Neuwagen-Vorstellung: Der VW Golf VII – Marktstart der neuen Generation im November 2012

Bereits seit Anfang August befindet der Golf VII, der nach nur vier Jahren den VW Golf VI beerbt, in Produktion. Informationen oder Bildmaterial drangen allerdings nicht nach außen. Erst am 04. September 2012 wurde die jüngste Evolutionsstufe des VW Golf in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt und ist seit Mittwoch auch bestellbar. Bis zur Markteinführung dauert es allerdings noch bis zum 10. November 2012. Nutzen wir die Zeit für eine Bestandsaufnahme.

Zum Erfolg verpflichtet: Nach nur vier Jahren kommt die neue Generation – Der Golf VII. | © Volkswagen AG

Immer wenn es um den Golf geht, ist Platz für Gehässigkeit, abfällige Blicke und Ablehnung – aber bei vielen bedeutet Golf auch Erinnerungen, erstes Auto, zeitlose Unaufgeregtheit und Verlass auf Beständigkeit. Ich weiß nicht so recht, auf welcher Seite ich mich sehen soll.

Gehässigkeit gegenüber des Golf sollte sich keiner leisten können – denn neidlos ist anzuerkennen, dass der VW Golf ein gigantischer Erfolg ist. Die Zulassungs- und Verkaufszahlen führt er regelmäßig an, der Kompaktklasse gab er seinen Namen. Aber manchmal, wenn ich einen Golf V erblicke, kann ich mich der Ablehnung und eines abfälligen Blickes nicht erwehren. Ich weiß nicht wieso, aber irgendwie bin ich mit Golf nie warm geworden – weder mit dem Auto noch dem Sport.

Unverkennbar: Es ist und bleibt ein Golf. Auch wenn das LED-Tagfahrlicht an den BMW 1er F20/F21 erinnert. | © Volkswagen AG

Der VW Golf V war 2004/2005 mein Fahrschulauto, und ich habe ihn damals schon nicht gemocht. Oft wird VW im Allgemeinen und u. a. dem Golf im Speziellen vorgeworfen, zu emotionslos und nüchtern sowohl im Exterieur- als auch Interieur-Design daher zu kommen. Ein Stück weit kann ich mich diesem Eindruck anschließen, aber das bedeutet nicht notwendigerweise, dass ein sachlich durchstrukturiertes Auto per se langweilig und emotionslos ist.

Für mich ist der Golf weder Fisch noch Fleisch. In keiner Modell-Generation löst er in mir Begehren aus. Damit käme er für mich bereits emotional nicht infrage, der Golf ist kein Bauchauto. Bleibt also lediglich das vernünftige Brot-und-Butter-Auto. Hierbei stellt sich die Frage nach den Anforderungen eines solchen Autos. Entscheidende Faktoren dabei sind Preis-Leistungs-Verhältnis, Qualität und Zuverlässigkeit, Praktikabilität und Benutzerfreundlichkeit. In den meisten dieser Punkte fällt der Golf für mich durch.

Oft wird die Sicke in der Flanke gelobt. Das mache den Golf VII dynamischer. | © Volkswagen AG

Preis/Leistung: Vermehrt versucht VW seine Produkte im sogenannten Premium-Segment zu platzieren. Entsprechend fallen Zusatz-Ausstattungen und Preise aus. Zudem werden VW-Modelle wie der VW up! gern als Lifestyle-Produkt vermarktet. In Preis/Leistung ist ein VW meist kein „Volks“-Wagen mehr.

Qualität und Zuverlässigkeit: In den letzten Monaten und Jahren traten vermehrt Probleme zutage. Die TSI-Downsizing-Motoren kämpften bisher gern mit Turbo-Defekten, gerissenen Steuerketten und quietschenden Magnetkupplungen bei den Modellen mit Turbo und Kompressor. In puncto Kundenfreundlichkeit und -nähe bekleckerte sich Volkswagen nicht mit Ruhm.

Praktikabilität und Benutzerfreundlichkeit: Das sind Punkte, bei denen VW meist noch Boden gut machen kann. Meist erweisen sich Neuwagen der Volkswagen AG als praktische Fahrzeuge, die durch eine durchdachte Ergonomie im Cockpit glänzen, auch wenn der >VW up! beim bekanntermaßen patzt.

Bei den Rückleuchten sind Elemente von Golf V und VI sowie Passat zu erkennen. | © Volkswagen AG

Aber zurück zum VW Golf VII: Wie seine Vorgänger kann der siebente seiner Art kein Begehren auslösen. Auf emotionaler Ebene spräche meinerseits nichts für ihn. Allerdings erscheint der Grundpreis relativ attraktiv: bei 16.975,- € geht’s los. Zwar ist die Konkurrenz günstiger in der Basis, allerdings liegen die meisten sehr nah beieinander.

Das Grundmodell des VW Golf VII ist ein 1.2 TSI Trendline mit 63 kW/85 PS, der seine 160 Nm Drehmoment über ein manuelles Fünf-Gang-Getriebe an die Vorderachse leitet. Schade ist, dass ein sechster Gang fehlt. Mit 1.205 Kilogramm Leergewicht ist er etwas leichter als der leichteste Golf VI. Der kombinierte Normverbrauch wird mit 4,9 Liter Super angegeben.

