Mercedes-Benz C-Klasse T-Modell (S 205) – Weltpremiere in Bremen

Weltpremiere: Mercedes-Benz C-Klasse T-Modell (S 205)

Am 21. Mai 2014 wurde der Kombi der Mercedes-Benz C-Klasse (W 205) in Bremen enthüllt. Auf der AMI 2014 in Leipzig Ende Mai/Anfang Juni zeigt sich das T-Modell (S 205) dem Publikum und wird ab September 2014 das Portfolio der Baureihe 205 erweitern. Daimler sieht das T-Modell der C-Klasse als Lifystyle-Luxus-Laster. Sicher wird auch dieses Konzept erfolgreich werden, denn der Markt will es so.

2014 Mercedes-Benz C-Klasse T-Modell C 250 BlueTEC AMG Line S 205 W 205 BR 205 Brilliantblau-Metallic Seitenansich

Feierte erst Anfang des Jahres die C-Klasse Limousine ihre Weltpremiere auf der NAIAS 2014, steht nun schon die Kombi-Variante in den Startlöchern. Zu der Limousine W 205 hatte ich mich bereits im Dezember ausführlich geäußert. Meine Meinung zu zahlreichen Aspekten könnt ihr dort nachlesen. Mit dem nun präsentierten T-Modell möchte ich lediglich auf einige Punkte eingehen.

Mercedes-Benz C 300 BlueTec Hybrid Kombi (S 205) 201

Auch Daimler schlägt nun mit dem neuen C-Klasse T-Modell in die Lifestyle-Kerbe. War das Vorgänger-Modell S 204 noch eher Last- als Lustesel, geht es anno 2014 darum, dem Kunden zu suggerieren, Kombis seien nicht nur praktisch – auch Ästhetik soll versprüht, Begehren geweckt werden. Der Faktor „Lifestyle“ hat zur Folge, dass die Prämisse „Design“ ganz oben steht. Chic soll er sein, elegant soll er sein, Dynamik hat er schon im Stand zu vermitteln, dabei aber auch luxuriös und komfortabel sein. Form follows function – das althergebrachte Credo des klassischen Kombinationskraftwagens – hat längst ausgedient. Die Funktion hat sich der Forum unter zu ordnen. Dennoch werden von Mercedes-Benz die praktischen Talente des neuen 2014er T-Modells der C-Klasse hervorgehoben.

Und praktische Talente hat das T-Modell durchaus zu bieten. Diese werden zudem geschickt mit dem Daimler’schen Premium-Anspruch verwoben. Variabilität? Ja, bitte. Aber mit Stil. Wie Bjoern in seinem Artikel zum C-Klasse T-Modell verdeutlicht, ist die nun dreiteilig, im Verhältnis 40:20:40 umlegbare Rücksitzlehne ein Bonus an Variabilität; der Premium-Stil kommt dann mit weiteren, optionalen Komfort-Features daher – etwa der elektrisch umlegbaren Lehne oder der elektrischen Heckklappe, die auf Wunsch auch per Fußkick geöffnet werden kann.

Mercedes-Benz C 300 BlueTEC HYBRID, T-Modell (S 205) 201

Die von mir bis dato nicht sonderlich geschätzte, Dropping Line genannte, Doppel-Sicke in den Flanken wirkt sich am T-Modell nicht allzu negativ aus. Das hohe, steile Heck fängt meines Erachtens das Design in der Seitenansicht gut auf. Wirklich störend finde ich in der Front die gruseligen Halogen-Reflexionsscheinwerfer, die wie einer vergangenen Zeit entsprungen scheinen. Große Unschlüssigkeit befällt mich bei der Betrachtung des Hecks. Fand ich das Hinterteil der Limousine W 205 sehr gelungen und stimmig, weiß ich beim T-Modell nicht so recht, was ich davon halten soll. Während sich Fabian an den Jaguar XF Sportbrake erinnert fühlt, sehe ich in den Rückleuchten ein wenig Ingolstädter Flair durchscheinen. Wirklich chic finde ich trotz alledem die LED-Grafik der Heckleuchten, die es bei Auswahl der optionalen LED-Scheinwerfer geben wird.

