Test & Fahrbericht: Honda Civic 2.2 i-DTEC Executive – Antrieb & Dynamik

Kompaktklasse, Diesel, 150 PS – eine gängige Kombination, die mir bis dato den einen oder anderen Schauer bescheren mochte. Diesel & ich; so recht warm werden wollten wir nicht. Doch nach einer recht langwierigen Warmlaufphase rollte mir der Honda Civic 2.2 i-DTEC über den Weg. Und plötzlich gibt es da einen Selbstzünder, der mich wirklich überzeugen konnte.

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Honda Civic 2.2 i-DTEC Executive Milano Rot Seitenansicht Beerbau

Der Honda Civic neunter Generation polarisiert – was ihn für mich wiederum sympathisch macht. Er ist kein Allerweltsauto, gefällt nicht jedem, weiß jedoch in puncto Verarbeitung sowie Ausstattung zu überzeugen. Zwar mag das Design von Ex- und Interieur nicht jedermanns Geschmack sein, aber an den grundlegenden Qualitäten des Honda Civic ändert dies wenig.

Ein besonders herausstechendes Qualitätsmerkmal ist der Antrieb des Civic 2.2 i-DTEC. Wie bereits erwähnt, bin ich kein Freund des Dieselantriebs – Rudolf und ich, wir wären wohl kaum Freunde geworden. Aber Honda zeigt eindrucksvoll, wie Diesel in der Kompaktklasse geht und zu sein hat.

Honda Civic 2.2 i-DTEC Executive Milano Rot Motorrau

Das überrascht. Denn Honda mag zwar der weltweit größte Motorenhersteller sein, aber der erste eigene Dieselmotor kam erst 2003 auf den Markt. Mit ordentlicher Verspätung also, aber umso eindrucksvoller präsentiert sich der 2.2 Liter große Selbstzünder im kompakten Civic.
Aber, was macht das japanische Dieseltriebwerk so gut?

Übertrieben formuliert, haben wir es hier endlich mit der eierlegenden Wollmilchsau zu tun, die für den Alltagsbetrieb ideal geeignet zu sein scheint. Der Motor ist leise, nagelt nur dezent während der Warmlaufphase und bleibt danach fast unhörbar im Teillastbereich.

Honda Civic 2.2 i-DTEC Executive Milano Rot Heckansicht seitlich Hohenwutzen Sonnenuntergan

Mit 150 PS ist der 2.2 i-DTEC nicht nur alltagstauglich motorisiert, sondern kann auch sehr flott und dynamisch bewegt werden. Das stämmige Drehmoment von 350 Newtonmeter sorgt in beinahe allen Lebenslagen für gehörigen Druck. Das 6-Gang-Schaltgetriebe flutscht über ideale Schaltwege knackig von Gasse zu Gasse und liegt Dank der leicht erhöhten Positionierung perfekt in der Hand.

Und für einen Daily Driver natürlich ebenso wichtig: Der Honda Civic 2.2 i-DTEC knausert mit dem Sprit, wie ich es bisher noch nicht erlebt habe – trotz meiner teils herzhaften Fahrweise. Unter guten Voraussetzungen fuhr ich in der Stadt teilweise mit einem Verbrauch von 5,2 Litern Diesel, minimal fuhr ich ohne Anstrengung eine 4,9 ein. Ein Testverbrauch von unter 6,8 Litern kann sich wirklich sehen lassen; gerade im Vergleich mit von mir getesteten, ähnlich starken Kompakt-Dieseln wie etwa dem Mitsubishi Lancer 1.8 DI-D+ oder dem Citroën C4 Aircross HDi 150.

Honda Civic 2.2 i-DTEC Executive Bordcomputer Verbrauch Trip Compute

Ganz gleich, ob ich in der Stadt, auf der Landstraße oder Autobahn unterwegs war, der Honda Civic 2.2 i-DTEC verbrauchte überraschend wenig Kraftstoff. Stop&Go und Schleichfahrten in der Stadt absolviert der Civic leise, unaufgeregt und komfortabel. Auf der Landstraße konnte der Honda zeigen, was er dynamisch kann. Und obwohl der rote Bereich bereits bei 4.500 Umdrehungen anliegt, zeigt sich der Aggregat herrlich drehfreudig, der kompakte Japaner kurvenhungrig und agil.
Die Rückmeldung von Lenkung wie Fahrwerk passen, lassen mich die Fahrbahn-Beschaffenheit erfahren, ohne lästig oder übermäßig auf sportlich gemacht zu wirken.

Auf der Autobahn fühlt sich der Civic auch bei Volllast und 220 km/h so sicher wie bei Fuffzig in der Stadt an und wird dabei nicht unangenehm laut. Der Motor ist hier nicht zu hören, einzig Wind- und Abrollgeräusche schwellen mit steigender Geschwindigkeit und Drehzahl an.

