Test & Fahrbericht: Audi A1 1.4 TFSI – Interieur, Ergonomie und Haptik

Eine Woche lang stand mir ein Audi A1 Ambition 1.4 TFSI S tronic mit 122 Turbo-PS als Testwagen zur Verfügung. Im ersten und zweiten Artikel stellte ich das Fahrzeug vor, machte euch mit den Daten und Fakten des Testwagens vertraut und ging auf Design und Exterieur ein. Dieser dritte Artikel behandelt nun sowohl Interieur als auch Ergonomie und Haptik.

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Audi A1 Ambition 1.4 TFSI S tronic

Nachdem ich mich mit dem Äußeren befasste, heißt es, den Innenraum zu entern. Ein Druck auf das Knöpfchen der Funkfernbedienung und los geht’s. Ich lasse mich auf den serienmäßigen Sportsitzen der Ambition-Ausstattung nieder und schließe die Tür. Diese verkündet das ins-Schloss-fallen mit einem satten, dumpfen Ton, den ich in dieser Fahrzeugklasse so nicht erwartet hätte.

Audi A1 Ambition 1.4 TFSI S tronicDie Stoffsitze sind gut konturiert und der Materialmix der Stoffe lockert das Interieur-Ambiente auf angenehme Weise auf. Die Sitzmittelbahnen ziert ein grauer, grober Stoff. Die dunklen Sitzwangen werden mit hellen Kontrastnähten aufgewertet und bieten mir auch bei dynamischerer Fahrweise guten Seitenhalt. Die straffe Polsterung fällt nicht zu hart aus, sodass sich die Sitze durchaus für längere Etappen eignen. Schnell habe ich eine mir passende Sitzposition gefunden, auch Dank des höhen- und tiefenverstellbaren Lenkrads.

Das Lenkrad selbst gefällt weitgehend – haptisch kann der lederne Lenkradkranz überzeugen, die Lenkradnabe trifft weniger meinen Geschmack; zu wulstig erscheint mir der Pralltopf. Dagegen ist die Multifunktion angenehm übersichtlich. Der Testwagen verfügt zusätzlich zu dieser auch über Schaltwippen hinter dem Lenkrad, die in Kurven den Lenkbewegungen folgen und somit ebenfalls in Neigung Schaltvorgänge erlauben.

Außer den Schaltwippen befinden sich noch zusätzlich drei Lenkstockschalter. Grob gesagt: links Blinker, rechts Wischwasch. Der dritte Hebel unterhalb des Blinkerhebels dient der Geschwindigkeitsregelanlage (250,- € Aufpreis). Ich persönlich mag diese Hebellösung nicht, da ich einerseits die Symbole ohne Verrenkungen zulasten der Verkehrssicherheit nicht sehen kann und da andererseits die Funktionen nicht beleuchtet sind. Daher bevorzuge ich die Steuerung des Tempomats am Lenkrad. Einwerfen könnte man hier sicherlich, dass der Fahrer mit zunehmender Gewöhnung weiß, wo welche Funktion liegt.

Audi A1 Ambition 1.4 TFSI S tronic

Als nächstes heißt es, Schlüssel ins Zündschloss und Zündung ein. Doch wo ist es nur? Da der Test-A1 ohne Komfortschlüssel ausgestattet war – was keineswegs ein Manko ist – wird der Zündschlüssel eben konventionell verwendet. Aber gerade bei Dunkelheit gestaltet sich die Suche schwierig, da das Zündschloss nicht beleuchtet ist. Klar, ich weiß ja, wo es sich ungefähr befindet. Allerdings möchte ich nicht mit dem Schlüssel über die Armaturentafel kratzen, um irgendwann das Schloss zu treffen.

Also, Zündung ein und das wirklich sehenswerte Kombiinstrument bewundern: ein starker Kontrast und das angenehme Weiß der Ziffernblätter gewährleisten ein einwandfreies Ablesen der Anzeigen und Skalen. Allerdings stellt sich mir anschließend die Frage: „Hab‘ ich Licht an?“ Die Skalen leuchten – logisch, denn das LED-Tagfahrlicht ist eingeschaltet. Um festzustellen, ob ich Stand- oder Abblendlicht oder die Nebelscheinwerfer eingeschaltet habe, muss ich mich nach links vorn beugen. Dort befindet sich – wie von Audi gewohnt – die Lichtsteuerung. Und erst hier kann ich erkennen, ob und welche Leuchten ich aktiviert habe. Ich kleines LED-Lämpchen im Kombiinstrument wäre mir lieber.

