Ersteindruck: Der neue Toyota Auris Touring Sports im Kurz-Fahrbericht

Sechs Jahre ist es her, dass Toyota zuletzt einen Kombi im Kompaktsegment im Portfolio vorzuweisen hatte. 2007 lief die Produktion des Corolla E12 aus. Der Nachfolger Auris war in Deutschland ausschließlich als Drei- oder Fünftürer erhältlich. Nachdem für Europa der Name ‚Corolla‘ verworfen und die erste Generation des Auris nach fünf Jahren abgelöst wurde, ist mit der zweiten Auris-Generation E18 wieder ein Kombi verfügbar.

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Toyota Auris Hybrid Touring Sports Novaweiss-Perleffekt Seitenansicht Porto Crist

Doch, da ein Kombinationskraftwagen mit der Bezeichnung ‚Kombi‘ nicht jung, dynamisch und modern klingt, musste etwas Modischeres her: ‚Touring Sports‘ nennt Toyota den Kombi des Auris E18. Zwei Intentionen lassen sich daraus ableiten: ein echter Kombi mit großzügigem Platzangebot soll er sein, aber auch emotional, sportlich, dynamisch. Toyota versucht also in die Kerbe der „Lifestyle-Laster“ zu schlagen. Ob das in meinen Augen gelungen ist, klären die Beiträge zum Toyota Auris Touring Sports.

Auf Mallorca standen uns drei Motorisierungen zu Testfahrten zur Verfügung: 1.8 VVT-i Hybrid, 2.0 D-4D sowie 1.6 Valvematic. Antesten konnte ich sowohl den Auris TS Hybrid als auch den 2.0-Liter-Diesel. Mit dem Auris Hybrid Touring Sports bietet Toyota den ersten Voll-Hybridantrieb in einem Kompaktkombi an. Ein Alleinstellungsmerkmal, das dafür sorgen soll, den Absatz ordentlich anzukurbeln – etwa im Flottengeschäft.

Toyota Auris Hybrid Touring Sports Novaweiss-Perleffekt Heckansicht Porto Crist

In der gleißenden Sonne Mallorcas tut das glänzende Novaweiß-Perleffekt des Toyota Auris TS Hybrid in den Augen weh. Kurzum das Auto entriegelt und eingestiegen. Noch mehr weiß. In der höchsten Ausstattungslinie „Executive“ sind die Sitze mit weißem Leder bezogen, ebenso Teile des Armaturenträgers. Nicht mein Geschmack, aber passend für die Motto-Party „Hybrid“.

Auf den ersten Kilometern fällt auf: der Auris TS Hybrid ist deutlich leiser und klingt unangestrengter als der Yaris Hybrid. Und wer den Hybriden fährt, wie ein Hybrid gefahren werden möchte, der ist in einem leisen und komfortablen Fahrzeug unterwegs. Der Fokus auf den Komfort wird zusätzlich unterstrichen von der eher weichen Lenkung und den bequemen Sitzen mit ausreichendem Seitenhalt.

Toyota Auris Hybrid Touring Sports Novaweiss-Perleffekt Vorderansicht 2.0 D-4D Titansilber-Metalli

Ähnlich wie der Toyota Yaris Hybrid liegt auch der Auris Touring Sports Hybrid überraschend satt auf der Straße – zumindest so lang es geradeaus geht. Denn die Federung selbst zeigt sich eher komfortbetont. In den zügig gefahrenen Kurven neigt er zum Untersteuern. Hier wird die weiche Abstimmung besonders spürbar.

Wer es im Hybriden krachen lassen will – nun, der sitzt ohnehin im falschen Auto. Daher schießen für mich die immerwährenden Nörgeleien über den aufheulenden und hochdrehenden Motor bei sportlicher Gangart am Ziel vorbei. Im Power Mode ist die Gaspedalkennlinie entsprechend geändert, der Motor reagiert schnell auf Gasbefehle und legt über das CVT entsprechend hohe Drehzahlen an. Das hören Fahrer und Beifahrer logischerweise. Der Nachdruck beim Beschleunigen bleibt allerdings aus. Wundert mich auch nicht. Dafür sind die Toyota-Hybride nicht gebaut.

Toyota Auris Hybrid Touring Sports Waehlhebel Cockpit Innenraum Mittelkonsole Interieu

Wer Hybrid fahren möchte, muss auch lernen, wie Hybrid gefahren wird. Den Power Mode kann man sich getrost schenken. Interessanter sind da eher der EV Mode und der Eco Mode.

Letzterer sorgt für einen spürbar stärkeren Pedal-Gegendruck, der dafür sorgt, nicht zu stark zu beschleunigen. Resultat sind eine angenehme Geräuschkulisse sowie effizienteres Vorankommen. Und ja, es ist etwas dran: Der Hybrid erzieht den Fahrer zu einer anderen Fahrweise. Unweigerlich wird man zum Großstadt-Ampelschleicher; zu einem Prius-Fahrer, den ich sonst an einer Berliner Ampel zügig überholen würde.

Toyota Auris Hybrid Touring Sports Waehlhebel Cockpit Innenraum Interieu

Wer ordentlich rekuperiert hat, kann sich über gut geladene Batterien freuen. Die braucht es auch, wenn im EV Mode gefahren werden soll. Ist der E-Modus aktiviert, fährt der Auris Hybrid lokal emissionsfrei. Mit behutsamem Beschleunigen waren problemlos 50 km/h machbar.