2013 Honda Civic 2.2 i-DTEC Executive Milano Rot Seitenansicht Eberswald

Warum mir der Honda Civic 2.2 i-DTEC so gut gefällt? Weil er sich nicht wie ein Diesel fährt. Seine homogene Leistungsentfaltung, die mich als Fahrer spüren lässt, dass bei der Motorenentwicklung „Fahrspaß“ eine wichtige Rolle zukam. Ein Vorwärtsdrang und der Druck, der verheißungsvoll ansteigt, statt plötzlichem Drehmoment-Höhepunkt und -Abfall sowie das überzeugende Schaltgetriebe sind die Zutaten, die mich von diesem Diesel überzeugen konnten. Die Charakteristik, das Fahrgefühl ließ mich teilweise vergessen, dass ich mit einem Selbstzünder unterwegs bin.

Honda Civic 2.2 i-DTEC Executive Kombiinstrument Drehzahlmesser Tachobeleuchtun

Hinzu kommen die präzise wie direkte Lenkung, die Lenkbefehlen unmittelbar nachkommt, die kräftigen und fein dosierbaren Bremsen sowie ein Fahrwerk, das einen angenehmen Kompromiss mit einem Hang zur Straffheit gefunden hat.
Und fiel mir bei all der Lobhudelei auch etwas Negatives auf?

Ja, auch das gab es, aber das betraf nicht den Antrieb. Viel mehr lassen sich meine Kritikpunkte bei den Assistenzsystemen finden. So verfügte der Testwagen u. a. über einen Fernlicht-Assistenten. Dieser funktionierte an sich auch zuverlässig, erkannte auf Landstraßen Gegenverkehr frühzeitig und blendete ab. Auch bei nächtlicher Straßenbeleuchtung schaltete das System das Fernlicht ab.

2013 Honda Civic 2.2 i-DTEC Executive Milano Rot Frontansicht Detail Hohenwutze

Auf der Autobahn dagegen funktionierte der Assistent nicht immer zuverlässig, sodass ich ihn lieber deaktivierte, statt Gefahr zu laufen, andere Verkehrsteilnehmer zu blenden. Ein weiteres Problem stellen kleine Ortschaften dar, in welchen die Straßenbeleuchtung temporär abgeschaltet wird. Hier fährt der Civic unbeirrt aufgeblendet durch. Hier fämde ich es ganz nett, wenn der Fernlicht-Assistent mit dem Kartenmaterial des Navigationssystems arbeiten würde, um innerhalb geschlossener Ortschaften zuverlässig abzublenden.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Notbrems- und Kollisionswarn-Assistenten CMBS (Collision Mitigation Brake System), der für meinen Geschmack zu sensibel reagierte. So passierte es etwa, wenn ich innerorts überholte, dass das System plötzlich ausschlug. Es fängt an zu piepen, zuppelt dreimal heftig am Fahrergurt und blinkt gefährlich Rot im Kombiinstrument. Beim ersten Mal erlitt ich einen mittelschweren Schock, als ich an einem stehenden Abbieger vorbeifahren wollte. Grundsätzlich mag das System vom Grundgedanken her sinnvoll sein, allein die Umsetzung geriet mir zu scharf.

Honda Civic 2.2 i-DTEC Executive Milano Rot Rundumsicht Rückspiegel Innenspiege

Ein letztes Manko ist sicherlich die unübersichtliche Karosserie des Honda Civic. Zu Ungunsten der Sicht ist das Exterieur gestaltet, die Funktion muss sich dem Design unterwerfen. Besonders deutlich wird das beim Blick in den Rückspiegel, der wegen des in der Heckscheibe liegenden Heckspoilers beinahe überflüssig ist.

Trotz dieser Kritikpunkte bleibt mir der Honda Civic 2.2 i-DTEC überaus positiv im Gedächtnis. Nicht umsonst landete der Civic in meiner Testwagen-Top3 des Jahres 2013 auf Platz 2. Wer sich mit dem expressiven Exterieur-Design und dem Kanzel-Cockpit anfreunden kann, sollte unbedingt einen Blick riskieren. Fahrerisch überzeugt der Civic ebenso wie mit seiner meist wertigen Verarbeitung sowie dem soliden Eindruck und der auf Wunsch reichhaltigen Ausstattung. Günstig ist der Honda Civic dabei jedoch nicht. Wie ich nun bedauerlicherweise feststellen musste, ist der 2.2 i-DTEC nicht mehr im Online-Konfigurator verfügbar. Einzig der Civic 1.6 i-DTEC scheint konfigurierbar zu sein.

2013 Honda Civic 2.2 i-DTEC Executive Milano Rot Seitenansicht Beerbau

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