Im Test: Nissan 370Z Coupé

Ein Grundpreis von unter 33.000 € auf der einen und weit über 300 PS auf der anderen Seite – das und was sich zwischen diesen beiden Polen auf dem Papier zum Nissan 370Z Coupé finden lässt, klingt höchst verlockend. Was der Sportwagen von Nissan und sein V6-Sauger zu leisten vermögen, klärt der Test.

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Nissan 370Z Z34 Coupe Pack Automatik 2013 Magma Red Vorderansicht seitlich Kirch

Wer sich die Leistungsdaten des Nissan 370Z Coupé ansieht, bringt diesen schnell in Verbindung mit dem Porsche Cayman (981c), der ähnliche Angaben vorweisen kann. Allerdings klafft zwischen den Testwagen eine Preis-Schlucht von über 35.000 €. Gut, um den preis soll es nicht gehen. Wirklich wichtig ist, was die Fairlady in einem auslösen kann, wie sie sich auf dem Asphalt schlägt. Und dem möchte ich hier auf den Grund gehen.

Nissan 370Z Coupé – Im Stand

Nissan 370Z Z34 Coupe Pack Automatik 2013 Magma Red Seitenansicht Landstraß

Der intern Z34 genannte 370Z lässt schon im Stand mein Herz im Busen springen. Wuchtig, breit, tief und in der Heckansicht kolossal wirkt der Zetti. Er mag nicht die über Dekaden perfektionierte Eleganz eines Porsche verfügen, aber seine Sprache ist auch eine andere. Auf mich wirkt der Nissan 370Z wie ein Monument im Flachbau, die Silhouette fließt und erscheint in einem Guss. Die mittels Modellpflege überarbeitete Front ist stimmig und steigert die Vorfreude. Das weit geöffente Maul, die wie Hauer wirkenden, vertikal aufgestellten LED-Tagfahrlichter – erscheint dieses Bild im Rückspiegel, machst Du schleunigst Platz; oder wirst verschluckt. Und mit Verlaub: Dieser fette Arsch sieht einfach bezaubernd aus – auf eine perfide, etwas verquere Art. Aber was red’ ich? Die Bilder werden diesen Eindrücken gerechter als meine Worte es jemals könnten.

Nissan 370Z Z34 Coupe Pack Automatik 2013 Magma Red Heckansicht seitlich Flugplatz Werneuche

Optisch liegt die Karosserie schön tief. Und wenn Du im Cockpit Platz nehmen willst, musst Du Deinen Körper auch tief hinabsacken, um Dich vom Sitz umfangen zu lassen. Aber dennoch ist optisch noch unschön viel Luft zwischen Rad und Radlauf.
Für Stil und Historie sorgen schöne Details. Das Z-Logo in den Seitenblinkern und am Lenkrad oder die vom 350Z bekannten Türgriffe. Ich mag solche Zitate und hoffe, dass mir diese noch in vielen Jahren begegnen werden, wenn die Familienhistorie der Z-Familie fortgeschrieben worden ist.

Nissan 370Z Z34 Coupe Pack Automatik 2013 Interieur Innenraum Cockpi

Im Innenraum angelangt, fühle ich mich schnell wohl. Japanischer Sportwagen-Charme, ein angenehmer Materialmix, ansprechende Haptik. Hier zeigt Nissan, dass sie es doch können. Kein Vergleich zum Nissan Juke (Vor-Facelift). Die feinen Sportsitze passen gut, lassen an der Schulter jedoch etwas an Nähe missen. Eng ist es hier. Hinter dem Fahrersitz endet die Fahrgastzelle, davor prangt das griffige, nur in der Höhe verstellbare Sportlenkrad mit dem aufgesetzten Kombiinstrument, das der Lenkradhöhenverstellung folgt. Im Zentrum: der Drehzahlmesser, der von Drehzahllust jenseits der 7.000er Marke kündet.
Rundumsicht? Nicht vorhanden. Wozu auch? Im Cockpit bin ich König. Das muss reichen.

Nissan 370Z Coupé – Auf Fahrt

Nissan 370Z Z34 Coupe Pack Automatik 2013 Magma Red Vorderansicht Flugplatz Werneuche

Ein Druck aufs Knöpfchen erweckt das Triebwerk mit Namen VQ37VHR heiser bellend zum Leben. Beim Spiel mit dem Gas im Stand bricht sich eine leise Enttäuschung bahn. Von der Abgasanlage ist wenig zu hören. Verheißend klingt das nicht. Doch für meine Ohren kann das der dröhnend bassige Motorsound wieder wettmachen. Beim Kickdown auf der Landstraße oder der Autobahn bricht unter der Bughaube ein Feuerwerk los, das nicht nur entschädigt, sondern wirklich Freude bereitet. Unter Volllast springt die fette Lady mit mächtig Schub nach vorn und prescht auf die nächstbeste Schikane zu.