Mercedes-Benz C 200 BlueTEC, T-Modell  (S 205) 201

Die vierte Generation C-Klasse T-Modell übernimmt das in hohem Maße elegante wie sportliche Cockpit der Limousine W 205, das bereits in der Serienausstattung optisch einen feinen Eindruck macht. Wahrlich eleganter Schwung kommt in der Mittelkonsole auf, wenn das Automatikgetriebe geordert wird. Bedauerlicherweise gibt es noch immer nur die 7G-TRONIC PLUS. Auf die 9-Gang-Automatik müssen wir noch einige Zeit warten. Auch das stehende, auf dem Armturenträger thronende Display ist mir ein Graus. Ich werde nicht müde zu betonen, dass ich diese Entscheidung stilistisch höchst fragwürdig finde. Das Design wirkt damit nicht mehr kohärent und in seiner optischen Erscheinung mutet der Bildschirm wie eine Notlösung an.

Mercedes-Benz C 300 BlueTEC HYBRID, T-Modell (S 205) 201

Premium, Luxus, Lifestyle hin oder her – ein Kombi muss sich messen lassen, ganz banal anhand von Zahlen und Messwerten. Hier zeigt sich, dass das C-Klasse T-Modell ausreichenden Platz im Heck bietet, aber kein Raumwunder ist.
Im Vergleich zum Vorgänger T-Modell S 204 wuchs der S 205 in der Länge um 96 auf 4.702 Millimeter. Das Ladevolumen erweitert sich damit um fünf auf 490 Liter. Mit 1.510 Liter maximalem Ladevolumen ist lediglich ein Zuwuchs von zehn Litern zu verzeichnen. Zum Vergleich: Ein Škoda Rapid kommt mit 550 Litern daher und kann dieses auf bis zu 1.490 Liter erweitern. Der Octavia III bringt es trotz Kompaktklasse-Baukasten MQB auf satte 590 bzw. 1.580 Liter. Der Toyota Auris Touring Sports bietet zwischen 530 und 1.658 Liter Ladevolumen; ganz gleich, ob Verbrenner oder Hybrid. Der C 350 HYBRID dagegen – das später verfügbare Plug-in-Hybrid-Modell – weist einen über die Ladekante erhöhten, Volumen vermindernden Ladeboden auf, unter welchem sich die Batterie verbirgt.

Mercedes-Benz C 200 BlueTEC, T-Modell  (S 205) 201

Leichtbau ist nicht nur angesagt, Leichtbau ist Pflicht. Denn wer Premium und Komfort anpreist und -bietet, hat oft auch ordentlich Speck um die Hüften. Und dieses Speck muss weg. Ein probates Mittel ist es, auf einen hohen Aluminium-Anteil zu setzen und diesen mit ultrahochfesten Stählen zu ergänzen. So bedecken zum Beispiel 49 % der Karosserie-Oberfläche Aluminium-Teile, die wiederum 25 % des Gesamtgewichts ausmachen. Beispielsweise sind Motorhaube, Kotflügel, Heckklappe, Türen und Dach aus Aluminium-Blech.

The new C Class Estate. World Premiere. Bremen 201

Der Aufwand ist groß, um letztlich ein möglichst niedriges, genormtes Gewicht aufs Papier schreiben zu können. Mercedes-Benz greift in diesem Sinne auch gern in die Trickkiste. Der Kraftstofftank wurde für die C-Klasse Limousine (W 205) im Vergleich zum Vorgänger um 18 Liter verkleinert und fasst nur 41 Liter. Optional kann ein 66-Liter-Tank bestellt werden. Ein Grund könnte sein: Die EG-Richtlinie für das anzugebende Leergewicht gibt einen zu 90 % gefüllten Kraftstofftank vor. Kleinerer Tank, weniger Gewicht.
Noch verwegener geht’s in puncto AdBlue-Tank. Da die Dieselmotoren mittels SCR-Katalysator um ihre Stickoxide erleichtert werden, ist ein zusätzlicher Tank für diese Harnstoff-Lösung notwendig. Auch dieser Tank für im Modellwechsel von BR 204 auf BR 205 verkleinert. Das spart wiederum Gewicht auf dem Papier und erhöht die Anzahl Tankvorgänge. Aber: Gegen Aufpreis kann auch dieser Tank auf 25 Liter vergrößert werden – auf Kosten des Kofferraum-Volumens, das sich dann um etwa 20 Liter verringert.

