Neuwagen-Fahrbericht: Mit dem Citroën DS4 HDi 165 von der Normandie nach Nizza

Fast zwei Monate liegt der zweite Blogger Road-Trip schon wieder zurück. Die Erinnerungen verblassen allmählich und die frostigen Finger des fiesen Winters recken sich uns bereits spürbar entgegen. Höchste Zeit also, die im September entstandenen Bilder und Eindrücke noch einmal hervor zu kramen, die wärmende Sonne der Côte d’Azur anzubeten und sich die Fahrt mit dem Citroën DS4 HDi 165 zu vergegenwärtigen.

Citroën DS4 SportChic HDi 165

Ging es am ersten Tag des Road-Trips mit dem Citroën DS5 noch von Köln nach Ouistreham, stand uns am zweiten Tag eine gewaltige Strecke bevor. Von der Atlantikküste der Normandie sollte es bis nach Nizza ans Mittelmeer gehen – fast 1.200 Kilometer. Maßgabe war es, noch vor Sonnenuntergang die drei Citroëns auf der Promenade des Anglais zu parken.

Heidewitzka, was für ein Spaß …Citroën DS4 SportChic HDi 165

Folglich fanden wir uns morgens um 06:00 Uhr zum Hotel-Frühstück ein, um möglichst früh das kühle Wetter der Normandie hinter uns zu lassen. Gemeinsam mit David Hofmann teilte ich mir an diesem Tag Fahrzeug und Strecke. Unser Weg führte uns durch Paris – auf der Autobahn. Von weitem erhaschte ich einen kurzen Blick auf das obere Drittel des Eiffelturms. Paris hatte ich damit also gesehen.

Aber bereits vor Fahrtantritt habe ich mich auf den DS4 gefreut – immerhin war der Edel-Kompakte der einzige Schalter im Starterfeld. Sicherlich könnte jemand einwerfen, ein Automatik-Getriebe wäre gerade bei einer solchen Strecke angenehmer zu bewegen. Aber abgesehen davon, dass auf der Autobahn ohnehin recht wenig Schaltarbeit zu leisten sein würde, war ich einfach gespannt auf die Kombination Kompaktwagen + 163 Diesel-PS + manuelle Sechsgang-Box und die daraus resultierenden Er-Fahrungen.

Schon im Stand macht der Citroën DS4 eine Menge her. In der Ausstattung SportChic und der Metallic-Lackierung Hickory-Braun besticht der DS4 durch eine für einen Kompaktwagen ungewöhnliche Eleganz und der für die DS-Linie typischen Progressivität. Die derzeit modische braune Farbe mit allerlei Chromzierleisten, dem sichelförmigen Tagfahrlicht sowie den bulligen Radkästen und den formschönen, dunkel gehaltenen Alufelgen bilden ein kontrastreiches Bild, das dennoch eine Einheit zu bilden vermag.

Citroën DS4 SportChic HDi 165

Optisch erscheint der DS4 obendrein als Dreitürer. Gerade die Chromrahmen um die Seitenscheiben verstärken diesen Eindruck noch. Im Winkel der sich beiden vereinigenden Chromstreben befindet sich versteckt der Türgriff für den Fond. Wäre dieser Design-Kniff in der Zwischenzeit nicht schon so stark überstrapaziert worden, ich würde auch das toll finden.

Citroën DS4 SportChic HDi 165

Für meinen Geschmack gesellen sich noch einige Makel hinzu, die mein Gesamtbild etwas trüben. Da wäre zu Beginn zu bemerken, dass der Citroën DS4 insgesamt seltsam hochbeinig wirkt. Auch wenn ich das ausgesprochen selten sage, aber dieses Auto muss tiefer. In der Heckansicht wirkt der DS4 SportChic durchaus stimmig, kommt jedoch nicht an die grandiose Heck-Komposition des DS5 heran. Während sich das Heckleuchten-Design des DS5 deutlich an dem des Citroën DS4 anlehnt und damit die Nähe der unterschiedlichen DS-Modelle zueinander unterstreicht, erscheint mir die nur als solche stilisierte Abgasanlage des DS4 als unpassend. Auch der Heckwischer-Stummel stört ein stimmiges Gesamtbild. Um so schöner sind solche Details wie die Falze der ausgestellten hinteren Radkästen, die in der Formgebung von den Rückleuchten aufgegriffen werden.

Und was das Exterieur dem Betrachter verspricht, findet seine Offenbarung im Interieur. So spricht der Citroën DS4 bereits rein äußerlich die französische Sprache des extrovertierten Design-Ästheten, der lieber einen Hüftschwung mehr hinlegt, als sich um sachlich-nüchterne Praktikabilität zu scheren. Diese Einstellung und die bereits erwähnten ersten Makel machen ihn sympathisch, verleihen Charakter und laden den Betrachter ein, zum Fahrer zu werden. Mit diesem Typen kann und möchte man arbeiten – er mag nicht perfekt, dafür jedoch willig für Veränderung und Bewegung sein.

Citroën DS4 SportChic HDi 165

Im Innenraum wird der zum Fahrer gewandelte Betrachter von einer braunen Vollleder-Ausstattung umfangen. Armaturenträger, Lenkrad, Sitze – für gefühlt jedes Innenraumteil musste irgendein Paarhufer seine Haut hergeben. In das Steppmuster der Sitzlehne verliebte ich mich auf den ersten Blick. Als Beifahrer wird einem die Freude zuteil, während der Fahrt das belederte Armaturenbrett mit seinen sich präsentierenden Nähten zu streicheln.

