Neuwagen-Premiere: Alfa Romeo 4C – Mittelmotorsportler feiert Premiere auf dem Genfer Auto-Salon 2013

Schon die Eckdaten verleiten zu übermäßigem Speichelfluss und die Ankündigung eines Mittelmotor-Sportwagens unter 1.000 Kilogramm und mehr als 200 PS sorgte für viel Aufregung und Freude. In Genf wurde der 4C nun der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Die Eckdaten blieben beeindruckend, in puncto Design macht sich jedoch etwas Ernüchterung breit.

Alfa Romeo 4C Vorderansicht Genfer Auto-Salon 2013 | Foto: Sebastian Bauer

Gebaut wird der Alfa Romeo 4C im Maserati-Werk Modena – standesgemäß, möchte ich meinen. Das zweitürige Coupé ist mit seiner Gesamtlänge von unter vier Metern und einer Höhe von weniger als 1,20 Meter angenehm handlich ausgefallen. In Kombination mit dem Heckantrieb verspricht der 4C, viel Spaß zu bringen.

Bei genauerem Hinsehen mischt sich für mich jedoch ein fader Beigeschmack hinzu: standardmäßig wird das Doppelkupplungsgetriebe TCT verbaut werden, das auf Wunsch auch per Schaltwippen am Lenkrad manuell bedient werden kann. Mein ganz persönliches, subjektives Credo hierzu: will ich nicht. Kleine spritzige Sportwagen – da möchte ich gefälligst selbst im Getriebe rühren. So wird der Alfa Romeo 4C wieder so ein Jedermann-Sportler für Fahrer, die nicht schalten können oder wollen. Es ist eine irrationale Herangehensweise, aber bei sportlichem Fahren gehört für mich einfach das Kuppeln, Schalten, Zwischengas dazu.

Alfa Romeo 4C Heckansicht Genfer Auto-Salon 2013 | Foto: Sebastian Bauer

Gemäß der Nomenklatur verfügt der Alfa Romeo 4C über einen Vierzylinder-Motor (4C → 4 Cilindri), der aus 1.750 cm³ Hubraum Dank Turboaufladung satte 240 PS kitzelt. Wieder so ein Punkt, mit dem ich mich nur halbwegs anfreunden kann. Ja, Turbo ist derzeit total angesagt, ich weiß. Wenn ich jetzt bei „Wünsch Dir was“ wäre, wäre mein 4C ein Handschalter mit hochdrehendem Sauger. Der Honda S2000 hat es doch vorgemacht: 2.0-Liter-Vierzylinder-Sauger mit 241 PS, der bis auf 9.000 Umdrehungen zieht. Ein ähnliches Aggregat in dieser Konfiguration im Alfa würde aus dem 4C ein Motorrad auf vier Rädern machen. Dass ein Sauger-Konzept keineswegs unzeitgemäß ist, zeigen derzeit sehr eindrucksvoll Subaru und Toyota mit ihren BRZ und GT86. Keine Frage, das ist eine ganz andere Leistungsklasse, aber das grundlegende Konzept lässt sich durchaus vergleichen.

Auch ein Zweiliter-Sauger dürfte problemlos mit den 895 Kilogramm des 4C umzugehen wissen und hätte mit ihm leichtes Spiel. Dank dieses niedrigen Gewichts und der kompakten Abmessungen verzichtet Alfa auch auf eine Servolenkung – die Lenkkräfte sollen sich dabei im gewohnten Rahmen bewegen.

Alfa Romeo 4C Launch Edition Heckansicht Rückleuchte Detail Genfer Auto-Salon 2013 | Foto: Sebastian Bauer

Als Grund für den Verzicht der Lenkkraftunterstützung nennt Alfa Romeo den puristischen Grundgedanken. Wenn es nicht das ist, worauf ich die ganze Zeit herumreite. Einerseits wird auf Standard-Equipment verzichtet im Sinne der Gewichtsreduktion und des Purismus, andererseits muss es ein Doppelkupplungsgetriebe und ein Turbo-Motor sein, gespickt mit Launch Control und automatisch schärfenden Systemen. Mein Verständnis hält sich in Grenzen.

Ein wenig anders sieht es bei den Bemühungen um ein niedriges Leergewicht aus. Beeindruckend zu sehen, welche Wege gegangen wurden. Monocoque aus Kohlefaser und jede Menge Aluminium. Das bringt nicht nur Vorteile beim Gewicht, auch Korrosion am nicht vorhandenen Stahl wird dadurch freilich unmöglich.

Alfa Romeo 4C Heckansicht Genfer Auto-Salon 2013 | Foto: Sebastian Bauer

Doch, nun weg von Technik und Konzept; hin zum Design.

