Neuwagen-Fahrbericht – Mit dem Citroën DS5 HDi 165 nach Frankreich

Im Rahmen des zweiten Blogger Road-Trip mit Citroën wurde mir an unserem ersten Tag das Vergnügen zuteil, den Citroën DS5 im Wechsel mit Daniel Bönnighausen nach Frankreich in die Normandie zu fahren. Die Strecke führte uns von Köln durch Belgien in den französischen Küstenort Ouistreham an der Atlantik-Küste.

Citroën DS5 HDi 165

Meine erste Begegnung mit dem Citroën DS5 HDi 165 erfuhr ich an der Citroën Hauptverwaltung in Köln – standesgemäß in der André-Citroën-Straße. Nach einem kurzen Kennenlernen der Blogger untereinander und dem darauffolgenden Auslosen der Fahrer-Paare sowie der Gefährte, sicherte ich mir schnell, still und heimlich das Cockpit des DS5. Ich versuchte, mich mit den grundlegenden Funktionen sowie der Ergonomie vertraut zu machen.

Citroën DS4 DS5 HDi 165

Und dann war es schon passiert: ich fand die erste Sache, die mich am DS5 stört – noch bevor ich den Motor anließ oder nur einen Meter gefahren wäre. Womöglich stellte ich mich dämlich an, aber mir war es nicht möglich, bei eingeschalteter Zündung Sitz und Spiegel zu verstellen, da der Start-Stopp-Knopf nur die Funktionen „Start“ und „Stopp“ zu kennen schien. So musste ich bei laufendem Motor die Spiegel einstellen und den Fahrersitz in die mir genehme Position rücken. Danach ließ ich das Diesel-Aggregat wieder ruhen. Aussteigen.

Bereits im Stand fiel mir so manches auf. Und so musste ich erneut aussteigen, um noch einmal eine Runde um den DS5 zu drehen. Wie sich im Laufe des Blogger Road-Trip zeigen sollte, entwickelte sich der DS5 in Philae-Blau zum beliebtesten Foto-Motiv. Die blaue Göttin erweist sich als unheimlich fotogen – sei es in der Frontansicht, in diversen schrägen Perspektiven oder in der Heckansicht. Keines der drei Modelle wurde so häufig und so gern auf digitalen Film gebannt wie die Déesse Cinq.

Citroën DS5 HDi 165

Prägnant beginnt es bereits an der Front: der Doppelwinkel von Citroën zieht sich mit seinen Ausläufern über den gesamten Kühlergrill, sichelförmig sind Blinker und Nebelscheinwerfer optisch miteinander verbunden und die Scheinwerfer krönt eine Chromleiste, die bis hinter die A-Säule reicht. Die Sicken und Falze in der Flanke verstärken den avantgardistischen Auftritt und verschmelzen in der Heckpartie zu einem ansehnlichen Ganzen. Obwohl über 1,50 Meter hoch, wirkt der DS5 verhältnismäßig flach und gestreckt. Die coupé-artig abfallende Dachlinie trägt zu diesem Eindruck bei. Blickfang sind ebenso die hübsch verkleidete Abgasanlage wie auch die wohl proportionierten Heckleuchten.

Ein wenig fehl am Platz dagegen wirkt Heckwischer-Stummel. Optisch stört dieser das Bild des wohlkomponierten Heck-Designs.

Citroën DS5 HDi 165

Wenn vom Interieur des Citroën DS5 die Rede ist, wird häufig der Vergleich vom Raumschiff Enterprise bemüht. Auch ich komme ob des Innenraum-Designs nicht umhin, von diesem Vergleich Gebrauch zu machen. Das Cockpit ist mindestens so avantgardistisch wie das Exterieur-Design. Der Fahrer wird von Armatur und Mittelkonsole eng umschlungen, fühlt sich wie in einem Flugzeug-Cockpit. Dass diese Assoziation gewollt ist, zeigt unter anderem auch die Ausführung des Head-up-Displays, das in Form und Aufbau dem eines Düsenjägers gleicht. Bei Bedarf fährt aus dem Armaturenträger eine kleine Plexiglasscheibe, auf die alle fahr-relevanten Informationen gut ablesbar projiziert werden. Technologisch gibt es sicherlich eine elegantere Lösung – etwa wenn die Informationen direkt auf der Windschutzscheibe abgebildet werden – aber zum Konzept „Flugzeug“ passt das Jet-Design des Head-up-Displays. Citroën DS5 HDi 165 Und wie in einem Flugzeug-Cockpit gibt es zahlreiche Schalter und Verstellmöglichkeiten über den Köpfen von Fahrer und Beifahrer. Neben den beiden Brillenfächern können mittels der Schalter im Dachhimmel das HUD in Position und Neigung verstellt sowie das geteilte Panorama-Dach geöffnet oder geschlossen werden. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber durchaus praktisch ist die Positionierung der Fensterheberschalter links und rechts vom Automatik-Wählhebel.

