Im Test: Ford Focus 1.0 EcoBoost (125 PS)

Downsizing – so heißt das Gebot dieser Dekade in puncto Motorenbau. Statt der sonst üblichen vier verrichten immer häufiger nur drei Zylinder die Arbeit im Motorraum. Stetig ziehen bis heute weitere Hersteller nach. Ford bietet seinen 998-cm³-Turbo-Dreizylinder inzwischen seit März 2012 im Ford Focus in unterschiedlichen Leistungsstufen an. Das Triebwerk wurde mehrfach als „Engine of the Year“ ausgezeichnet. Der Test des Ford Focus 1.0 EcoBoost klärt, was an all dem Lob dran ist.

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2013 Ford Focus Mk3 Titanium 1.0 EcoBoost Turbo Candy-Rot-Metallic 125 PS 92 kW Vorderansicht seitlic

Doch, nicht allein der Motor soll hier betrachtet werden. Zu klären ist auch, wie sich der Ford Focus selbst schlägt. Und obwohl Ford erst kürzlich das Facelift des Mk3 vorstellte, das in der zweiten Hälfte 2014 erscheinen solle, wirkte der Testwagen in Candy-Rot jung, frisch und unverbraucht. In der Titanium-Ausstattung in knackigem Rot, mit Chromzierleisten und den Xenon-Scheinwerfern mitsamt LED-Tagfahrlicht macht er optisch eine gute Figur und hebt sich angenehm von den meisten anderen Focus-Modellen auf der Straße ab.

Ford Focus 1.0 EcoBoost – Im Stand

2013 Ford Focus Mk3 Titanium 1.0 EcoBoost Turbo Candy-Rot-Metallic 125 PS 92 kW Heckansicht Wald Herbstlau

Kurz vor Einführung des modellpflegten Focus dritter Generation fühlt er sich in der aktuellen Ausbaustufe reif und erwachsen an. Der Focus Mk3 steht in seinem Zenit. Zumindest das Exterieur des Testwagens finde ich gelungen und angenehm unaufgeregt. Das LED-Tagfahrlicht ist stilsicher im Gehäuse der Xenon-Scheinwerfer integriert. Trotz des Lichterketten-Designs wirkt es ansprechend. Die Nebelscheinwerfer in Chrom-Einfassung ergänzen die Front mit dem mehrteiligen Kühlergrill. Optisch passt das.

Die Silhouette ist weniger aufregend ausgefallen. Angenehmer Blickfang sind die 17-Zoll-Leichtmetallräder in der 15-Speichen-Ausführung. Die dunkel getönten Seitenscheiben passen gut zum dunklen Rot. Die Chromzierleiste an der Fensterunterkante lässt den Focus in der Seitenansicht edler erscheinen, der Dachkatenspoiler suggeriert sportiven Charakter. Nicht so recht zum Gesamtbild passen mag der dünne Draht von Antenne auf dem Dach.

2013 Ford Focus Mk3 Titanium 1.0 EcoBoost Turbo Candy-Rot-Metallic 125 PS 92 kW Seitenansich

Das Heck mag stimmig rüberkommen, sorgt andererseits auch nicht für Begeisterungsstürme. Die Rückleuchten ragen weit in die Flanken hinein – was nicht jedermanns Sache sein muss – und punktet für mich allein mit der simplen, aber in meinen Augen effizient-gefälligen LED-Grafik.
Ironie des Schicksals, dass ausgrechnet die meiner Meinung gelungene Front für das Facelift stark überarbeitet wurde, während das Heck, zwar deutlich gestrafft, nah am derzeitigen Focus bleibt.
Ein weiteres Manko, das mir auffiel, ist das mäßige Lackbild – Orangenhaut.

Eine der größten Schwächen wird mit der Überarbeitung endlich ausgemerzt: Das Interieur. Generell findet sich im Innenraum des Focus Titanium gute Verbarbeitung, die auf angnehme Haptik bis ins Detail trifft. Das Cockpit macht einen wertigen wie soliden Eindruck. Dennoch ist das Interieur die große Schwäche des Focus. Die mit verstreuten, kleinen Schaltern überfrachtete Mittelkonsole erschwert die Bedienung, das Klima-Bedienteil liegt tief und das Display des Infotainment-Systems fällt verhältnismäßig klein sowie pixelig aus und liegt in einem tiefen Tunnel.

2013 Ford Focus Mk3 Titanium 1.0 EcoBoost Turbo 125 PS 92 kW Cockpit Interieur Innenrau

Ohne jeden Tadel: Die Skalen und Anzeigen des Kombiinstruments sind einwandfrei ablesbar. Der Bordcomputer informiert mich über alles, was ich wissen muss. Lediglich die Bedienung und Menüführung erfordern Übung. Schön ist auch, dass jeder Schalter, jedes Knöpfchen beleuchtet ist. Das müssen sie auch sein, da es so viele, verstreute davon gibt. Ein witziges Detail ist das beleuchtete Schaltschema auf dem Schalthebel.
Wirklich überrascht hat mich die Sony-Soundanlage. Mit satten, vollen Bässen und klaren Höhen klingt das Ford Premium-Sound-System besser als so manche Bose-Anlage. Ausgestattet mit dem schlüssellosen Zugangs- und Startsystem, befindet sich hinter dem Lenkrad an der Lenksäule eine unschöne Plastik-Abdeckung, wo sich regulär das Zünschloss befände. Die Krückstock-Handbremse war für mich in puncto Ästhetik auch eher fragwürdig.

