IAA 2013: Die automobilste Show der Welt – Eine Retrospektive

Aus und vorbei. Pünktlich zum Erststimmen-Einerlei des 22. Septembers schloss die 65. Internationale Automobil-Ausstellung ihre Pforten. Für wenige Stunden war ich auf der Messe zugegen und hetzte von Halle zu Halle. Vieles konnte ich mir leider nicht ansehen, viele Eindrücke hatte ich dennoch gewinnen können.

Logo IAA 2013 Frankfurt Motor Sho

Ich habe nun einige Tage gewartet, Reaktionen zur IAA beobachtet, mich und Meinungen gesammelt. Dabei ist häufig zu lesen, die diesjährige IAA hätte keine Highlights zu bieten gehabt. Andererseits gibt es auch jene, die alles toll und schön fanden, inflationär mit Highlight-Bekenntnissen um sich werfen. Und wie war es nun wirklich?

Klarstellen möchte ich gleich zu Beginn: Es war nicht alles toll. Wirkliche Highlights waren dünn gesät, konsequente Weiterentwicklung und zukunftsorientiertes Design war weit weniger häufig anzutreffen, als ich auf einer der größten Automobilmessen hätte erwarten dürfen.

IAA 2013 Frankfurt Motor Sho

Das Problem beginnt bereits mit der Gesamt-Konzeption, die stets über ein Motto resümiert wird. „Die automobilste Show der Welt“ – so lautete der Slogan dieses Jahr. „Aha“ oder „Oho“ möchte ich ausrufen – oder meinetwegen auch eine Kombination aus diesen Interjektionen. Nichtssagender und inhaltsleerer geht’s kaum. Und eben genau das war symptomatisch für die gesamte IAA. Es fehlte ein schlüssiges, homogenes Gesamtkonzept. Hinzu kommt, das Überraschungen ausblieben. Alle vermeintlichen Highlights waren bereits vor Beginn der IAA bekannt. Wo bleibt da die Spannung?

Das Resultat: Es gab vieles zu bestaunen, das lustlos und beliebig wirkte. Ganz so grau, wie ich hier zeichne, sah die IAA freilich nicht aus. Es gab durchaus einige Modelle, die zu faszinieren wussten; oder zu polarisieren. Dennoch lag über allem der Schleier der Planlosigkeit. Aber gut, betrachten wir das lieber an konkreten Beispielen.

Audi nanuk concept_Audi Sport quattro concept IAA 201

Audi

Neben dem Audi A3 Cabriolet erfuhren auch zwei Studien große Resonanz. Beide hauen mich nicht vom Hocker und erscheinen mir ver-konstruiert. Es war bereits vielfach zu lesen: Das Audi nanuk quattro concept wirkt wie ein aufgebockter R8 mit Rädern in Monstertruck-Größe. Das einzige Detail, dem ich etwas abgewinnen kann, sind die Scheinwerfer, die mich erfreulich an den Alfa Romeo ES 30 erinnern. Witzig ist, dass ‚Nanuk‘ der Name des Pferdes war, mit welchem Irmgard von Opel 1934 das Deutsche Spring- und Dressur-Derby als erste weibliche Teilnehmerin gewann.

Und die andere Studie? Audi Sport quattro concept. Man möchte resigniert aufstöhnen. Die Konzeptzeichnungen sahen noch vielversprechend aus, der 30. Geburtstag des 1983er Audi Sport quattro schien ein geeigneter Anlass – und dann das. Gedrungen und dicklich sieht er aus. Aber halt: Die Front mit den rechteckigen Scheinwerfern, das fette Gittergrill; das hat was. Doch dann noch dieses Hybrid-Monster von Antriebsstrang. V8-Biturbo, gekoppelt an einen E-Motor, 700 PS, 2,5 Liter Verbrauch. Hallo? Muss es denn wieder ein Hybrid-Feigenblatt sein? Wo bleibt der Fünfzylinder?

BMW i8 Vorderansicht IAA 2013 Frankfurt Motor Sho

BMW

Die Bayern präsentierten den neuen 4er. Keine Frage, ein schönes Auto haben sie da auf die Räder gestellt. Aber spannend war die Erkundung nicht, denn es war bereits alles bekannt. Und sonst? Der BMW i3 ist Ergebnis einer konsequenten wie riskanten Strategie. Ich finde den i3 gut, ich muss ihn gut finden – aber dann irgendwie auch nicht. Es funkt nicht zwischen uns. Mein Highlight auf dem BMW-Stand: der i8. Die Optik ist scharf. Passt.