Mercedes-Benz C 250 BlueTEC, T-Modell  (S 205) 201

Zweilfsohne ist das T-Modell der C-Klasse ein ansehnlicher Kombi geworden – trotz meiner Kritik. Optisch kommt es jedoch in meinen Augen nicht an die Eleganz der Limousine heran. Gespannt bin ich auf das kommende C-Klasse Coupé (C 205), insbesondere darauf, wie Mercedes das Heck-Design realisieren wird. Orientiert es sich an der Limousine oder eher am S-Klasse Coupé?

Was Technik und Ausstattung betrifft, entsprechen die Optionen für das T-Modell beinahe gänzlich dem Umfang der C-Klasse Limousine. Auch motorseitig gibt es keine Überraschungen. Alle Triebwerke erfüllen die EURO-6-Abgasnorm. Die Diesel leisten zwischen 85 kW/115 PS (C 180 BlueTEC) und 150 kW/204 PS (C 250 BlueTEC). Mit dem C 300 BlueTEC HYBRID bietet Daimler zusätzlich einen Vierzylinder-Diesel-Hybrid an, der 150 + 20 kW/204 + 27 PS leistet. Einen V6-Diesel suche ich bis dato vergeblich.

Mercedes-Benz C 300 BlueTEC HYBRID, T-Modell (S 205) 201

Bei den Ottomotoren gibt es derzeit nur einen V6. Der C 400 leistet dank Biturbo-Aufladung 245 kW/333 PS. Die Leistungsspanne der Vierzylinder erstreckt sich von 115 kW/156 PS bis 155 kW/211 PS. Der oben bereits erwähnte C 350 HYBRID wird später verfügbar sein. Dieser stellt 155 + 50 kW Leistung zur Verfügung.
Preise für das neue C-Klasse T-Modell (S 205) hat Mercedes-Benz bisher nicht genannt.

Mercedes-Benz C 300 BlueTEC HYBRID, T-Modell (S 205) 201

Zahlreiche Details und noch mehr Bilder vom Mercedes-Benz C-Klasse T-Modell (S 205) gibt es von Markus auf dem Mercedes-Benz PassionBlog, während Marc auf 5komma6 einen kleinen historischen Exkurs zum T-Modell bietet. Jens war in Bremen zur Premiere zugegen und klärt u. a. darüber auf, was das S in S 205 zu bedeuten hat. Auch Jan war in Bremen zu Gast und klärt gleich zu Anfang, dass es mit Ausnahme des Hecks eigentlich nichts Neues zu entdecken gibt; bis auf ein paar Kleinigkeiten.
Weitere Informationen zur Mercedes-Benz Baureihe 205 findet ihr auf der Hersteller-Webseite.

Text: M. Lehmann
Fotos: Daimler AG

5 Reaktionen auf diesen Beitrag

  1. Fabian

    Hahah den Vergleich mit dem Platz besonders im Kofferraum habe ich mal bewusst weggelassen. Da sieht es nicht so pralle aus. Dafür wird MB aber sicher sagen gibt es die E- oder V- Klasse 😉

  2. Mario Lehmann

    Klar, Daimler kann dann auf größere Modelle verweisen. Aber es ist schon bezeichnend, dass Kompaktmodelle teilweise mehr Volumen bieten. Und also ob das nicht genug wäre, verringert sich das Kofferraum-Volumen noch, wenn Du den größeren AdBlue-Tank orderst oder den Plug-in-Hybrid nimmst. Als Kombi im klassischen Sinne ist das T-Modell kaum ernst zu nehmen. Er soll eben chic sein, luxuriös, komfortabel und als AMG vielleicht auch sportlich. Aber Kombi soll er nicht sein. 😉

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