Zentral in der Mittelkonsole findet die Multimedia-Einheit ihren Platz. Meiner Meinung nach hätte der Bildschirm gern etwas größer ausfallen dürfen. Wirklich störend waren jedoch die teils starken Reflexionen, die ein Ablesen unmöglich machten.

Citroën DS5 HDi 165In puncto Verarbeitung bekomme ich mit dem Citroën DS5 HDi 165 in der Ausstattung SportChic das, was ich erwartete – andererseits scheint gerade die Verarbeitung auf den einen oder anderen großen Eindruck gemacht zu haben. Bei französischen Automobil-Herstellern kramen viele gern in der Klischee-Kiste, aber immerhin: mit den DS-Modellen zielen die Franzosen von Citroën auf das Premium-Segment ab. Und Entsprechendes hatte ich erwartet. Enttäuscht wurde ich dabei nicht. Weiche, aufgeschäumte Kunststoffe, wohin die Fühler reichen, anschließend gibt es dicken Teppich, der hoch bis an den Mitteltunnel reicht. Ein dickes, wulstiges sowie unten abgeflachtes Lederlenkrad, das mit dem DS-Logo und den lackierten Einlagen nicht nur gut aussieht, sondern sich auch ebenso anfühlt. Harte Kunststoffe lassen sich nur vereinzelt finden. Die Aluminium-Einlagen sind in „finger print“-Optik gehalten und entsprechend geriffelt. Weniger schön fand ich das graue Plastik um den Bildschirm herum – dieser Umstand trübt das Gesamtbild etwas.

Ich persönlich mochte es, auf dem Fahrersitz vom Cockpit eng umfangen zu werden. Ohne Platzangst konnte ich es mir gemütlich machen und hatte als Kapitän alle Funktionen in Sicht und im Griff. Aufgrund dieses Flugzeug-Konzepts fällt allerdings die Ergonomie nicht ideal aus. Die Schalter für den Lane Assist, ESP, Lichtautomatik u. ä. liegen ungünstig, da sie schräg links hinter dem Lenkrad liegen und somit verdeckt werden. Ähnliches gilt für die elektrische Spiegelverstellung, die ich zu Beginn unserer Reise verzweifelt suchte.

Wer noch mehr wissen möchte: Zu Technik und Interieur des Citroën DS5 hat Daniel Bönnighausen einen lesenswerten und informativen Artikel verfasst.

Citroën DS5 HDi 165

Und wie fährt er nun, der DS5? Anders als gedacht, so viel ist sicher. Ich muss zugeben, fahrerisch erwischte mich nun die Klischee-Keule selbst. Wenn ich in einen französischen Dampfer einsteige, vermute ich französischen Komfort. Nicht so im DS5. Als ich zu Beginn des zweiten Blogger Road-Trip das Gelände der Citroën Hauptverwaltung verließ und die ersten Kilometer zurücklegte, wähnte ich mich noch in einer komfort-betonten, auf avantgardistisch gebürsteten Design-Limousine. So ließ es sich im DS5 mit seinen 163 Diesel-Pferden souverän und elegant im Stadtverkehr gleiten. Nicht anders verhielt es sich auf rheinländischen Landstraßen. Und so dauerte es nicht lang und ich lobte das komfortable Fahren in der blauen Göttin. Im Inneren war es angenehm leise, der Zweiliter-Selbstzünder zog anstands- und mühelos auf Landstraßentempo und die gut asphaltierten Straßen ließen kaum mehr als Abrollgeräusche hörbar werden.

Doch mein anfängliches Lob sollte sich später in Ernüchterung wandeln. Denn so komfortabel, wie es zunächst den Anschein hatte, war der DS5 nicht. Kaum wurde die Belag-Qualität der Straßen schlechter, wurde auch die Federung stößiger. Querfugen und Spurrillen wurden ungeschönt an die Insassen weitergereicht. Es war seltsam paradox – war er eben noch der ruhige Gleiter, zieht Dir der DS5 im nächsten Augenblick ‘nen Scheitel in der Autobahn-Baustelle.

