Kurz angerissen – BMW 328i im Kurz-Fahrbericht

Den neuen BMW 3er F30 hatte ich vor einiger Zeit bereits vorgestellt – ein Zufall wollte es, dass ich den BMW 328i mal kurz antesten konnte. Wie ich feststellen musste, sind mir diverse aufpreispflichtige Extras recht egal gewesen – es waren Motor und die Achtgang-Sport-Automatik von ZF, die Suchtpotential auslösen und zur Gefahr des Führerscheins werden. Bedauerlicherweise habe ich es in all der Aufregung verpasst, entsprechende Fotos zu schießen. Daher greife ich auf alternatives Bildmaterial aus dem BMW-Pressearchiv zurück.

Kurz angetestet: BMW 328i in der Luxury Line. | © BMW

Kurz nach dem Abbiegen in meine Zielstraße erblickte ich ihn – einen 328i in eher dezenter Luxury Line in saphirschwarz-metallic, der mich mit einem eher zurückhaltend wirkenden Doppelrohr in Chromoptik neckisch mit dem Hintern zuerst begrüßte. Ich hielt kurz neben dem F30. Ja, chic sieht er aus und versprüht dabei pures Understatement. Was mich später jedoch erwarten würde, ahnte ich da noch nicht.

Wenig später saß ich im Inneren der Bayerischen Mittelklasse-Limousine, zog den Neuwagen- und Leder-Geruch genüsslich durch meine Nase. Zunächst nahm ich auf dem Beifahrersitz Platz und näherte mich dem 3er zunächst mit meinem Tastsinn.

Gut, alles war da, wo es sein sollte, der F30 fühlt sich an, wie sich ein BMW anfühlen sollte – und alles kam mir irgendwie bekannt vor. Obwohl der neue F30 im Vergleich zum E90 einen nicht kleinen Sprung nach vorn getan hat, war alles vertraut. Bis der Motor gestartet wurde.

Auch in der Hinteransicht pflegt der F30 eher Understatement als Sportlichkeit. | © BMW

Galt für mich BMW bis dato als meisterhafte Koryphäe der Reihen-Sechszylinder, so muss ich diese Auffassung zwar nicht revidieren, wohl aber erweitern. Es ist erstaunlich, was die Bayern in München aus einem 2.0-Liter-Benziner mit Turboaufladung an Leistung zaubern. Genüsslich ließ ich mich auf der Beifahrerseite in den belederten Sportsitz pressen. Ja, so muss sich das anfühlen als Beifahrer: die inneren Organe werden gen Rückenlehne geschleudert und im Magen verbreitet sich das wohlig flaue Gefühl einer Achterbahn-Fahrt.

Head-Up-Display? Rückfahrkamera? harman/kardon-Soundanlage? Total egal und völlig nebensächlich.

Zeit für einen Fahrerwechsel.

Ich nehme Platz im Fahrergestühl und stelle mich an, wie der erste Mensch. Der elektrisch verstellbare Sitz möchte erst nicht, wie er soll. Der Automatikhebel wollte auch erst mit Betätigung des Knöpfchens das machen, was ich ihm zu verstehen gab. Rückfahrkamera? Registriert. Head-Up-Display? Sieht nett aus, die Anzeigen scheinen in einem Meter Entfernung über der im Sonnenlicht glimmenden Motorhaube zu schweben. Egal. Wählhebel auf D und los geht’s.

Hier lässt es sich leben. Das wulstige Lenkrad liegt gut in der Hand, der 328i lässt sich damit flott ums Eck zirkeln. | © BMW

Das elegante und nahezu geräuschlose Gleiten in der 30er-Zone hat er schonmal drauf. Dann geht es auf eine Hauptstraße und wir lassen den Motor mal etwas atmen. Die Ampel springt auf Grün und nach einer scharfen Kurve beginnt die Drehzahlnadel ihren betörenden Tanz. Munter hüpft sie bis auf über 7.000 Umdrehungen, stampft nach unten und springt wieder hinauf auf den 7.000er. Schnell wieder runter vom Gas. Es geht alles so schnell; viel zu schnell, als dass ich das in der Stadt genießen könnte. Aber da kommt auch schon eine rote Ampel. Der Balztanz geht in eine neue Runde …

Atemberaubend, wie biestig und böse dieser Vierzylinder bei entsprechenden Gasstößen reagiert. Selbst bei Halbgas ist man schnell zu schnell unterwegs. Der Überschuss an Leistung provoziert laufend – mehr, mehr, immer mehr. Und trotz der schieren Kraft und Leistung bleibt der 328i seiner Ausstattungslinie Luxury Line treu – er wird nie zu laut, gleitet sicher und elegant voraus.

