Im Test: Mazda6 2.0 SKYACTIV-G 165 Sports-Line

Im Test: Mazda6 2.0 SKYACTIV-G 165 Sports-Line

Mit dem Mazda6 hat der japanische Hersteller aktuell eine der attraktivsten Mittelklasse-Limousinen im Portfolio. Der 6er vom Typ GJ macht einfach was her, gefällt auf den ersten Blick und sorgte während meines Tests für Neugierde und Interesse. Dass mein Testwagen obendrein mit einem 2.0 Liter großen Sauger bestückt ist, entfachte die Liebe in mir. Aber ist das alles? Was kann der aktuelle Mazda6 noch, außer optisch reizen und die Nostalgie in mir wecken?

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Mazda6 Typ GJ 2.0 SKYACTIV-G 165 i-ELOOP Sports-Line Heckansich

Mazda6 2.0 SKYACTIV-G 165 – Im Stand

Zugegeben, das Graphitgrau-Metallic machte es mir anfangs schwer. Es ist keine schlechte Farbe – nur, sie wirkt etwas steif, zu ernst. Die typische Kommunikationsfarbe Rubinrot-Metallic steht dem Mazda6 deutlich besser. Damit wirkt er feuriger, emotionaler, dynamischer. Andererseits mag ich am Grau, dass die wunderschön gezeichneten Rückleuchten durch den Kontrast besonders betont werden. Die Heckansicht ist es, die ich am Mazda6 besonders mag.

Mazda6 Typ GJ 2.0 SKYACTIV-G 165 i-ELOOP Sports-Line Seitenansich

Horizontal angeordnete Heckleuchten, verbunden durch eine Chromleiste – das ohnehin breite Heck wird dadurch im visuellen Eindruck noch opulenter. Die doppelflutige Abgasanlage ist per se nett, aber in der Ausführung mag sich diese in meinen Augen nicht ganz so schön in das Design einfügen. Die Endrohre sollten besser in die Heckschürze, in das Gesamt-Design integriert werden, dann gäbe es für mich am Heck nichts mehr auszusetzen.

Neben dem Heck haben es mir die geschwungenen Kotflügel angetan, die gekonnt die Scheinwerfer in Szene setzen und die Konturen ausgehend von Kühlergrill und Motorhaube aufgreifen und zu einem konsistenen Ganzen zusammenwachsen lassen. Ohne Zweifel: Das KODO-Design ist ein großer Wurf für Mazda.

Mazda6 Typ GJ 2.0 SKYACTIV-G 165 i-ELOOP Sports-Line Interieur Cockpit Innenrau

Als Fahrer logiere ich auf beigem, perforiertem Leder, die für die Langstrecke taugen und ausreichenden Seitenhalt bieten. Das Cockpit ist aufgeräumt und gefällt nicht nur Dank sauberer Verarbeitung. Lackoberflächen, Aluminium-Zierrat und Leder werten das Interieur weiter auf.

Allerdings fanden sich auch kritikwürdige Punkte. Das Klimabedienteil liegt recht tief, die Schalter für die Sitzheizung sogar noch tiefer und gelegentlich hinter dem Schalthebel versteckt. Das Display des Infotainment-Systems fällt nach heutigen Maßstäben etwas klein aus und das formschöne wie griffige Lederlenkrad ist mit 15 Funktionstasten für meinen Geschmack etwas überladen. Enttäuscht hat mich zudem die Bose-Soundanlage, die mir einerseits klanglich nicht klar und satt genug war und andererseits durch knarzende Boxen negativ auffiel.

Mazda6 Typ GJ 2.0 SKYACTIV-G 165 i-ELOOP Sports-Line Mittelkonsole Schaltkulisse Interieur Innenrau

Am Exterieur sticht bei ungünstigem Leichteinfall die mäßige Lackqualität ins Auge. Die Orangenhaut ist ein Punkt, den ich auch schon am Mazda3 monierte. Einem letzten unschönen Punkt wurde ich beim Blick in das Gepäckabteil gewahr: Das blanke Blech der unverkleideten Kofferraum-Oberseite mag sich so gar nicht in das Bild des sonst so patent wirkenden Mazda6 einfügen. Auch das Umlegen der Rücksitzlehnen ist umständlicher, als es nötig wäre: entriegeln der Lehne vom Kofferraum aus, zur Fond-Tür laufen und Lehne umlegen.
Ein subjektiver Punkt wäre, dass angesichts der optischen Mächtigkeit des Mazda6 der Klang beim Schließen der Türen gern etwas satter und dumpfer ausfallen dürfte.

