als der konventionelle Yaris, Fahrwerk und Federung fallen überraschend und angenehm straff aus. Die Lenkung geht leicht, ohne dabei indirekt zu werden. Lenkbefehlen gehorcht der Kleine HSD ohne Murren und folgt direkt der vorgegebenen Richtung – obschon sich das Lenkgefühl in der Mittellage leicht schwammig anfühlt. Lastwechsel quittiert der Hybride mit Schulterzucken. Im Grenzbereich verhält er sich gutmütig und gut beherrschbar, neigt leicht zum Untersteuern, die VSC genannte Fahrdynamikregelung greift erfreulich selten ein.

Toyota Yaris Hybrid XP13 HSD Cockpit Innenraum Interieu

Nichtsdestoweniger ist das eigentliche Revier des Yaris Hybrid die Stadt. Hier überzeugt er – sofern der Verbrennungsmotor überhaupt läuft – mit angenehmer Laufruhe und leisem Motorlauf. Verbrenner und E-Motor arbeiten Hand in Hand – die Übergänge zwischen den Antrieben verlaufen fließend und beinahe unmerklich. Wird der Reihen-Vierzylinder während der Fahrt abgeschaltet, ist davon nichts zu spüren – einzig die EV-Leuchte im Kombiinstrument weist darauf hin. Springt der Motor zur Unterstützung wieder an, verraten dies nur minimale Vibrationen.

Lauter wird es naturgemäß, wenn Leistung eingefordert wird. Aber wie bereits erwähnt, ist es durchaus möglich, auch diese unangenehme Geräuschentwicklung auf ein Mindestmaß zu reduzieren, indem ich das Getriebe mittels Gaspedalspiel zur Drehzahl-Reduktion überrede. Die häufige Kritik vom Dröhnen und Brummen unter Volllast geht meines Erachtens auf die unsachgemäße Nutzung des Hybrid-Antriebs zurück. Pedal to the Metal – und sich anschließend darüber wundern, dass der Antrieb den Volllast-Befehl mit dem hierfür idealen Drehzahl-Bereich quittiert.

Toyota Yaris Hybrid XP13 HSD Hybrid Synergy Drive Platinsilber Vorderansicht Keen Look Berlin Fernsehturm Großstadt-Verkeh

Was bleibt, ist der Eindruck vom idealen Stadtauto. Der Toyota Yaris Hybrid ist klein und mit einem Wendekreis von zehn Metern auch wendig. Mit entsprechender Batterieladung fährt er im Stadtverkehr häufig rein elektrisch, sodass die Verbräuche innerorts entsprechend niedrig ausfallen. Wer mittels Vollgas oftmals Leistung fordert, sitzt im falschen Auto. Dennoch lässt sich der Yaris HSD angenehm flott in der Stadt bewegen, vermittelt Dank Tieferlegung, direkter Lenkung sowie straffer Fahrwerksabstimmung ein gesundes Maß Agilität. Aufgrund dieser Zutaten ist auch auf der Landstraße Fahrspaß erfahrbar. Autobahn-Etappen sind möglich, aber nicht das bevorzugte Terrain des Yaris Hybrid XP13.

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