Citroën DS4 SportChic HDi 165

Macht das Qualität aus? Nein, mit Sicherheit nicht; schön ist es jedoch allemal. Und die Ästhetik schein es zu sein, der sich die DS-Modelle von Citroën verschrieben haben. Ein griffiges, braunes Lederlenkrad mit Chromeinlagen schmeichelt den Händen des Fahrers, die Beleuchtung des Kombiinstruments ist nach Wunsch in der Farbe variierbar und der formschöne, gut in der Hand liegende Schalthebel lädt dazu ein, ihn öfter zu verwenden, als es Autobahn und Vernunft zulassen.

Es waren jedoch die zahlreichen Mautstellen der französischen Autobahn, die es erlaubten, dieser Einladung nachzukommen und die 1997 cm³ des Vierzylinder-Diesels atmen zu lassen. Dabei wuchtet das Aggregat sein maximales Drehmoment von 340 Nm ab 2.000 Umdrehungen auf die Vorderachse und absolviert den Standardsprint in 9,3 Sekunden.

Trotz der durchaus sportlichen Ambitionen, die der Citroën DS4 an den Tag legt, lässt es sich mit dem kompakten Franzosen auf seinen heimischen Fernstraßen kommod reisen. Gewappnet mit Tempomat, Tot-Winkel-Warner und Spurhalte-Assistent werden auch Langstrecken problemlos abgespult.

Citroën DS4 SportChic HDi 165

Allerdings fiel mir auf, dass etwa der Tot-Winkel-Warner immer dann mit seiner LED-Anzeige im Außenspiegel vor von hinten nahenden Fahrzeugen warnte, wenn ich diese bereits sah. Den Spurhalte-Assistenten habe ich bereits nach wenigen Kilometern ausgeschaltet. In der Theorie erscheint es praktisch, dass jeweils die entsprechende linke oder rechte Sitzhälfte vibriert, wenn ich eine Fahrbahnmarkierung überfahre. Allerdings erwies sich der Assistent in Baustellen als unbrauchbar. Des Weiteren fielen die Vibrationen für meinen Geschmack reichlich heftig aus. Andererseits ist diese Vehemenz womöglich nötig, um sekunden-schlafende Fahrer aufzuwecken.

Das sportlich-straffe Fahrwerk des DS4 SportChic HDi 165 garantiert ein hohes Maß an Kurvenspaß, selbst bei hohen Geschwindigkeiten auf deutschen Autobahnen. Hier wird der DS4 zur Sportskanone – die präzise Lenkung, die dem Fahrer den steten Kontakt zur Straße nicht vermissen lässt, ergänzt diese sportive Auslegung. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch eine gewisse Unnachgiebigkeit, die diejenigen zu spüren bekommen, die den vermeintlich typisch französischen Komfort erwartet hätten. Schlaglöcher, plötzliche Bodenunebenheiten werden nonchalant an die Passagiere weitergereicht.

Citroën DS4 SportChic HDi 165

Während unserer Fahrt gen Nizza blieb sowohl Fahrer als auch Beifahrer ausreichend Zeit, die reichhaltige Ausstattung des Testwagens auszukosten. Mit zunehmender Nähe zum Mittelmeer stieg das Arbeitspensum der Klimaautomatik an, das Navigationsgerät war uns über die gesamte Strecke von annähernd 1.200 Kilometern ein treuer und zuverlässiger Begleiter. Praktisch: die Navigationsanweisungen waren gut sichtbar im Bordcomputer ablesbar. Verarbeitung und Haptik der verwandten Materialien verdienen das Prädikat „wertig“. Das Geräuschniveau bleibt auch bei hohem Tempo stets auf einem angenehmen Niveau.

Mit der Einfahrt in das Nizzaer Stadtgebiet war gemütliches Cruisen entlang der Mittelmeer-Küste angesagt. Tatsächlich waren wir eine gute halbe Stunde vor Sonnenuntergang am rauschenden Meer angelangt und konnten die letzten Sonnenstrahlen genießen und für ein abschließendes Foto-Shooting auf der berühmten Promenade des Anglais nutzen.

Citroën DS4 SportChic HDi 165

Insgesamt erfreute sich der Citroën DS4 HDi 165 unter allen teilnehmenden Bloggern der wohl größten Beliebtheit. Trotz der unerreichbaren Reisequalitäten des Citroën C5 war es gerade die etwas unnachgiebige Sportlichkeit des DS4, die die meisten überzeugte – wie auch mich.

Der Citroën DS4 ist ein Design-Stück mit Ecken und Kanten, ein Auto mit Eigensinn. Es möchte nicht allen gefallen und strebt nicht nach Perfektion. Wie sonst wäre es zu erklären, dass sich die Scheiben der Fondtüren weder absenken noch ausstellen lassen?

Citroën DS4 SportChic HDi 165

Der kompakte Franzose zeigte sich als luxuriös hergerichteter Dynamiker, der sich präzise und zackig ums Eck lenken lässt, auch auf schnell gefahrenen Autobahn-Kurven eine Menge Freude bereitet und sich dabei keinen Moment der Unsicherheit erlaubt. Damit hatte ich meinen Favoriten schon am zweiten Tag des Blogger Road-Trips gefunden: den Citroën DS4.

Weitere Berichte zum Citroën DS4 findet ihr hier aufgelistet:

6 Reaktionen auf diesen Beitrag

  1. Deutscher Auto Blogger Digest vom 13.11.2012 › "Auto .. geil"

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