Im Test: Fahrbericht Porsche Cayman (981c)

Eine Augenweide. Immer wieder und wieder. Nach hastig-lustvollem Landstraßen-Hetzen war es Zeit für eine weitere kurze Pause. Die obligatorische Zigarette danach angesteckt, schweifen meine Blicke wieder über diese Rundungen und entfachen die Lust aufs Fahren, Räubern, Rasen stets auf ein Neues. Zahlreiche Raucherpausen und etliche Fotos waren Gelegenheit, den Cayman aus jedem Winkel zu betrachten, während die vielen Stunden auf Achse das Interieur mehr und mehr zu meinem Wohn- und Schlafzimmer werden ließen.

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Porsche Cayman 2013 981c Heckansicht LED-Rueckleuchten Dunkelblau-Metallic Fel

Einen Porsche erkennst Du, wenn Du ihn siehst. Flach, breit, lange Bughaube und das schwungvoll knackige Heck. Ich konnte mich nicht daran sattsehen. Die ausufernd breiten Hüften, die sich drall über die Radkästen legen und im Heckstoßfänger münden – allein der Anblick dieser Wölbungen im Außenspiegel war mir ein steter Genuss.

Porsche Cayman – Das Design

Porsche Cayman 2013 981c Frontalansicht Draufsicht Dunkelblau-Metallic FeldEtwas dezenter ist dieses Stilmittel an der Front vorzufinden. Innerhalb der beiden dunkelblauen Wellen ruhen die Scheinwerfer, die bereits an den Porsche 911 (991) erinnern. Auch die Silhouette verweist auf die inzwischen 50-jährige 911er-Tradition. Schön fügen sich die Rückleuchten in das Design ein, nehmen sowohl den Hüftschwung als auch den Heckspoiler in ihre Formgebung auf. Nichts am Heck wirkt überflüssig, jede Form, jeder Schwung erfüllt einen Zweck – und sieht dabei auch noch unverschämt sexy aus.

Unter diesem betörenden Blech, hinter der Heckklappe ist Raum für 275 Liter Gepäck. Der etwas weiter vorn liegende, stufige Kasten birgt den 6-Zylinder-Boxermotor, der sich nicht zeigen mochte. Umso besser war er jedoch zu hören. Unter die Bughaube passen weitere 150 Liter hinein. Aber wen juckt das? Ein Porsche ist kein Last-, er ist Lustesel. Blöken soll er, wenn ich ihn trete. Und für ein spontanes Wochenende zu zweit ist in jeder Hütte Platz genug.

Porsche Cayman 2013 981c Seitenansicht Dunkelblau-Metallic Wal

Es ist schon erstaunlich, wie sich die Porsche-Designer seit Jahrzehnten darauf verstehen, dem klassischen 911er-Design stets die Treue zu halten. Zwar wurde und wird immer hier und da an Ecken gefeilt, Neues eingefügt – aber die klassischen Proportionen sind geblieben. Auch und insbesondere beim Cayman. Die Design-Merkmale, die einen Porsche der Machart 911, Boxster, Cayman ausmachen, lassen sich zurückverfolgen bis zum Porsche 356 und sogar bis zum Ur-Käfer. Freilich nicht in dieser gedrungenen Form, aber die Parallelen sind deutlich: Die Scheinwerfer, die in den Kotflügeln ruhen, die stark ausgeprägten, runden Radhäuser, das sich abschwingende Dach, das nahtlos ins Heck übergeht. Geblieben sind auch der Boxermotor, der zwar nach wie vor hinten, aber im Cayman als Mittelmotor noch vor der Hinterachse sein Werk verrichtet, und der Hinterradantrieb. Und das Schöne bel alldem: Porsche versackt dabei nicht in Beliebigkeit. Auch das neueste Porsche-Modell wirkt frisch und vermag unverbrauchte Impulse zu geben.

Porsche Cayman – Auf Fahrt

Am Straßenrand stehen der Cayman und ich. Hatte der kleine Porsche auf unserer Tour zur Genüge Rauch und Abgase knatternd in die Luft geblasen, bin ich es nun, der – zwar beinahe geräuschlos, aber ebenso genüsslich – bläulichen Tabakrauch ins Freie entlässt. Ich schreite um den flachen Zuffenhausener herum und tätschle ihm die Schulter.

Porsche Cayman 2013 981c Vorderansicht Dunkelblau-Metallic Feld Wal

Da dringt ein Nageln an mein Ohr. Ich wende mich der Geräuschquelle zu und werde einem mattschwarzen BMW X6 gewahr, der mir mit seinem Dreiliter-Trekkermotor meine schöne Idylle zerschneidet. Mit abfälligem Blick trete ich theatralisch meine Kippe aus, als das mannshohe Diesel-Ungetüm neben mir zum Stehen kommt. Der Fahrer lässt die Scheibe herunter und grinsend fragt er: „Na Junge, wills’te ma mit ’nem richtjen Auto fahr’n?“ Ich lache laut auf. Peinlich berührt verdreht seine Beifahrerin die Augen. „Ist das Mattschwarz eigentlich Farbe oder doch eher Ruß?“ frage ich zurück und drehe dem Fahrer den Rücken zu. ‚Pah, Brandenburger BMW-Fahrer.‘ denke ich mir, als ich schnurstracks das Cockpit des Cayman entere und den Motor kurz aufbrüllend anlasse. Kurzer Schulterblick, ob der X6 stillhält und mit dröhnendem Boxer-Bass die Szenerie verlassen. „Friss Staub, Du Amateur.“

