Neuwagen-Vorstellung: Das neue BMW 6er Coupé kommt im Herbst – BMW verspricht ein Mehr an Ästhetik & Dynamik
Montag, 14. März 2011 von Mario LehmannMit viel Luxus und technischen Spielereien, erhöhter Effizienz und mehr Leistung geht das BMW 6er Coupé der dritten Generation auf Kundenfang. Nach der Pressemitteilung von BMW seien „Ästheten mit Freude an Luxus und innovativer Technologie“ das anvisierte Klientel des 6ers. Als solche sehen sich sicher viele, die das Coupé sahen und fühlten; es wird für die meisten jedoch ein schöner Traum bleiben müssen, denn ein Preis jenseits der 70.000,- € hat mit Eleganz und Grazie nur bedingt etwas gemein.

Das neue 6er Coupé – Die dritte Generation verbindet klassisches Coupé-Design mit zeitgenössischer Moderne.
Darf man in Zeiten von Erdbeben, Tsunami, Atomkraft, Libyen & Krise der arabischen Welt, Öko-Welle und E10-Misere überhaupt ein solches Automobil bauen und auf den Markt bringen? Gibt es denn weiß Gott nichts Wichtigeres als Luxus-Coupés mit 4,4-Liter-Achtzylinder-Motoren? Ganz bestimmt; sicher gibt es das. Aber mal ehrlich: ist es nicht schön? Diese lang gezogene Motorhaube, das kurze Stummelheck mit Bürzel, die breit ausgestellten Radkästen. Dazu die verchromte, eckige Duplex-Auspuff-Anlage und die neu gestalteten LED-Rückleuchten. Hier treffen sich klassisches Coupé-Design und zeitgenössische Moderne vereint wieder. Und natürlich: ein solches Autos erfüllt keinen Zweck, es ist sinnfrei und völlig nutzlos. Aber es erfreut das Auge.

Dieses Gesicht könnte ab Herbst 2011 gelegentlich im Rückspiegel auftauchen: Die neue Front des 6er Coupés.
Doch ist ein solches Fahrzeug ökologisch bedenklich? Ja, ist es eigentlich schon. Das kleinste 6er Coupé ist der BMW 640i, ein Dreiliter Reihensechszylinder mit Turbolader, Direkteinspritzung und 320 PS. Sicher, BMW arbeitet auch im Segment der Oberklasse-Coupés an der Effizienz der Motoren, und ein vorläufiger Normverbrauch von 7,7 Litern auf 100 Kilometer lässt hoffen. Doch einerseits ist der genormte Verbrauchszyklus kritisch zu beäugen, da im Alltagsturnus wesentlich mehr verbraucht wird. Andererseits ist der gleiche Motor N55B30 ebenfalls im 14 PS schwächeren BMW 535i verbaut. Dort ist jener mit einem Verbrauch von 8,5 Litern angegeben. Und der tatsächliche Verbrauch liegt sowieso höher. Entsprechend der Motorgröße und des Verbrauchs sieht schließlich auch der Schadstoffausstoß weniger rosig aus. Aber Dank EU-Verbrauchsnorm erfüllt das 6er Coupé die Euro-5-Norm.
Das maximale Drehmoment von 450 Nm liegt Dank Aufladung schon bei 1.300 Umdrehungen an und bleibt uns bis 4.500 treu. Der Sechszylinder treibt das 6er Coupé in 5,4 Sekunden auf 100 km/h, bei 250 wird elektronisch abgeregelt.
Noch unvernünftiger und weniger ökologisch geht es im 650i zu. Der V8 mit 4,4 Litern Hubraum wird ebenfalls zusätzlich mittels Turbo beatmet und spritzt den Kraftstoff direkt in die acht Brennkammern ein. So kommt dieses Aggregat auf 407 PS und 650 Nm Drehmoment ab 1.750 Umdrehungen. Der 650i beschleunigt eine halbe Sekunde schneller auf 100 km/h als das BMW 640i Coupé und verbraucht nach den vorläufigen Angaben vonseiten BMW 10,4 Liter Sprit.
Deutlich wird, dass trotz der Effizienz-Steigerung – der Vorgänger verbrauchte laut BMW im 630i 7,9 Liter – Ökologie anders aussieht. Aber trotz dieser mäßigen Sprit-Bilanz brauchen wir uns keine übermäßigen Sorgen zu machen, denn sowohl das 6er Coupé als auch das 6er Cabrio sind zu exklusiv, als dass demnächst Tausende davon über deutsche Straßen fahren würden. Von 2001 bis einschließlich 2008 wurden in Deutschland lediglich 9.145 Neuwagen des BMW 6ers zugelassen. Bei einem Kraftfahrzeug-Bestand von 57 Millionen fällt das auch ökologisch kaum ins Gewicht.
Doch abgesehen von ökologischen Aspekten: Was hat die neue Generation 6er Coupé zu bieten?