Citroen DS Wild Rubis Concept Seitenansicht IAA 2013 Frankfurt Motor Sho

Citroën

Wieder war es die Abteilung DS, die mich am meisten ansprach. Citroën DS Wild Rubis Concept Car – ein formschönes SUV der DS-Linie. Bauen. Nicht, weil ich so sehr auf SUVs stehe, sondern weil ich das DS-Design so sehr mag. Und damit PSA mit frischen Pseudo-Geländewagen, nach denen es den Kunden so sehr dürstet, wieder auf einen grünen Zweig kommt.

Auch das Citroën Cactus Concept hat seinen Reiz. Auf den ersten Blick eher langweilig und unspektakulär, lässt es bei genauerer Betrachtung erahnen, was da aus Frankreich auf uns zukommt. Und das erscheint vielversprechend.

Lexus LF-NX Concept Vorderansicht IAA 2013 Frankfurt Motor Sho

Lexus

Was Lexus uns mit dem LF-NX präsentierte, kann ich nur als Scherz auffassen. Ich mag die Japaner sonst, aber das? Danke Lexus für diesen witzigen Einfall. Wir haben herzhaft gelacht. Jetzt geht’s aber ernst weiter.

Mercedes-Benz Concept S-Class Coupé Seitenansicht IAA 2013 Frankfurt Motor Sho

Mercedes-Benz

Daimler bot eines der wenigen wirklichen Highlights. Das Concept S-Class Coupé zeigt, wie das S-Klasse Coupé in etwa aussehen wird. Und ja, ich lasse mich allein von der Optik betören. Technik hier, Assistenzsysteme da – egal, wenn dieses Heck so kommt, wie gezeigt. Mit dem S-Klasse-Interieur kann ich mich aber nach wie vor nicht anfreunden.

Opel Monza Concept Seitenansicht IAA 2013 Frankfurt Motor Sho

Opel

Die Rüsselsheimer zeigten mit dem Opel Monza Concept, wohin der Weg in puncto Design gehen könnte, und auch gehen sollte. Das Design der Frontpartie ist wahrlich gelungen. Jetzt überarbeitet bitte noch das Heck, installiert alltagstaugliche Türen und bringt ein richtiges Monza Coupé mit einem freisaugenden Sechszylinder unterm Bug.

Porsche 918 Spyder Vorderansicht IAA 2013 Frankfurt Motor Sho

Porsche

Was habe ich mich anno 2011 über den Porsche 918 Spyder aufgeregt. Ein Supersportwagen mit 887 PS, der im NEFZ-Zyklus 3 Liter Super Plus verbraucht. Auch so lässt sich der Flottenverbrauch nachhaltig senken. Dass dieser theoretische Papierwert jemals in der Praxis erreicht werden wird, scheint ausgeschlossen. Insofern betrachte ich dieses Auto in seiner Konzeption als bloßen Augenwischer.

Auf der IAA stand ich nun vor dem guten Stück. Und verdammt, was sieht der 918 gut aus. Bei diesen Proportionen und Rundungen fällt es schwer, auf dieses Auto böse zu sein. Und der E-Allrad macht in dynamischen Gesichtspunkten auch Sinn, das ist nicht die Frage. Aber dieses Hausieren über den unrealistisch niedrigen Verbrauch – das stößt mir sauer auf.

Toyota Yaris Hybrid-R Vorderansicht IAA 2013 Frankfurt Motor Sho

Toyota

Es gab nur ein Auto, das ich auf dem Toyota-Stand sehen musste. Kleinwagen, Hybrid-Antrieb, Torque Vectoring mittels der E-Motoren an der Hinterachse und 420 PS Systemleistung. Klar, der Toyota Yaris Hybrid-R wird in dieser Form nie in Serie gehen. Aber die eindrucksvolle Präsentation dessen, was mit bereits vorhandenen Komponenten machbar ist, lässt darauf hoffen, dass dieses Antriebs-Layout in der ein oder anderen Form zum Einsatz kommen wird. Ich bitte darum.