2013 Ford Focus Mk3 Titanium 1.0 EcoBoost Turbo Candy-Rot-Metallic 125 PS 92 kW Heckansicht Herbstlaub Wal

Für Ernüchterung sorgte ein Malheur mit dem automatisch ausfahrbaren Türkantenschutz der Fahrertür. Prinzipiell finde ich die Idee gut und sinnvoll. Doch die Umsetzung scheint nur mäßig ausgefallen zu sein. Wie sich rekonstruieren lässt, hatte sich der Schutzbügel an der Türfalz verkantet. Beim Schließen der Fahrertür fuhr der Bügel nicht ordnungsgemäß zurück, verklemmte sich in der Tür und brach am Kunststoffgelenk. Am Zielort fiel mit Öffnen der Fahrertür der Bügel zu Boden. Das Ergebnis gibt es hier zu sehen. Und wie es scheint, ist dies kein Einzelfall, wie sich anhand einer Diskussion auf Motor-Talk zeigt. Bleibt also zu hoffen, dass Ford im Rahmen des Facelifts hier nachgebessert hat und den Mechanismus in stabilerer Ausführung verbauen wird.

2013 Ford Focus Mk3 Titanium 1.0 EcoBoost Turbo Candy-Rot-Metallic 125 PS 92 kW Vorderansicht Plattenbau Marzah

Ford Focus 1.0 EcoBoost – Auf Fahrt

Per Knopfdruck startet der Motor. Wenn der Dreizylinder erwacht, bleibt es innen wie außen erfreulich leise. Vibrationen sind nicht zu spüren. Ersten Gang eingelegt und frisch ans Werk. Egal ob, Kalt- oder Warmlauf – vom fehlenden vierten Zylinder ist nichts zu spüren. Lediglich das eigenwillige Knurren kündet vom Verrichten der Arbeit des Dreienders. Es ist ein sympathisches Knurren, kein aggressives oder überanstregtes. Das EcoBoost-Triebwerk tritt kräftig an, die 170 Newtonmeter scheinen sofort da und arbeitswillig. Ideal für die Stadt. Über etwas lange Schaltwege flutscht der Schalthebel von Gang zu Gang; bis bei 60 km/h ohne zu Zetern im 6. Gang mitgeschwommen werden kann. 1.250 Umdrehungen liegen an, der Focus gleitet im Sparmodus.

2013 Ford Focus Mk3 Titanium 1.0 EcoBoost Turbo Candy-Rot-Metallic 125 PS 92 kW Heckansicht Gewerbegebie

Während der Fahrt zeigen sich weitere Charakterzüge des Focus Titanium, die ich etwa im Stand nicht bemerkte. So verstärken etwa die Heizdrähte der Frontscheibenheizung das Blenden entgegenkommender Fahrzeuge, während sich die Chrom-Einfassungen der Lüftungsdüsen links und rechts bei Dunkelheit in der Seitenscheibe spiegeln. An der Ampel stehend störte mich der eigenwillige Blinkerton. Freilich eine Frage des Geschmacks, raubte mir dieser beinahe den letzten Nerv.

Die Ampel springt auf Grün, ich fahre gewohnt zügig an und davon. Die Passagiere, die ich inzwischen einlud, sind sichtlich überrascht. „Und das ist wirklich ein Dreizylinder? Mit 125 PS? Der zieht aber gut. Fühlt sich kräftig an.“ Stimmt. Wirklich herausragend fährt sich der 1.0 EcoBoost-Motor in der Stadt. Locker flockig zieht der Ford Focus von der Ampel los, beschleunigt kräftig und nachdrücklich bis zur gewünschten Stadtgeschwindigkeit und rollt fortan leise weiter. Allein die Abrollgeräusche der Räder sind zu hören.

2013 Ford Focus Mk3 Titanium 1.0 EcoBoost Turbo 125 PS 92 kW Interieur Innenraum Cockpi

Auf Landstraße und Autobahn zeigt sich schließlich der fehlende Biss im oberen Drehzahlbereich. Zieht der Ford Focus 1.0 EcoBoost in der Stadt angenehm stramm an, geht dem Dreizylinder-Turbo ab 3.500–4.000 Umdrehungen die Puste aus; obwohl er bis 6.500 Touren drehen kann. Bis zur Richtgeschwindigkeit 130 geht noch alles gut, darüber hinaus schrumpft das Vergnügen mehr und mehr. Wer es dynamischer angehen möchte, wird sich bei zackigen Gangwechseln kurz über die plötzlich knorpelige Schaltung wundern. Passend zur Motorisierung ist das gelungene Fahrwerk des Focus auch eher auf Komfort getrimmt, die Lenkung bleibt dabei angenehm direkt, ohne jedoch übertrieben sportlich zu wirken.