Optional gibt es nicht nur Leder-Gestühl, sondern auch mit Leder bezogene Armaturenträger. Das kostet zusätzliches Geld, wie auch die farblich abgesetzten Ziernähte.
Schon serienmäßig ist das meiste vorhanden, das von einem Fahrzeug der Oberklasse erwartet wird. Egal, ob Chromapplikationen, Leichtmetallräder auf Rädern mit Notlaufeigenschaften oder Leder-Bestühlung; das gehört zum Serienumfang wie auch das 8-Gang-Automatik-Getriebe. Im kleineren von beiden 6er Coupés sorgt ein Start-Stopp-System für zusätzliche Sprit-Einsparungen, eine Bremsenergierückgewinnung erzeugt in beiden Motorisierungen für Energiegewinn während der Tempomat für entspanntes Gleiten auf Autobahnen sorgt, ohne den Gasfuß dabei verkrampfen zu lassen. Das LED-Tagfahrlicht sorgt für Erkennbarkeit auch bei diesigem Wetter, die Xenon-Scheinwerfer erhellen die Nacht und sorgen für gute Sicht. Damit ist das 6er Coupé von Haus aus schon gut ausgestattet. Aber mithilfe der Aufpreisliste lässt sich der Endpreis noch erheblich in die Höhe treiben. Zu den optionalen und aufpreispflichtigen Extras gehören bspw. das Navigationsgerät Professional mit Sprachsteuerung, Notruffunktion, Internetzugang und anderem Schnick-Schnack. Da ein Navi in der Oberklasse geradezu Pflichtprogramm ist, wird man um dieses Extra kaum herum kommen. Weit oben stehen dürften Assistenzsysteme und technische Spielereien wie ein adaptives Fahrwerk, eine Integral-Aktivlenkung bei der die Hinterräder mitlenken, das gute BMW Head-Up-Display, Night Vision zur Personenerkennung bei Dunkelheit, Parkassistenz-System wahlweise mit Kamera oder „Surround View“ oder auch Spurverlassens- oder -wechselwarnung.
Über den Sinn dieser System ließe sich teils vorzüglich streiten, gerade in Anbetracht eines falschen Sicherheitsgefühls. An Innovtionen lässt es BMW nicht mangeln und bietet neben diversen Sicherheitssystemen LED-Scheinwerfer, Leder-Bezüge für die Instrumententräger, Ambient-Beleuchtung und gefühlte unendliche weitere Ausstattungsdetails, die den Kunden 60+ das Fahren so einfach und komfortabel wie möglich machen sollen.
Was bleibt, ist ein sehr schönes Coupé, das wider dem Öko-Trend anläuft, aber aufgrund seiner Verkaufszahlen keine ökologische Relevanz haben wird, da es finanziell jenseits von gut und böse anzusiedeln ist. Preislich ist bisher keine konkrete Zahl zu nennen. Diesbezüglich schweigt die Pressemitteilung BMWs. Witzigerweise nicht in der Mitteilung der BMW Austria. Dort ist die Rede von einem Einstiegspreis ab 83.850,- €. Für Deutschland wird dieser Preis jedoch nicht zutreffen. Denn in Österreich kostet bereits das 6er Cabrio ab 93.650,- €, das in Deutschland jedoch ab 83.300,- € zu haben ist. Dementsprechend ist ein Basispreis von ca. 73.000,- € für das 6er Coupé in Deutschland erwartbar.

6er Coupé im Deatil: Unten erkennt man die LED-Nebelscheinwefer und am unteren Rand der Scheinwerfer das LED-Band als Tagfahrlicht. Optional soll es auch statt Xenon- komplette LED-Scheinwerfer geben.
Abgesehen vom Preis und einer zweifelhaften Ökologie bleibt ein Auto, das fasziniert. Im Vergleich zum Vorgänger hat das BMW 6er Coupé deutlich an Potenz und verblüffender Dramatik zugelegt. Von allen Seiten versprüht der Bayer sportliche Eleganz. Die dynamische Seitenlinie erinnert an klassisches Coupé-Design. Da kann ein Mercedes CL mit seinem Hänge-Hintern und den Glupsch-Augen nicht mithalten. Das Heck erscheint breit, wuchtig und muskulös. Die weit ausgestellten Radkästen und die schön geformten Rückleuchten deuten schon in ihrer Formensprache an, dass man dieses Auto meist von hinten sehen wird.
Weniger schön ist leider der zu weit nach links gezogene Modellschriftzug. Aber bei einer Bestellung kann man den ja weglassen. Das 6er Cabrio erscheint noch im März bei den BMW-Händlern, auf das 6er Coupé müssen wir noch bis zum Herbst warten.
Nachtrag: BMW hat die Preise für das 6er Coupé nachgereicht. Der 640i hat demnach einen Grundpreis von 74.700,- € und der 650i kostet ab 85.700,- €.


