Neuwagen-Vorstellung: Der neue Opel ADAM – Der Retter in der Not?

Opel kommt nicht aus den Schlagzeilen. Seit Monaten geistert das Wort „Werksschließung“ umher, gestern die Hiobs-Botschaft: Opel-Chef Stracke ist zurückgetreten. Dabei haben die Rüsselsheimer etwas mehr Aufmerksamkeit für ihre Neuwagen nötig, um aus der Krise zu kommen. Der Stracke-Rücktritt kam denkbar ungünstig. Gerade noch den ADAM vorgestellt, folgte einen Tag später die Negativ-Schlagzeile. Doch, worum geht’s hier eigentlich? Richtig, um Autos!

Viele unterschiedliche Stilelemente mixt Opel zu einem homogenen Erscheinungsbild zusammen. | © GM

Ich bin anscheinend nicht der einzige, den die ersten Anblicke des neuesten und kleinsten Opel-Sprösslings mit Ratlosigkeit und Verwunderung trafen. Bei Namensgebung und Erscheinung erging es Moritz vom Automobil-Blog ähnlich. Also ließ ich die Informationen und die Bilder sacken, Meinungsbildung war angesagt – und dabei macht es mir der Opel nicht leicht. Ich versuche mich, von meiner Befremdung zu befreien; und dennoch schwanke ich zwischen Polemik, Wohlwollen und ehrlicher Sympathie.

Markant: Die Dachholme in Kontrastfarbe scheinen Richtung C-Säule zu schweben. | © GM

Versuchen wir also, uns dem ADAM zunächst von außen zu nähern. Spontan fallen mir viele, viele Bezüge, Ähnlichkeiten und Assoziationen ein, wenn ich den Opel ADAM betrachte – eine schier endlose Liste unterschiedlicher Modelle. Von Audi A1, Fiat 500 sowie Stil-Elementen der DS-Reihe von Citroën über Porsche Cayenne, Nissan Juke und Opel Astra GTC – der ADAM zeigt sich als Potpourri des zeitgenössischen Automobil-Designs. Der Clou ist dann: im Ganzen wirkt das Außendesign weitgehend stimmig, trotz der viele Köche. Insgesamt sieht er für mich aber aus, wie eine Ente – nicht 2CV, ich meine das Geflügel. Die Front kommt mir wie ein frecher Schnabel vor. Und dennoch wirkt er auf mich wie ein Citroën – und ich nenne ihn DS1.

Freundlich lächelt der kleine Opel mit seiner (Chrom-)Zahnspange in die Welt. Die Formgebung der Scheinwerfer erinnern an Porsches Dickschiff Cayenne, die Anordnung von Scheinwerfer und Neblern an den Nissan Juke. Trotz dieser Entlehnung stimmt für mich die Front, auch mit der gewölbten Haube. Nur etwas zu freundlich blickt er mir drein.

In der Flanke kann man den Opel Astra GTC erkennen. Die sichelförmigen Sicken um die Türgriffe und von den Türen nach hinten zur Seitenwand kennen wir bereits vom GTC.

Vorne ein bisschen Cayenne und Juke, seitliche Sicken vom Astra GTC und Silhouette vom Fiat 500 plus Entenschnabel: Der Opel ADAM alias DS1. | © GM

Augenfällig sind die farblich abgesetzten Dachholme, die es so auch am Audi A1 gibt, die sich beim ADAM jedoch zur C-Säule hin in Luft auflösen. Das sieht gut aus und scheint auch Dank der nicht zu klein anmutenden Heckscheibe eine passable Sicht nach hinten zu ermöglichen. Die C-Säule scheint mir nicht zu fett, Fenster- und Gürtellinie steigen nur dezent an. Ebenfalls erfreulich sind die verhältnismäßig schmalen A-Säulen und der Verzicht auf Dreiecksfenster.

Weniger spricht mich dagegen das Heck an. Die Rückleuchten können mich nicht aus der Reserve locken und Rückfahrscheinwerfer wie Nebelschlusslicht widerstreben meinem Sinn nach Symmetrie. Auch die Proportionen des ADAM-Hecks empfinde ich als etwas zu pummelig.

Wer möchte, kann seinen ADAM auch mit 18“-Felgen ordern. | © GM

Ansonsten lässt sich von der Optik schnell auf den Anspruch des hessischen Kleinstwagens schließen: er schlägt in die sogenannte „Lifestyle“-Kerbe, wie es auch in der Pressemitteilung heißt. Der ADAM wird also kein billiger Stadtfloh – günstig, praktisch, erschwinglich. Er soll urbanes Klientel erschließen, das vornehmlich jung (geblieben), finanzstark und pragmatisch ist, dabei jedoch äußersten Wert auf Individualität und Design legt. Dass diese Rechnung aufgehen kann – also Klein(s)twagen mit ausgefallenem Design zu hohen Preisen – zeigen MINI oder Fiat 500. Aber wer assoziiert schon Opel mit „Lifestyle“ und urbanem Chic? Die Zukunft wird zeigen müssen, ob dieses Konzept auf bei einem Opel aufgehen wird.