Mazda6 2.0 SKYACTIV-G 165 – Auf Fahrt

Einsteigen, losfahren. Großartige Eingewöhnung ist im Mazda6 nicht erforderlich. Klar, das ein oder andere Knöpfchen musste ich mir anfangs etwas näher ansehen, aber die Piktogramme sind eindeutig und die Funktionen schnell erkannt. So warf das Multifunktions-Lenkrad trotz der Schalter-Vielfalt keine Fragen auf. Einzig der Taster mit der Aufschrift RVM gab mir ein schnell zu lösendes Rätsel auf. Dieser aktiviert oder deaktiviert das Rear Vehicle Monitoring, das per Radar den Bereich hinter dem Fahrzeug überwacht (Spurwechselassistent/Tot-Winkel-Warner).

Mazda6 Typ GJ 2.0 SKYACTIV-G 165 i-ELOOP Sports-Line Graphitgrau-Metallic Frontalansicht Landstraß

Gestartet wird per Knopfdruck – serienmäßig in der Sports-Line-Ausstattung. In mäßigem Tempo geht es durch die Berliner City. Im Hintergrund säuselt unaufgeregt und gedämpft der Reihen-Vierzylinder. Allmählich gelingt es mir, Stadtgeschwindigkeit zu erreichen. Und wirklich erfreulich ist: Mit 50 km/h kann ich ohne Zucken oder Murren den 6. Gang zum Mitschwimmen bemühen; Kraftstoff-Effizienz inklusive. Wer es jedoch mit dem untertourig Fahren übertreibt, der erntet Ruckeln im Antriebsstrang – logisch.

Mitschwimmen im sechsten Gang klappt gut, aber richtig vorwärts geht es nur mit Drehzahl. Für einen Sauger, dem gern attestiert wird, untenrum zu schlapp zu sein, zieht der mit 14:1 ungewöhnlich hoch verdichtende Benzin-Motor angenehm und flott, auch aus dem Drehzahlkeller. Zwar passiert das nicht mit der meist plötzlich einsetzenden Nachdrücklichkeit eines kleineren Turbo-Benziners, aber diese Eigenart sowie die ihm eigene, saubere Homogenität im Antritt macht den 2.0 Liter des Mazda6 so sympathisch für mich.

Mazda6 Typ GJ 2.0 SKYACTIV-G 165 i-ELOOP Sports-Line Graphitgrau-Metallic Seitenansicht Heckperspektiv

Die knackige 6-Gang-Schaltbox, dazu der kernig-brummige Vierzylinder – damit hatte ich meine Freude auf den Landstraßen Brandenburgs. Der Schalthebel ist angenehm kurz, wie auch die Schaltwege, sodass zackigen Gangwechseln nichts im Wege steht. Das 2.0-Liter-Aggregat entfaltet seine Kraft über das komplette Drehzahlband homogen und zieht ab 4.000 Umdrehungen – dann, wenn das volle Drehmoment von 210 Newtonmeter anliegt – noch einmal spürbar kräftiger an, um schließlich bei 6.000 Touren die volle Leistung von 165 PS an die Vorderachse abzugeben. Der Motor wandelt sich in der Soundkulisse jenseits der 4.500 Umdrehungen von angenehm zu aggressiv, ohne jedoch nerven zu wollen. Der Reihen-Vierer-Klang schwillt dabei mächtig an und lässt in Zeiten von Downsizing und Turboaufladung lang vergessene Emotionen erwachen.

Mazda6 Typ GJ 2.0 SKYACTIV-G 165 i-ELOOP Sports-Line Mittelkonsole Schaltkulisse Interieur Innenraum Cockpi

Diese Emotionen halte ich auf der Bundesstraße mit der Drehzahl zwischen 4.000 und 6.500 auf einem konstant hohen Niveau. Auch wenn der 165 PS starke Mazda6 2.0 SKYACTIV-G nicht für das ländliche Kurvenräubern gemacht ist – das tendenziell straff ausgelegte Fahrwerk bereitet dabei Freude und vermittelt ein gesundes Maß an Feedback. Für komfortorientierte Fahrer dürfte die Dämpfung vermutlich etwas weicher ausfallen. In hastiger angegangenen Kurven schiebt der Mazda typischerweise über die Vorderachse, bleibt aber trotz des Untersteuerns gutmütig und problemlos beherrschbar. Dabei unterstützt die direkte Lenkung den Fahrer, die jedoch, gelegentlich etwas gefühllos, Rückmeldung missen ließ. Bei kurviger Nachtfahrt zeigen sich die Bi-Xenon-Scheinwerfer mit ihrer sehr guten Ausleuchtung von der besten Seite, die Dank des dynamischen Kurvenlichts (AFS) auch in engen Kurven für Sicherheit sorgen.
Auf schlechten Straßen allerdings neigt das Fahrwerk zum Poltern. Und da Presse-Testwagen in aller Regel recht hart rangenommen werden, ist eine mögliche Folge hiervon das Knarzen und Knacken, das gelegentlich aus dem Armaturenträger drang.