2013 Ford Focus Mk3 Titanium 1.0 EcoBoost Turbo Candy-Rot-Metallic 125 PS 92 kW Seitenansicht Altreife

Am Ende bleibt die Frage: Lohnt sich der Dreizylinder? Dass der Ford Focus ein gutes, ausgereiftes Kompakt-Modell ist, dürfte bekannt sein. Assistenzsysteme sind meine Sache nicht und ich meide diese lieber. Aber das muss jeder für sich wissen.
Das noch junge Dreizylinder-Turbo-Triebwerk überzeugt mit exzellenter Laufruhe und hohem Komfort. Nichts zappelt oder rappelt, sehr leise geht das Aggregat zu Werke. Das ungewohnte Dreizylinder-Knurren ist nach anfänglicher Verwunderung hoch sympathisch. Für die Landstraße, aber insbesondere für die Stadt erwies sich der 1.0 EcoBoost als gute Antriebsquelle. Was den Verbrauch betrifft, so traf mich Ernüchterung: Nach knapp 1.300 Test-Kilometer stellte ich den Testwagen mit einem Verbrauch von 8,0 Liter ab. Das ist zu viel.

Ford Focus 1.0 EcoBoost – Assistenzsysteme

Sicherlich für viele interessant sind die vielen erhältlichen Assistenzsysteme des Ford Focus. Angefangen von den Gurtwarnern für die Fondsitze über das Active City Stop, das im Bedarfsfall aus geringem Tempo bis zum Stillstand abbremsen kann, bishin zum Totwinkel-Warner, Fahrspurassistenten und zur adaptiven Geschwindigkeitsregelanlage mit Auffahrwarnsystem. Zwei Kameras an Front und Heck, drei Radarsensoren, ein Infrarot-Laser-Sensor sowie Ultraschall-Sensoren überwachen je nach Fahrsituation beinahe umfassend Fahrzeug und Fahrer. Ich werde gewarnt, wenn ich versehentlich die Fahrspur verlasse (Lane Departure Warning), der Fahrspurhalte-Assistent (Lane Keeping Aid) lenkt das Fahrzeug autonom zurück in die Spur und das Verkehrsschild-Erkennungssystem (Traffic Sign Recognition, TSR) hilft meinem Gedächtnis auf die Sprünge.
All diese Helferlein können ein Sicherheitsgewinn sein – können.

2013 Ford Focus Mk3 Titanium 1.0 EcoBoost Turbo Candy-Rot-Metallic 125 PS 92 kW Vorderansicht Wald Herbstlau

Die Gurtwarner für den Fond finde ich sehr praktisch. Ich sehe auf einen Blick, welcher Fond-Passagier nicht angeschnallt ist. Das Active City Stop konnte ich natürlich nicht testen, aber der Forward Alert, der vor drohenden Kollisionen warnen soll, machte mehrfach auf sich aufmerksam, wenn ich an Abbiegern geradeaus vorbei fahren wollte. Mit fortschreitender Testdauer schaltete ich also nach und nach die Assistenzsysteme ab – sofern möglich. Wer sich mit diesen besser und sicherer fühlt – bitteschön. Ich fühlte mich teils bevormundet, teils in trügerischer Sicherheit. Fahren muss ich selbst, entsprechend aufmerksam und konzentriert begebe ich mich auf die Straße. Systeme wie der Toter-Winkel-Assistent (Blind Spot Information System, BLIS) haben mir bisher keinen Nutzen bringen können, insbesondere dann nicht, wenn dieser auf der Landstraße auf Bäume reagiert, mich ablenkt und nervt.

Ford Focus 1.0 EcoBoost – Fazit

2013 Ford Focus Mk3 Titanium 1.0 EcoBoost Turbo Candy-Rot-Metallic 125 PS 92 kW Vorderansicht Detai

Der Ford Focus Titanium besticht durch sein gereiftes, unaufgeregtes Äußeres, das im kräftigen Rot in Kombination mit Chrom-Applikationen und getönten Scheiben edel wirkt. Das Interieur leidet an der überfrachteten, unübersichtlichen Mittelkonsole, die jedoch mit dem Facelift passé sein wird. Zudem sind für den Ford Focus allerlei Assistenzsysteme erhältlich, die sich unterschiedlich konfigurieren und teilweise komplett deaktivieren lassen. Persönlich würde ich keines ordern. Der 1.0-EcoBoost-Motor war mir in der Stadt ein Quell der Freude, der frech aus dem Drehzahlkeller mit mächtig Dampf antritt, spielerisch und souverän bis auf Stadttempo beschleunigt. Absolut überzeugend war die Laufkultur des Dreienders. Einzig der Verbrauch und der abgebrochene Türkantenschutz trüben das Bild des Ford Focus.

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