VW e-up! Concept IAA 2011 Frankfurt Motor Sho

VW

Volkswagen treibt den Ausbau der E-Mobilität voran. Aber anders als BMW entwickelt VW keine speziell als solche konzipierten Elektroautos – vom VW XL1 mal abgesehen, da dieser ohnehin nicht für die Großserie vorgesehen ist. Stattdessen wird etwa der Verbrenner im VW up! durch einen E-Antrieb ersetzt. Selbiges wird mit dem E-Golf veranstaltet. Dass diese Lösung nur halbgar und der abzusetzenden Quantität geschuldet ist, scheint vernachlässigbar. Allerdings zeigte sich schon in der Vergangenheit, dass die Benzinleitung nicht einfach durch ein Starkstromkabel ersetzt werden kann, sodass es meist sinnvoller ist, von Beginn an ein Elektroauto zu entwickeln. So wirkt das gezeigte von VW nach Masse statt Klasse. Husch, Husch ein paar E-Autos auf den Markt geworfen. BMW geht mit dem i3 das ungleich größere Risiko ein, geht aber konzeptionell den richtigen Weg.

Résumé

Zusammenfassend lässt sich sagen: Für mich persönlich gab es drei richtige Highlights: Mercedes-Benz Concept S-Class Coupé, Toyota Yaris Hybrid-R und BMW i8. Aber auch diese Fahrzeuge wurden allesamt im Vorhinein online präsentiert. Nur im Falle des i8 passierte dies unfreiwillig. Dennoch geht durch die Vorab-Präsentation im Netz ein großer Teil Sensation und Überraschung verloren. Das ist ärgerlich und schadet der IAA.

IAA 2013 Frankfurt Motor Show Mercedes-Benz-Hall

Auch würde ich mir für 2015 ein die Messe überdachendes Konzept wünschen. Dieses Jahr wirkte vieles kopflos und willkürlich.

Ans Herz legen möchte ich euch noch einige weitere IAA-Artikel von den Blogger-Kollegen, die ebenfalls ihre Gedanken zur IAA 2013 niederschrieben.

| asphaltfrage.de | Autogefühl | Autophorie | bigblogg | Fanaticar | mein-auto-blog | passion:driving |

5 Reaktionen auf diesen Beitrag

  1. IAA 2013 Messe Highlights: Fehlanzeige! > Meinung > Autophorie.de

    […] Mario gab es immerhin drei Highlight, welche das sind, könnt ihr auf autoaid […]

  2. » Ersteindruck: Der neue Mazda3 – Einführung, Daten & Fakten - autoaid.de blog

    […] Später ging es im Rahmen der #MazdaRoute3 über 15.000 Kilometer von Hiroshima nach Frankfurt zur IAA 2013. Im spanischen Sitges bei Barcelona hatte ich nun Gelegenheit, sowohl Schrägheck als auch […]

  3. » NAIAS 2014: Der Lexus RC F feiert in Detroit Weltpremiere - autoaid.de blog

    […] Dunkelrot oder das klassische F-Blau – beide Farben stehen dem Lexus RC. Dabei war nach der IAA-Premiere des LF-NX zunächst Schlimmes zu befürchten. Diese Ahnungen haben sich zumindest beim RC nicht […]

  4. » Neuvorstellung: Mercedes-Benz S-Klasse Coupé (C 217) feiert Weltpremiere auf dem Genfer Auto-Salon 2014 - autoaid.de blog

    […] der IAA 2013 gehörte das Konzept zum S-Klasse Coupé zu meinen wenigen Hightlights der Messe. Gerade die Heckansicht mit den horizontal angeordneten Rückleuchten hatte es mit angetan. Meine […]

  5. Vorstellung & Premiere: Mercedes-Benz C-Klasse W 205 – Der neue Luxus in der Mittelklasse | autoaid.de blog

    […] dagegen ist, dass die alte 7-Gang-Automatik 7G-TRONIC PLUS im Sortiment bleibt, statt des auf der IAA 2013 vorgestellten 9-Gang-Automatikgetriebes 9G-TRONIC. Letzteres wird wohl nicht vor 2015 in der […]

Hinterlasse eine Antwort