Im Nachgang schossen mir so einige Gedanken durch den Kopf, wie ich den BMW 328i der Baureihe F30 am passendsten vergleichen könnte. Der geliftete E90 kam noch als 330i mit einem Reihensechser daher, leistete ohne Turbo 272 PS aus drei Litern Hubraum.

Neben dem Motor das zweite Herzstück: Das Achtgang-Automatgetriebe von ZF. | © ZF Friedrichshafen

Dieser E90 mit seinen sechs Töpfen ist quasi der Rocky Balboa unter den 3ern – der ehrlichere, geerdete Typ, der seine schiere Muskelkraft aus seinem Hubraum schöpft und erst bei um die 3.000 Umdrehungen seine ganze Gewalt entfachen kann.

Der BMW 328i F30 ist da wohl eher der Ivan Drago. Neumodische, geradezu futuristisch anmutende Technik, und mittels starkem Doping ordentlich hochgezüchtet, verhelfen dem Neuen aus lediglich zwei Litern Hubraum, aber auch mittels Zwangsbeatmung, auf pralle 245 PS. Dabei liegt das volle Drehmoment von 350 Nm bereits bei unter 1.500 Umdrehungen an. Dieser Ivan F30 schöpft aus dem Vollen des technisch Machbaren und lässt den Rocky E90 plötzlich ganz schön alt aussehen. Schummeln kann ja manchmal so schön sein. Umso spannender wäre sicherlich ein Schaukampf zwischen den beiden – ein Test, der klärt, welche Motorisierung welche Vorteile hat.

Die beliebten „Angle Eyes“ verzieren als LED-Tagfahrlicht die Front des F30. | © BMW

Mir ist klar, charakterlich lassen sich 330i E90 und 328i F30 kaum miteinander vergleichen. Beide Konzepte haben ihren unwiderstehlichen Reiz. Daher ist schade, dass BMW erst mit dem 335i einen Sechser anbietet. Sei’s drum, der 328er macht höllisch Spaß – insbesondere mit der Sport-Automatik. Diese ist übrigens eine klassische Wandler-Automatik. Aber: Seit einiger Zeit ist ZF mit seinen acht Gängen so gut, dass während der Fahrt kaum eine Zugunterbrechung auszumachen ist. Einzig die heftigen Sprünge der Drehzahlnadel verraten, dass geschaltet wird. Doppelkupplungsgetriebe? Wozu eigentlich?

Nach der Fahrt bleibt für mich das Resultat: Motor und Getriebe sind in dieser Kombination im 328i fast ein Muss. Der Rest an diesem Dreier dieses Kurz-Fahrberichts ist nett, aber nicht unbedingt notwendig.

8 Reaktionen auf diesen Beitrag

  1. Deutscher Auto Blogger Digest vom 24.08.2012 › "Auto .. geil"

    […] AutoAidKurz angerissen – BMW 328i im Kurz-FahrberichtDen neuen BMW 3er F30 hatte ich vor einiger Zeit bereits vorgestellt – ein Zufall wollte es, dass ich den BMW… […]

  2. 【20120828】BMWに関するツイートまとめ動画まとめったー

    […] » Kurz angerissen – BMW 328i im Kurz-Fahrbericht – autoaid.de bloghttp://www.autoaid.de/blog/kurz-angerissen-bmw-328i-im-kurz-fahrbericht/ […]

  3. Automotive Links zum Frühstück › Mein Auto Blog

    […] Lehmann ist den aktuellen BMW F30 328i gefahren und hat einen Fahrbericht hierüber verfasst.Link KlickGD Star Ratingloading…Teilen:LinkedInTwitter Tweet TAGS » Linktipp, was die anderen […]

  4. » Vorstellung & Premiere: Mercedes-Benz C-Klasse W 205 – Der neue Luxus in der Mittelklasse - autoaid.de blog

    […] der vierten C-Klasse-Generation BR 205 Einzug in die Mittelklasse halten und die Hauptkonkurrenten BMW 3er F30 sowie Audi A4 B8 alt aussehen lassen. Die Voraussetzungen sehen nicht schlecht aus. […]

  5. Blogger Auto Award 2014 – Das Ergebnis & die Gewinner | autoaid.de blog

    […] den weiteren Plätzen: Mercedes-Benz C-Klasse (34 Punkte), BMW 3er (29) (Vorjahressieger), Opel Insignia (12), Audi A5 Sportback (10), BMW 3er GT (9), VW Passat (6), […]

  6. Genfer Auto-Salon 2015: Der neue BMW 2er Gran Tourer – BMW macht einen auf Volkswagen | autoaid.de blog

    […] E46) der Sechszylinder tobte, muss es heute schon ein 335i sein, um mitreden zu können. Selbst der BMW 328i ist „nur“ ein Vierzylinder-Turbo – zugegeben, ein guter, aber trotzdem. Der aktuelle, vor […]

Hinterlasse eine Antwort