Die Serienausstattung selbst geht in Ordnung, lässt Wesentliches nicht vermissen. Da ESP sowie Tagfahrlicht innerhalb der EU Pflicht-Ausstattung sind, müssten diese Ausstattungsmerkmale eigentlich nicht betont werden – was jedoch vielfach getan wird. Dagegen sind elektrische Fensterheber, Zentralverrieglung mit Funkfernbedienung und eine Klimaanlage eher erwähnenswert, wenn auch eigentlich „nur“ zeitgemäß für einen Neuwagen dieser (Preis-)Klasse. Dagegen ist ein serienmäßiger Fahrer-Knie-Airbag lobenswert. Endlich auch serienmäßig an Bord ist eine Start-Stopp-Automatik mit Bremsenergierückgewinnung (Rekuperation). Allerdings bin ich persönlich von der Technik noch nicht vollends überzeugt und warte diesbezüglich auf Langzeit-Erfahrungen.

Geschmackvoll und ergonomisch kommt der Innenraum daher, zumindest hier in Highline samt Leder, Navi und DSG. | © Volkswagen AG

Schade finde ich den Entfall einer klassischen Handbremse, diesen Dienst übernimmt ab sofort eine elektronische Parkbremse. Bedenklich finde ich nach wie vor, dass Sicherheit für den Fond immer noch extra kostet – so etwa Gurtstraffer und Seiten-Airbags hinten. Wer diese Option wählt, muss darüber hinaus den Aufpreis für den Fondtüren gezwungenermaßen ertragen. Gleichfalls fällt negativ auf, dass lediglich eine Uni-Lackierung ohne Aufpreis zur Auswahl steht.

Wer über den evolutionierten Golf spricht, kommt zwangsläufig irgendwann auf das Design zu sprechen. Und – Überraschung – der Golf sieht aus wie ein Golf, hier und da etwas gestrafft, dort geliftet, da drüben ein paar Kerben geschlagen und überall mal die Flex angesetzt – fertig ist der neue Golf VII. Ehrlich gesagt, als ich den Konfigurator das erste Mal öffnete und ich den 7. Golf von schräg vorn sah, fühlte ich mich spontan an den VW Fox erinnert. Wenn das mal kein guter Anfang ist … Gelobt wird der Golf VII oft wegen seiner Sicken in den Flanken. Mit persönlich ist das bei vielen aktuellen Modellen zu viel Gesicke, wobei sich der Golf diesbezüglich noch angenehm zurückhält. Auffällig für mich ist in der Seitenansicht die Ähnlichkeit zum Golf V, was die Rückleuchten betrifft. In der Heckansicht scheinen diese nicht so recht zum Ganzen zu passen. Irgendeine krude Mixtur aus Golf V und VI mit einem Schuss Passat. Die massive C-Säule verspricht wie gewöhnlich eine nur mäßige Sicht nach schräg hinten. Damit wird der ParkPilot wiederum Pflicht. Dabei ärgert dann, dass dieser ausschließlich für vorn und hinten verfügbar ist, aber – nicht wie gewohnt – nur für hinten.

In heller Ausstattung wirkt das Cockpit luftiger, aber auch kühler und weniger gemütlich. | © Volkswagen AG

Zum Marktstart und bereits jetzt zur Bestellung sind vier Motorisierungen verfügbar. Den Einstieg bildet der bereits erwähnte 1.2 TSI BlueMotion Technology (BMT) mit 85 PS. Daneben ist ein 1.4 TSI BMT mit 140 PS erhältlich, der erstmals über eine Zylinderabschaltung verfügt. Mit seinen 250 Nm Drehmoment, die bereits ab 1.500 Umdrehungen anliegen sollen, verspricht der größere Turbo auf dem Papier ordentliche Fahrleistungen.

Dieselseitig stehen ein 1.6 TDI BMT mit 105 PS und ein 2.0 TDI BMT mit 150 PS zur Auswahl. Wer seinen Wunsch-Golf dann nach Gefallen und Gutdünken konfiguriert, ausgestattet mit den vielen optionalen Assistenzsystemen, verdoppelt schnell den Basispreis.

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Treffen der Generationen – Alle Golf vereint. | © Volkswagen AG

Insgesamt bleibt zu hoffen, dass VW mit der siebenten Generation Golf haltbarere und zuverlässigere Antriebe anbietet und ein deutliches Mehr an Qualität an die Kunden weiterreicht. Indes braucht wohl kaum bezweifelt werden, dass auch der ab November bei den Händlern erhältliche VW Golf VII erfolgreich werden wird. Wenn dann noch Langzeitqualität und Zuverlässigkeit stimmen, er sich nach und nach den Ruf eines unverwüstlichen und unkaputtbaren Kilometerfressers erarbeitet, dann kann ein Golf auch emotional wieder bei mir punkten.

Kleine Blogschau – Das schreiben andere Blogger zum VW Golf VII:

7 Reaktionen auf diesen Beitrag

  1. Fürchtet VW die Kritik beim Golf 7? > VW > Autophorie.de

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