Citroën DS5 HDi 165

Fahrwerks- und komfortseitig hinterlässt der Citroën DS5 einen zwiespältigen Eindruck. Zumindest scheint es so, als sei die Bereifung daran nicht ganz unbeteiligt. Hier gibt es sicherlich noch Reserven.

Auf der Autobahn angekommen, hieß es, dem DS5 zu schnellerem Tempo zu verhelfen. Bei einem Leergewicht von über 1,6 Tonnen und 163 PS aus einem 2.0 Liter großen Dieselmotor dürfen keine Durchzugs-Wunder erwartet werden. Doch der DS5 verhält sich bei einem beherzten Tritt auf das Gaspedal souverän und beschleunigt mit ausgewogener Leistungsabgabe und ohne gequält zu wirken auf 180 km/h Reisegeschwindigkeit.

Mit diesem Tempo war es bei Erreichen Belgiens vorbei. Mit 120 km/h bewegten wir uns knapp über Landstraßen-Niveau. Dabei wurde das DS5-Fahrwerk etappenweise auf eine harte Probe gestellt. Der Eindruck des zu harten Fahrwerks verfestigte sich.

Citroën DS5 HDi 165

Ein weiteres Kapitel verdient das Automatik-Getriebe. Tom Schwede weist in seinem Artikel zum DS5 daraufhin, mir ist es dagegen nicht negativ aufgefallen: das 6-Gang-Getriebe schaltet relativ häufig einen Gang herunter, um kurz darauf wieder in den nächsthöheren zu schalten. Störend finde ich das nicht, auffällig, weil seltsam, ist es allemal. Denn mit einem stämmigen Drehmoment von 340 Nm ab 2.000 Umdrehungen sollte es möglich sein, sanfte Beschleunigungsvorgänge ohne Schalten zu realisieren. Der DS5 aber schaltet. Ein Umstand, auf den auch Peter Pölzlbauer hinweist.

Was in der Stadt und auf der Landstraße sowie tempo-limitierten Autobahnen nicht auffiel, war der arg lang übersetzte sechste Gang. Während ich das Gefühl hatte, problemlos auf 180 km/h zu beschleunigen, erweise sich darüber hinaus der DS5 als relativ träge. Hat er eine gewisse Drehzahl erreicht, gehe es recht flott auf die angegebenen 215 km/h zu. Es scheint, als würde auch in der Getriebeabstufung noch Potential für Verbesserung schlummern.

Insgesamt und rückblickend betrachtet, macht es mir der Citroën DS5 nicht leicht. Die anderen beiden Citroën-Modelle weisen für mich einen eindeutigen Charakter auf, während der DS5 sehr ambivalent anmutet. Fraglos ist er der Schönling des besagten Trios. Er ist avantgardistisch und progressiv gestaltet, setzt sein Flugzeug-Cockpit-Konzept gekonnt im Innenraum um. Allerdings geschieht letzteres auf Kosten der Ergonomie – was mit entsprechender Gewöhnung wiederum ausgeglichen werden kann. Aber seine Schönheit und seine Progressivität allein machen ihn noch nicht zu einem guten Auto. Der Antrieb ist für mich ohne Fehl und Tadel. Der HDi 165 erweist sich sowohl auf Langstrecke als auch im innerstädtischen Verkehr als zuverlässiger Partner, ohne dabei spaßarm zu wirken.

Citroën DS5 HDi 16

Wirkliche Kritik verdient sich der DS5 bei der Getriebeabstufung, die nicht optimal zu sein scheint. Aber insbesondere verbesserungswürdig ist der Federungskomfort. Interessant wäre zu erfahren, wie sehr anders sich der DS5 auf anderer Bereifung fährt. Festzuhalten ist jedoch, dass – bei allem vermeintlichen Komfort – Fahrbahnunebenheiten wie auch Querfugen zu deutlich und hart in das Innere dringen. Bei einem Langstrecken-Fahrzeug erwarte ich diesbezüglich einen souveräneren Auftritt.

10 Reaktionen auf diesen Beitrag

  1. Deutscher Auto Blogger Digest vom 16.10.2012 › "Auto .. geil"

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