Das Interieur zeigt sich erfreulich übersichtlich. Keine übermäßigen Knopf-Fluten bevölkern die Mittelkonsole – das fördert die Ergonomie. Einzig die Regler für Klimaanlage und Heizung dürften etwas tief liegen. Anders als beim Konkurrenten VW up! verfügt der Opel ADAM über Fensterheber-Schalter für Fahrer- und Beifahrer-Scheibe auf der Fahrerseite – und wie es scheint, sind diese auch beleuchtet. Gut gefällt mir auch das Lenkrad-Design. Zwar finde ich die Anzeigen im Chronometer-Stil grundsätzlich ansprechend, finde die Ablesbarkeit jedoch verbesserungswürdig. Die sich mitdrehenden Ziffern auf den Skalen müssen nicht sein.

Aufgeräumt und übersichtlich kommt das Cockpit daher. Gelb muss es dagegen nicht immer sein. | © GM

Motorseitig wird Opel zum Markstart drei Benzin-Motoren anbieten. Alle Aggregate sind bereits aus dem Opel Corsa bekannt. Für die Zukunft könnte es sowohl eine Hybrid- als auch eine Elektro-Variante geben.

Einstiegs-Benziner ist ein 1.2er mit 70 PS. Hinzukommen zwei 1.4er mit jeweils 87 bzw. 100 PS. Alle drei sind Vierzylinder-Triebwerke mit Multi-Point-Einspritzung und ohne Aufladung. Geschaltet wird mittels eine manuellen 5-Gang-Getriebes. Auf Wunsch gibt es das ecoFLEX-Paket mit Start-Stopp-System.

Auch wenn diese Motoren weniger zeitgemäß erscheinen mögen, bin ich froh, dass Opel zumindest anfangs noch klassische Sauger anbietet. Das derzeitige Downsizing muss sich erst noch langfristig bewähren. Kleine Motoren mit Turboaufladung sind technisch aufwändig, verschleißfreudig und nicht frei von Problemen. Allerdings dürfte auch für den ADAM früher oder später das eine oder andere Turbo-Motörchen mit Direkteinspritzung geben.

Chic ist dieser Chronometer-Stil schon, auch das Rot wirkt erfrischend frech. Aber die Ablesbarkeit leidet. | © GM

Ein wirkliches Problem sehe ich bei der Nomenklatur. Opels Neuwagen nennt sich „ADAM“, in englischer Aussprache. Die Großschreibung, die zumindest über die Opel-Pressemitteilung so verbürgt ist – wirkt aufdringlich und hyperaktiv. Der Name selbst passt meines Erachtens nicht zu einem urbanen Kleinstwagen, der großstädtischen Lifestyle verkörpern möchte. Dafür müsste schon etwas Griffigeres her, das auch zum Anspruch passt. Dann kommen noch die Ausstattungsvarianten hinzu: JAM, GLAM, SLAM. Wieder aufdringliche Großschreibung, dazu ein reichlich unpassend wirkender Reim, der in seiner Natur als Paarreim eher belustigend wirkt, denn ernsthaftes Interesse erzeugt.

Abgesehen von diesen bloßen Störfaktoren kommen noch diverse Assoziationen und Wortspiele hinzu, die teils seltsam anmuten. Adam als biblische Figur lässt schon mal schnell die Assoziationskette „Adamsapfel“, „Adams Apfel“, „apple“ zu. Oder den ADAM als Auto für all die Evas da draußen. Und bei JAM, GLAM, SLAM muss ich an diese Bruce Lee-Videos und sein BAM! denken. Auch der Verweis auf SPAM kommt einem schnell in den Kopf. Ein weiterer Punkt liegt in der Aussprache begründet. ADAM JAM, GlAM, SLAM klingt fast nach „a damn jam“, „a damn glam“ oder „a damn slam“. Das dürfte nicht im Sinne des Erfinders sein und ich wüsste nicht, wie Opel „eine verdammte Marmelade“ vermarkten möchte. Oder bezieht sich das auf den „traffic jam“, in dem wir in den Großstädten regelmäßig stehen?

JAM, GLAM, SLAM – bei der Namensgebung fehlt es den Rüsselsheimern an Kreativität. | © GM

Insgesamt muss ich aber sagen, kann der Opel ADAM trotz verkorkster Nomenklatur und merkwürdigem Marketing ein gutes oder gar sehr gutes Auto werden. Interessant dürfte sein, ob man sich den auch in günstig anschaffen kann. Seine Anlagen jedoch stimmen. Das Design ist ansprechend und pragmatisch und auch das Interieur könnte meinen praktischen Ansprüchen gerecht werden. Ich bin ehrlich gespannt, wie sich der Opel machen wird und ob er seine Käufer findet. Es erfordert noch eine genauere Betrachtung am Objekt selbst, um aussagekräftigere Eindrücke sammeln zu können. Marktstart ist Januar 2013.

Was die anderen schreiben:

autophorie.de: Opel ADAM – nicht nur ein Lifestyleprodukt, sondern ein Erfolgsgarant!

rad-ab.com: Der neue Opel Adam räubert in BMW Gefilden…

mein-auto-blog.de: jam, glam, slam

box.gigold.de: Da ist er: Der OPEL ADAM.

7 Reaktionen auf diesen Beitrag

  1. Deutscher Auto Blogger Digest vom 13.07.2012 › "Auto .. geil"

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