Porsche Cayman 2013 981c Heck-Detail LED-Heckleuchten Draufsicht Dunkelblau-Metalli

Dieser schöne, unverfälschte Sound im Rücken. Dreckig, laut, rotzig – keine Abgasklappen-Spielerei und keine Membran oder Boxen, die Verbrennungsgeräusche ins Innere leiten. Warum auch? Die Motor liegt innen, belegt die imaginäre Rücksitzbank, flezt sich im Leder, raucht Zigarre und schüttet Whiskey der Marke Super Plus in sich hinein. Daher also die markige Stimme. Aber gib ihm Drehzahl und seine Stimme überschlägt sich. Höher kreischt er Dir ins Ohr, wenn Du die 7.000 Umdrehungen passierst und auf eine Kurve zufliegst. Hart angebremst, spüre ich, dass die Porsche-Bremsen ihrem Ruf gerecht werden. Bis zum Kurveneingang habe plötzlich zu viel Geschwindigkeit verloren. Egal, die nächste Kurve kommt bestimmt, dann gelingt es mir besser.

Das ideal abgestimmte Porsche Doppelkupplungsgetriebe PDK schaltet während des Ankerns fein die Gangstufen hinunter, gibt Zwischengas und hält mich im perfekten Drehzahlbereich. Und Feuer. Die Drehzahlnadel schnellt Richtung Begrenzer, das Getriebe schmeißt den nächsten Gang rein und lässt mich das ordentlich spüren. Es knallt die Gänge rein, zerrt am Antriebsstrang – dass es das mit einem Doppelkupplungsgetriebe noch gibt. Herrlich. Keine verschliffenen, auf Komfort getrimmten Gangwechsel, die mir als Garant für Langeweile suspekt sind. Autofahren heißt Spüren, Fühlen, was geschieht. Der Cayman lässt es mich wissen. Und wie.

Porsche Cayman 2013 981c Cockpit Interieur Innenraum Achatgrau PD

Die B-Säule knarzt auf Ohrenhöhe? Der Beifahrergurt scheppert gegen die Abdeckung? Mehr Drehzahl, mehr Kurven, dann vergehen störende Nebengeräusche. Auf der Geraden spiele ich ein wenig mit den Schaltwippen. Sie funktionieren, aber brauchen konnte ich sie nicht. Zu gut schaltet das PDK selbst. Das optionale und wunderschöne SportDesign-Lenkrad kommt passenderweise ohne Multifunktion daher, liegt gut und sicher in der Hand. Wenn es am Ende der Geraden wieder mit Schmackes in die Kurve geht, das Heck ein wenig schwänzelt, dann mag der Beifahrer aufschreien – aber Dank der massiven Mittelkonsole wird er schön auf Distanz gehalten.

Knöpfchen und Schalter gibt es einige zu entdecken. Wirklich spannend und interessant fand ich das nicht. Ja, es sind recht viele, nicht alle sind optimal positioniert. Was soll’s? Ich will fahren, keine Knöpfchen drücken. Ich sitze tief, wie es sich gehört, eng angeschmiegt an das famose Leder der Sportsitze. Dem Sonnenuntergang geht es entgegen; und wenn ich schnell genug bin, vergeht dieser nie.

Porsche Cayman – Das Fazit

Ja, ich will. Der Porsche Cayman des Typs 981c macht fast alles richtig. Der 6-Zylinder-Boxer in Mittelmotor-Bauweise, ein reiner, feiner Sauger im Rücken, das überaus gelungene Doppelkupplungsgetiebe, die verführerische Hülle, die Anmut in puncto Verarbeitung und über allem thronend die Freude, die ich auf Achse empfand. Ist es verwerflich, Porsche zu fahren, kann es Sünde sein? Mir doch egal. Verdient landete der Cayman in meiner Testwagen-Top3 auf Platz 1. Das Fahrgefühl, die überbordenden Emotionen, der bange Pulsschlag, der mir vor Freude stetig zunehmend den Hals zuschnürt – hier stimmt so vieles.

Porsche Cayman 2013 981c Frontalansicht Detail Dunkelblau-Metallic Fel

Betörend ist gleichfalls der Verbrauch. Der Porsche Cayman (981c), ein Sportwagen, den ich keinesfalls zaghaft bewegte, zeigte am Testende 9,6 Liter Verbrauch. Über 800 Kilometer auf der Autobahn, teils jenseits der 270-km/h-Marke unterwegs, zeigte sich der Cayman als Kostverächter. Gerade 8,6 Liter wurden durch die sechs Brennräume gespült. Einzig in der Stadt waren es auch mal 12,7 Liter Super Plus. Wie kann da ein Sportwagen wie der Cayman noch verwerflich sein? Einzig der Anschaffungspreis kann zu Verwerfungen führen.

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6 Reaktionen auf diesen Beitrag

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