Was wäre ein Alfa, der nicht wie ein Alfa aussehen würde? Richtig, kein Alfa. So ist auch für den 4C das Scudetto obligatorisch. Dieses wird von zwei spitz aufeinander zulaufenden Kanten umschlossen, die sich voneinander entfernend über die Motorhaube ziehen, um schließlich die Fensterunterkante zu bilden und in den hinteren Lufteinlässen zu enden. Eine sehr gekonnte und elegante Linie, die den Alfa Romeo 4C ziert. Hinter und über den hinteren Lufteinlässen prangen die knackig ausstaffierten Seitenwände, die in ihrer Formgebung auch das Heck wuchtiger wirken lassen. Das Ganze wird am Heck abgeschlossen von zwei einfachen runden Rückleuchten. Einfach ist dabei keinesfalls wertend zu verstehen. So simpel die Lösung ist, umso besser sieht sie aus. Unter den runden Rückleuchten liegen die runden Endrohre, die vom Durchmesser dem zentralen Blinker nahezu gleichen. Eine Symmetrie im Design, die mir sehr zusagt.

Doch auch das Design ist nicht gefeit vor Kritik – zurecht. Geradezu furchtbar sind die Scheinwerfer, die mich abschrecken würden, das Auto zu kaufen. In der auf weltweit 1000 Stück limitierten „Launch Edition“ mag das Dank der Carbon-Maske noch geradeso als akzeptabel durchgehen; diese graue Plastik-Abdeckung der Standard-Ausführung jedoch ist ein absoluter Graus. Unverständlich auch die fünf verteilten Kullern. Und ich bin nicht der einzige, der sich mit der Ausführung der Scheinwerfer nicht anfreunden kann.

Alfa Romeo 4C Launch Edition Scheinwerfer Detail Genfer Auto-Salon 2013 | Foto: Sebastian Bauer

Was bleibt also bei näherer Betrachtung vom Alfa Romeo 4C?

Die Leistungsdaten beeindrucken und versprechen eine fahraktive Spaßmaschine. Der groß deklarierte Purismus möchte sich bei mir jedoch nicht einstellen. Tatsächlich puristisch ist das Konzept vom Mittelmotor mit Heckantrieb im kleinen Zweisitzer, der niedrigen Sitzposition sowie dem Leichtbau und dem Weglassen einer Servolenkung. Dem zuwider läuft jedoch der 1.8er Turbo, das Doppelkupplungsgetriebe und weiterer technischer Schnickschnack, auf den ich verzichten könnte und würde.

Alfa Romeo 4C Scheinwerfer Genfer Auto-Salon 2013 | Foto: Sebastian Bauer

Das Design überzeugt dagegen fast durchgängig. Einzig gegen diese grausamen Scheinwerfer sollte dringend etwas unternommen werden. Sofort.


Einer Auswahl derjenigen Kollegen, die isch ebenfalls zum Alfa Romeo 4C äußerten, gibt es hier:

1300ccm | „auto..geil“ | Autophorie | passion:driving | Rad-ab.com


technische Daten Alfa Romeo 4C Launch Edition
Motor-Bauart Reihen-4-Zylinder-Benzinmotor | Direkteinspritzung & Turboaufladung
Hubraum 1.750 cm³
max. Leistung 176 kW / 240 PS bei 4.200 U/min
max. Drehmoment 350 Nm / 280 Nm bei 1.700 U/min
Antriebsart Heckantrieb
Getriebe Doppelkupplungsgetriebe TCT
Beschleunigung, 0–100 km/h 4,5 s
Höchstgeschwindigkeit > 250 km/h
Leergewicht 895 kg
Grundpreis 4C Launch Edition 61.000,- €


Text: Mario Lehmann
Fotos: Sebastian Bauer


4 Reaktionen auf diesen Beitrag

  1. Deutscher Auto Blogger Digest vom 08.03.2013 › "Auto .. geil"

    […] AutoAidNeuwagen-Premiere: Alfa Romeo 4C – Mittelmotorsportler feiert Premiere auf dem Genfer Auto-Salon 2…Schon die Eckdaten verleiten zu übermäßigem Speichelfluss und die Ankündigung eines Mittelmotor-Sportwagens… […]

  2. Wie ein Internet Date: Serienversion des Alfa Romeo 4C in Genf! | passion:driving

    […] ihr seht: der Frust sitzt bei mir tief, ob dieser Designentscheidung. Da bisher aber auch wirklich jeder über dieses Scheinwerferdesign am meckern ist, bleibt nur zu hoffen, dass Alfa hier noch einlenkt. […]

  3. Blogger Auto Award 2014 – Das Ergebnis & die Gewinner | autoaid.de blog

    […] Porsche 911 [67 Punkte / 25,67 %] (Vorjahressieger) 2. Alfa Romeo 4C [34 Punkte / 13,03 %] 3. Mercedes-Benz SLS AMG [32 Punkte / 12,02 […]

  4. Genfer Auto-Salon 2014 – Meine Highlights in Genf | autoaid.de blog

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