Donnerstag, 23. Dezember 2010 von Mario Lehmann
Nach sieben Jahren Audi A6 C6, der nunmehr seit 2004 Deutschlands Straßen befährt, wird im Frühjahr 2011 durch den neuen A6 abgelöst. Die Enthüllung am 01. Dezember in Ingolstadt hat verraten, dass Audi mit dem neuen A6 das Auto nicht neu erfinden wird. Wie beim Passat von VW, der seit November auf dem Markt ist, wirkt der A6 auf den ersten Blick wie ein umfangreiches Facelift. Dass das nicht stimmt, zeigt sich jedoch schnell bei näherer Betrachtung.

Der neue Audi A6. Auffällig: Die neu designten Scheinwerfer mit LEDs und Tagfahrlicht
Ja gut, die Scheinwerfer sind neu. Davon scheint Audi etwas zu verstehen, auch wenn einige verächtlich von Lichterketten sprachen. Die gezeigten Scheinwerfer kommen mit LED-Technik, Tagfahrlicht und in dem Tagfahrlichtband integriertem Blinker daher. So verwandelt sich das helle Tagfahrlicht während des Abbiegens in einen orangefarbenen Blinker. Allerdings wird es diese Form der Beleuchtung nur gegen Aufpreis geben. Die Scheinwerfer sind aber auch schon die markanteste Neuerung an der Karosserie des A6 C7. Eine weitere Neuerung am A6 ist die erstmalige Verwendung der Bügeltüröffner.
Weniger auffällig ist, dass der A6 nicht gewachsen, sondern unwesentlich geschrumpft ist. Während die Autobild dies als Fortschritt bezeichnet, ist es tatsächlich unerheblich, denn der Schrumpfgrad bewegt sich im Millimeterbereich. Dafür ist der neue Audi aber etwas breiter geworden.
Dazu fielen die Überhänge kürzer aus, der Radstand länger und das zum Heck abfallende Dach betont Audis sportive Ader. Das heißt, der A6 wirkt nun bulliger und sportlicher, verheißt aufgrund des vergrößerten Radstandes aber auch mehr Platz. Mithilfe von Aluminium und Gewichtsoptimierung ist der A6 auch noch leichter geworden. Audi verspricht je nach Modell bis zu 80 Kilogramm Gewichtsersparnis.

Der neue A6. Auf den ersten Blick hat sich am Heck wenig getan.
Wieder ein Grund für die Autobild, an Audi lobende Worte zu verteilen. Fraglich ist allerdings, ob ein solches Lob gerechtfertigt ist bei einem Fahrzeug, das als 3.0 TDI V6 in der Grundausstattung, einem zu 90% gefüllten Tank und einem imaginären 68 Kilogramm schweren Fahrer (Welcher A6-Fahrer wiegt bitte 68 Kilogramm?) 1720 Kilogramm wiegt.
Die Effizienz, die Audi-Entwicklungschef Michael Dick am A6 anpreist, darf gut und gerne angezweifelt werden, wenn sich Gewichtsersparnisse im zweistelligen Bereich bewegen.
Hinten hat sich reichlich wenig getan. Die Rückleuchten muten altbekannt an, sehen fast genauso aus, wie die des gelifteten A6 von anno 2008.

Alter oder neuer A6? Hier handelt es sich um den Vorgänger des Anfang Dezember präsentierten neuen A6. Erkennbar wird dies bspw. an den Türgriffen. (CC) Wikimedia Commons, Thomas doerfer
Audi geht also im Design offensichtlich kein Risiko ein, keine neuen Wege werden beschritten. Wozu auch? Den bisherigen Audi-Kunden gefiel, was sie sahen und sehen konnten. Warum also Bewährtes verändern? Die wirklichen Neuerungen finden sich im Innenraum; und auf der Aufpreisliste. Aber auch sonst lässt sich das Bestreben nach Vervollkommnung in Qualität und Materialanmutung spüren. Der Innenraum kommt noch hochwertiger daher und unterstreicht einmal mehr Audis Premiumanspruch. Anders würde sich der A6 neben BMW 5er und Mercedes E-Klasse wohl auch nicht behaupten können.
Wer es sich leisten kann, fährt luftgefedert, lässt sich das Tempo per Head-Up-Display auf die Frontscheibe projezieren während eine Kamera die Temposchilder für uns erkennt, die wir übersehen haben, weil wir uns gerade vom Ledersessel den Rücken massieren lassen.
Auch werden im A6 verschiedene System miteinander verkoppelt. Das Navigationssystem kann per Google Earth navigieren, schickt den Streckenverlauf bspw. auch an die Scheinwerfer, sodass das Kurvenlicht eingeschaltet wird, bevor die Kurve erreicht und das Lenkrad eingeschlagen wird. Auch der Tempomat kann so aktiv eingreifen und damit einerseits für mehr Sicherheit als auch optimierte Verbräuche sorgen.
Audi hat zusätzlich die Motorenpalette überarbeitet und teilweise Motoren gänzlich neukonstruiert. Somit wurden die Verbräuche gesenkt, die Leistung jedoch gesteigert. Fragliche Modellpolitik ist allerdings die Einführung des aufgeladenen 2.0-Liter-Basisbenziners mehrere Monate nach Marktstart der A6 Limousine. Zwar greift in der Motorentechnik nun auch Dicks Effizienz-Vorstellung, zweifelhaft bleiben dennoch einige Vorgehensweisen.

In der S line wirkt der A6 noch um einiges sportlicher.
Natürlich muss es auch noch einen Nonsense-Hybriden geben und wozu eine Geschäftsreise-Limousine, die überwiegend auf der Autobahn bewegt wird, einen permanenten Allrad-Antrieb benötigt, erschließt sich mir nicht.
Abschließend bleibt wohl als Fazit: Audi wandelt auf den Spuren von VW. Statt frischer Luft, frischem Wind tut es anscheinend auch ein Duftspray. Minimale und minimalistische Veränderungen an der Karosse des neuen A6 fördern nicht unbedingt die Kaufbereitschaft. Wozu sollte ich einen Audi kaufen, der aussieht wie sein Vorgänger? Klar, Audi hat ordentlich am A6 geschraubt; er ist effizienter, hochwertiger, technologischer; aber auch umso langweiliger. Von VW kennen wir die Philosophie der vielen kleinen Schritte seit Jahren, und das ist auch irgendwo in Ordnung. Von Audi erwartet man jedoch etwas anderes; Neues, Eigenständiges, Innovatives; auch und gerade beim Design.