Nissan 370Z Z34 Coupe Pack Automatik 2013 Magma Red Heckansicht Flugplatz Werneuche

Die Kurve peitscht auf mich zu, knackig in die Klötzer und genießen, wie das 7-Gang-Automatikgetriebe die Schaltstufen runterflitzt und mit Zwischengasstößen für die passende Drehzahl am Scheitelpunkt sorgt. Und weiter geht die Drehzahlorgie. Schaltet das Getriebe unter Volllast ordentlich und zackig, schaltet es bei Schaltbefehl via Paddle gefühlt deutlich schneller. Ein kurzer Ruck an der rechten Schaltwippe kurz vor dem Begrenzer und die nächsthöhere Gangstufe ist sofort drin, der Vortrieb geht beinahe unvermittelt weiter. Sehr überzeugend.

Nissan 370Z Z34 Coupe Pack Automatik 2013 Cockpit Interieur Innenrau

An die Perfektion des PDK im Cayman kommt das Getriebe jedoch nicht heran. Ohne jeden Zweifel liefert der 7-Gang-Wandler eine überzeugende Vorstellung ab, zeigt kaum Schwächen. Einzig bei spontanen Gasstößen neigt es etwas zur Trägheit, schaltet im Teillastbereich etwas behäbig. Wer jedoch das volle Leistungsspektrum einfordert, bekommt ein giftiges Getriebe zu spüren. Ein Manko mag vielleicht sein, dass die gefühlte Performance des Getriebes über die Schaltwippen souveräner und punktgenauer wirkt.

Das aufgrund des Antriebs-Layouts und im Vergleich zum kleinen Porsche spürbar leichtere Heck lädt immer mal wieder zum gelegentlichen Heckschwenk ein. Das überrascht; erscheint das Hinterteil des 370Z doch allzu mächtig – aber wider Erwarten schwänzelt es spielerisch. In dieses Bild fügt sich homogen die unmittelbar und direkt reagierende Lenkung ein, die Bild und Eindruck komplettiert.

Nissan 370Z Z34 Coupe Pack Automatik 2013 Magma Red Heckansicht Detai

Auf der Autobahn zeigt sich die Lady erfreulicherweise stoisch in ihrem Lauf, geradezu langstreckentauglich. Elektronisch auf 250 km/h begrenzt, endet der Vortrieb, sobald der Tacho 260 zeigt. Wieder runter auf Reisegeschwindigkeit. Mit 240 Sachen pflügst Du über Brandenburger Autobahnen, als – wie sollte es auch anders sein – ein Kompaktklasse-Vehikel auf die linke Spur wechselt. Ein guter Test für die Bremsanlage des 370Z. In vollem Lauf bremst Du mal eben 100 Stundenkilometer runter. Garstig, giftig, unnachgiebig verbeißen sich die Belege in die vier Scheiben. Verzögerung, die diesen Namen wahrlich verdient. Gut, dem Beifahrer bleibt mal eben nach der kurzen Herzattacke und dem Gurt, der sich in den Brustkorb vergrub, die Spucke weg – aber hey, wir leben. Und so zeigte sich: Die Fairlady beschleunigt nicht nur wie ein Porsche, sie bremst auch so. Die Schnappatmung des Beifahreres bestätigt diesen Eindruck.

Nissan 370Z Coupé – Fazit

Machen wir es kurz: Das Preis-/Leistungsverhältnis ist unschlagbar. Der im Vergleich zum Porsche Cayman deutlich höhere Verbrauch relativiert sich durch den Minderpreis von über 35.000 €. Bei einem Spritpreis von 1,55 € für Super Plus und einem Verbrauch von 13 Liter auf 100 Kilometer fahre ich mit dem 370Z Coupé vierfach um den Globus, während der Cayman in der Garage keinen Meter zurücklegen darf. Wenn das kein überzeugendes Argument ist – zumal der Nissan 370Z in der Pack-Ausstattung kaum Wünsche offen lässt. Einzig in puncto Individualisierung muss die Fairlady passen.

Nissan 370Z Z34 Coupe Pack Automatik 2013 Magma Red Heckansicht seitlich Flugplatz Werneuchen_0

Die schlechte Rundumsicht, der kleine Kofferraum, der hohe Stadtverbrauch – das alles zählt nicht. Der Z34 ist ein Sportwagen. Entsprechend soll er auch wie einer aussehen, sich so anfühlen und so fahren. Die Augen blicken in die Richtung, in die ich die Lady dirigiere, ohne dabei groß auf Reisen zu sein oder mich durch den Großstadtdschungel hangeln zu müssen. Fakt ist: Der Nissan 370Z macht unverschämt viel Spaß, fährt dynamisch bis auf wenige Meter an den Cayman heran und beweist: Lust kann ein Laster sein, aber mit dem 370Z ist die Lust bezahlbar.

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6 Reaktionen auf diesen Beitrag

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    […] einen Fahrbericht aus dem letzten Jahr. Genauso bei mein-auto-blog einen Bericht zum Coupé. Bei autoaid wurde dieses Jahr schon das Facelift des Coupé mit Automatik […]

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