Audi A1 Ambition 1.4 TFSI S tronic

Freudig empfangen werde ich auch von der Mittelkonsole. Über ihr befindet sich auf dem Armaturenbrett das händisch versenkbare Display der MMI Navigation plus, das für 2.650 ,- € geordert werden kann. Darunter dominieren die auffälligen Lüfterdüsen das Bild, die gegen einen weiteren Aufpreis in Aluminium erstrahlen. Darunter befindet sich die Radioeinheit, die sich in idealer Bedien-Höhe befindet. Zentral ist der alu-ummantelte Dreh-Drück-Schalter für das Infotainment-System. Optisches wie haptisches Highlight ist meines Erachtens die Klimaautomatik. Die drei geriffelten Metall-Drehräder machen außerordentlich was her. Fein definiert und abgestuft sind die gut hörbaren Klickpunkte. Und eigentlich würde ich an dieser Stelle wieder anfangen zu meckern und anführen, die Klima-Bedienung läge zu tief. Mag sein, aber sie lässt sich mittels der drei Regler auch gut blind bedienen – ohne die Augen von der Straße zu nehmen.

Wirklich ungünstig dagegen liegen die Schalter zwischen den Drehreglern. Schlimmer wird es eine weitere Etage tiefer. Die Lage der Knöpfe für die zweistufige Sitzheizung links und rechts außen haben sich schnell eingeprägt. Wer jedoch einen der vier Schalter dazwischen nutzen möchte – Heckscheibenheizung, ESP, Parkwarner vorn aktivieren, Reifendruck-SET-Taste – sollte genau hinsehen.

Audi A1 Ambition 1.4 TFSI S tronic

Wenig erbaulich erscheint mir ebenso die Lage des Zigarettenanzünders. Wer ein Handy-Ladekabel darüber verwenden möchte, braucht sehr filigrane Hände. Denn der Anschluss liegt sehr tief in der Mittelkonsole und bauart-bedingt ist hier wenig Platz.

Das integrierte Raucherpaket beinhaltet auch einen Aschenbecher. Dieser wirkt jedoch wie eine Verlegenheitslösung und mutet an wie ein Coffee to go-Becher mit Klappdeckel.

Audi A1 Ambition 1.4 TFSI S tronicIn der Armlehne der Fahrertür sind wie gewohnt mehrere Schalter untergebracht. Sowohl Fahrer- als auch Beifahrer-Fensterheber verfügen über Ab- und Aufwärtsautomatik und die Seitenspiegel lassen sich ebenfalls automatisch verstellen. Im Testwagen waren diese zudem beheizt, allerdings kostet diese Funktion wiederum Aufpreis (100,- €). Mein Problem war hier jedoch ein anderes: für mich waren die Fensterheber-Schalter zu weit hinten. Ich musste mich etwas verrenken und meinen linken Arm einziehen, um die Fensterheber bedienen zu können.

Die Außenspiegel waren in der Größe ausreichend und gewährleisten mit einem asphärischen Bereich auf der Fahrerseite ein besseres Blickfeld. Der Innenspiegel dagegen fällt für meinen Geschmack zu klein aus.

Ideal liegt der wohlgeformte Schalthebel des DSG. Der Kopf ist fühlbar aus Metall – das führt gerade bei niedrigen Temperaturen zu dem Wunsch, schnell die Finger davon zu lassen – und Dank des Doppelkupplungsgetriebes ist das auch kein Problem. Für die Bequemlichkeit sorgt obendrein die empfehlenswerte, aber aufpreispflichtige Mittelarmlehne. Irritierend war im Testwagen, dass der Knopf des Schalthebels, um zwischen den Gangstufen zu wechseln, mit fast jedem Druck quietschte.

Audi A1 Ambition 1.4 TFSI S tronic

Für die richtige Stimmung sorgt die in LED umgesetzte Ambient-Beleuchtung. Dazu gehört auch das Innenraumlicht im Dachhimmel, das in LED-Technik daherkommt. Im Fond dagegen bleibt es dunkel.