Mazda6 Typ GJ 2.0 SKYACTIV-G 165 i-ELOOP Sports-Line Graphitgrau-Metallic Seitenansicht Bi-Xenon Nach

Auf der Autobahn fühlt sich der Mazda6 ebenso zu Hause und präsentiert sich hier als Langstrecken-Limousine. Obwohl der Geräuschpegel bei 130 km/h auf einem angenehmen Niveau liegt, dreht der 165 PSer Benziner dabei mit knapp 3.000 Umdrehungen. Das erscheint mir etwas viel. Für die Langstrecke bietet sich daher – auch angesichts des Verbrauchs – der 2.2 Liter große Diesel für den Mazda6 an. Auch wenn der Benziner verhältnismäßig hohe Drehzahlen bei Tempo 130 anlegt, fällt der Verbrauch insgesamt angenehm niedrig aus. Unter sieben Liter auf 100 Kilometer sollten kein Problem sein – wie auch auf spritmonitor.de zu sehen ist.

Mazda6 Typ GJ 2.0 SKYACTIV-G 165 i-ELOOP Sports-Line Cockpit Kombiinstrument Tacho beleuchtet Nach

Die Instrumente des Kombiinstrumentes sind einwandfrei ablesbar. Die Tankanzeige erfolgt digital. Über die Kühlmitteltemperatur informiert dagegen lediglich eine blaue Kontrollleuchte während der Kaltstartphase. Erlischt diese, gibt es keinerlei Informationen mehr – außer, das Kühlmittel wird zu heiß, was mittels einer roten Warnleuchte signalisiert wird.

Mazda6 2.0 SKYACTIV-G 165 – Fazit

Tacheles: Was spricht gegen den Mazda6? Eigentlich nichts. Eigentlich? Gut, es spricht tatsächlich nichts gegen den Mazda6 – allein der Verwendungszweck des Fahrers und Individualisierungswünsche stünden ihm womöglich im Weg. Denn: Für die Stadt ist der Mazda6 mit 4,86 Meter Länge zu groß, der Zwölf-Meter-Wendekreis spricht auch nicht unbedingt die Sprache urbaner Agilität. Wer jedoch am Stadtrand oder auf dem Land wohnt, täglich über Landstraßen oder Autobahnen pendelt und wenig Lust verspürt, einen Selbstzünder zu pilotieren, der ist zweifelsohne mit dem Mazda6 gut beraten.

Mazda6 Typ GJ 2.0 SKYACTIV-G 165 i-ELOOP Sports-Line Graphitgrau-Metallic Vorderansicht Detai

Trotz mangelnder Individualisierungsmöglichkeiten im Konfigurator ist der Mazda6 ein Auto für Individualisten. Sein gefälliges Äußeres erregt Aufmerksamkeit, das KODO-Design ist ein Volltreffer. Er ist sauber verarbeitet und bietet für gut 35.000 € alles, was es braucht. Auch der Vierzylinder-Sauger mag etwas für Eigensinnige oder Nostalgische sein, die technisch etwas anderes fahren möchten, als das zeitgenössische Einerlei. Aber auch rational betrachtet, ist der 2.0 SKYACTIV-G eine angenehme, eine fahrfreudige Alternative in Zeiten des Downsizings. Denn sparsam ist er, auch ohne modischen Effizienz-Firlefanz.

Mazda6 Typ GJ 2.0 SKYACTIV-G 165 i-ELOOP Sports-Line Graphitgrau-Metallic Heckansicht Landstraße Straßensperr

Es spricht also tatsächlich nur sehr, sehr wenig gegen den Mazda6. Wen die schiere Größe abschreckt, der sollte sich die Mazda3 Limousine ansehen. Sonst gibt es lediglich Details, die mir im Alltagsbetrieb kritikwürdig schienen, wie etwa die Bose-Anlage oder die zu tief sitzenden Tasten für Klimaautomatik und Sitzheizung. Aber auf der Haben-Seite stehen u. a. der harmonische, drehfreudige Antrieb mit knackigem 6-Gang-Schaltgetriebe, der niedrige Verbrauch, das tolle Exterieur-Design und das Rundum-sorglos-Paket für 35.440 €.

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