Trotz der fehlenden Fond-Türen sind die hinteren Plätze nicht unbedingt als Strafbank zu betrachten. Ich hatte hinten bei einer Größe von 1,80 Meter überraschend viel Bein- und Kniefreiheit hinter dem auf meine Größe eingestellten Fahrersitz. Allerdings stoße ich wegen der nach hinten abfallenden Dachlinie mit dem Hinterkopf an die Dachunterkante an. Auch die Kopfstütze lässt sich nicht auf einer passenden Höhe arretieren. Obwohl die Kopfstütze noch nicht einrastet, stößt sie bereits gegen den Dachhimmel. Das heißt: Entweder bleiben die Kopfstützen ganz unten – gut für die Sicht nach hinten – oder in der nächsthöheren Position. Dann jedoch ist der Fond bestenfalls für Personen bis 1,70 Meter Körperlänge geeignet.

Audi A1 Ambition 1.4 TFSI S tronic

Naturgemäß fällt auch das Gepäckabteil in dieser Fahrzeugkasse etwas kleiner aus. Allerdings reicht der Kofferraum für einen Wocheneinkauf eines Zwei-Personen-Haushalts locker aus.

Damit zeigte sich für mich, dass der Audi A1 als Großstadt-Pärchen-Auto gut geeignet ist. Der kleinste Audi ist für die Großstadt angenehm kompakt und handlich, bietet vorn im Innenraum sehr gute Platzverhältnisse und kann darüber hinaus durchaus den einen oder anderen Passagier im Fond vertragen – wenn er nicht zu groß ist. Zudem stellt der A1 für den Kurzurlaub übers Wochenende oder dem Wocheneinkauf genügend Raum zur Verfügung.

Audi A1 Ambition 1.4 TFSI S tronic

Und hier noch ein paar Worte zur Haptik im Innenraum: erstaunlich, einfach nur erstaunlich, was Audi in dieser Fahrzeugklasse bietet. Haptik-Fetischisten kommen ganz auf ihre Kosten. Alle Materialien in Greifweite fühlen sich weich und angenehm an. Zu diesem Ensemble passt freilich das aufgeschäumte Armaturenbrett, das – wer denn sein Auto gern an der Ampel streichelt – den darüber streichenden Händen schmeichelt. Metall-Oberflächen erweisen sich tatsächlich als Metall. Selbst die Ausströmer-Manschetten fühlen sich metallisch-kalt an. Allerdings haben diese den Nachteil, dass sie bei Dunkelheit teilweise so stark in den Seitenscheiben reflektieren, dass der Außenspiegel de facto unsichtbar wird. Haptik-Highlight bleiben für mich die Metall-Räder der Klimaautomatik, aber auch die Türöffner sind ein Hingucker. Und nur in Regionen unterhalb der Knie lassen sich vereinzelt Bauteile finden, die per Klopfzeichen von ihrer Machart aus Hartplastik künden. Aber wer tut das schon?

Audi A1 Ambition 1.4 TFSI S tronic

Was bleibt zum Schluss zu sagen? Für das veranschlagte Geld bietet Audi viel Kleinwagen. Der Audi A1 zeigt sich als durchdachtes Fahrzeug, das lediglich in Detailfragen Schwächen erlaubt. Was die Haptik im Innenraum betrifft, zeigt Audi, wo der Hammer hängt. Es bleibt aber die Frage zu klären, ob dem Audi-Interessenten ein haptisch hochwertiges Auto so viel Geld wert ist – 29.000,- € für den Testwagen sind eine Ansage. Letztlich muss das jeder für sich selbst entscheiden.

Im Innenraum bietet der Audi A1 überraschend viel Platz. Das hatte ich ihm von außen nicht zugetraut. Zugeständnisse ans Design gibt es aber im Fond, was die Kopffreiheit anbelangt.

Audi A1 Ambition 1.4 TFSI S tronic

An sich sind die Makel, die ich aufführte Kleinigkeiten und auch nicht sonderlich dramatisch. Das ist schlichtweg Meckern auf sehr hohem Niveau. Und es verhält sich keineswegs so, dass ich krampfhaft nach Kritikpunkten suche. Aber gerade in puncto Ergonomie sind mir die genannten Punkte im Alltagsbetrieb aufgefallen. Wie sehr der jeweilige Fahrer diese für sich gewichtet, ist immer eine Frage der Einstellung. Ich würde mir persönlich hier und da die ein oder andere Verbesserung wünschen.

In meinem nächsten Artikel zum Audi A1 1.4 TFSI S tronic werde ich auf die verbaute Technik sowie deren Handhabung eingehen, bevor ich in meinem letzten A1-Beitrag die dynamischen Aspekte beleuchte.

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In der Gallerie, die unten eingefügt ist, findet ihr neben den im Artikel verwandten Bildmaterial noch weitere Detail-Fotos vom A1-Innenraum. Viel Spaß beim Durchklicken!

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