Auf der Landstraße lernte ich eine weitere Funktion sehr zu schätzen. Über den putzigen Wählhebel, der stets in die Mittelposition zurückschnellt, sind die bekannten Fahrstufen R, N und D anwählbar. Das P wird mittels Knopfdruck betätigt. Zunächst etwas irritiert war ich von der Fahrstufe B. Der B-Modus erlaubt das Fahren mit Motorbremse, was ich persönlich als sehr angenehm empfand. Bin ich etwas zu schnell unterwegs oder möchte den Abstand zum Vordermann erhöhen, nehme ich den Fuß vom Gaspedal. Der Motor dreht dann höher und lässt den Motor abbremsen.

Toyota Auris Touring Sports 2.0 D-4D Titansilber-Metallic Vorderansicht Playa de Sa Rapit

Auf diese Weise kann ich die eigentlichen Bremsen schonen. Aber das hat auch seine Nachteile. So wird im B-Modus weniger rekuperiert, sodass die Batterien weniger geladen werden. Indirekt ist somit ein Mehrverbrauch die Folge. Ein weiteres Manko: In der B-Fahrstufe ist der Tempomat nicht nutzbar. Daher habe ich im Auris Hybrid häufig „geschaltet“. Wollte ich bremsen ohne die Pedalerie zu bemühen, schaltete ich in die B-Stufe und anschließend wieder zurück auf D.

Das Schöne am Toyota Auris Hybrid Touring Sports: es gibt keine Einschränkungen durch die Hybrid-Technik. Das Kofferraumvolumen entspricht dem der Verbrenner. Wie im Yaris Hybrid liegt die Batterie unter der Rückbank. Und obendrein ist die Hybrid-Variante im Einstieg günstiger als der 124 PSer Diesel. Womöglich ist auch das ein Anreiz.

Toyota Auris Touring Sports 2.0 D-4D Titansilber-Metallic Seitenansicht Playa de Sa Rapit

Am zweiten Tag hieß es, dem 2.0 D-4D auf den Zahn zu fühlen. Gesegnet mit einem 6-Gang-Schaltgetriebe und 124 PS lässt sich der Selbstzünder – wen wundert es – deutlich zackiger fahren als zuvor den Hybrid. An den grundlegenden Eigenschaften des Auris TS ändert das Aggregat freilich nichts. Die Auswahl-Tasten für die Hybrid-Modi entfallen – damit gibt es wiederum weniger Bedienelemente in der Mittelkonsole.

Einsteigen, Anschnallen, Losfahren – wer Japaner kennt, weiß, wo was liegt und wird kam Eingewöhnungszeit benötigen, außer vielleicht für das Touch&Go-System.

Toyota Auris Touring Sports 2.0 D-4D Titansilber-Metallic Heckansicht Playa de Sa Rapit

Über seine Betriebsart macht der Selbstzünder kein Geheimnis. Er ist hörbar, bleibt aber im unteren und mittleren Drehzahlbereich dezent im Hintergrund. Werden die Gänge ausgefahren, wird das Nageln nachdrücklicher.

Bei beiden Modellen fiel das recht üppig beknopfte Multifunktonslenkrad auf – nicht meine Welt. Und was dem Wählhebel des Hybrid an Länge fehlen mag, packt der Diesel-Handschalter wieder drauf.

Toyota Auris Hybrid Touring Sports Kombiinstrument Tacho Cockpit Innenraum Interieu

Bleibt die Frage: Diesel oder Hybrid? Eigentlich – auf rationaler Ebene – leicht zu beantworten. Bei Langstrecken mit hohem Autobahn- und Landstraßen-Anteil ist der Diesel die bessere Wahl. In der Leistungsabgabe ist er der dynamischere und hat auch in puncto Verbrauch nicht das Nachsehen. Wer dagegen häufig in der Stadt unterwegs ist, mit Stop&Go-Verkehr, Rush Hour, Stau und Ampeln, dem ist sicher mit dem Auris Hybrid eher geholfen. Denn im Stadtrevier kann der Japaner mit dem Doppelherz all seine Trümpfen ziehen. Irrational betrachtet, würde ich aufgrund der für mich besseren Fahrbarkeit zum 2.0 D-4D tendieren – auch im Stadtverkehr.

Toyota Auris Hybrid Touring Sports Novaweiss-Perleffekt Heckansicht 2.0 D-4D Titansilber-Metallic Vorderansich

Letztlich zeigt sich der Toyota Auris Touring Sports unabhängig von der Motorisierung als praktischer sowie pragmatischer Kompakt-Kombi, der seine Toyota-Gene nicht verleugnen kann: er ist ein Vernunft- und Kopf-Auto, das sich über seine praktischen Talente und die berüchtigte Langzeit-Zuverlässigkeit definieren lassen muss. Zwar unternehmen die Japaner den Versuch, dem Auris TS am Exterieur mehr Emotionalität angedeihen zu lassen, aber Begehren stellt sich nicht ein. Dennoch wirkt der Touring Sports in seiner Gesamtheit stimmig und gefällig.

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Zur Pressepräsentation des Toyota Auris Touring Sports auf Mallorca wurde ich von Toyota Deutschland eingeladen. Alle anfallenden Kosten wurden vom Hersteller übernommen.
Dies hat jedoch keinen Einfluss auf meine persönliche Meinung und den hier veröffentlichten Artikel.

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  5. Deutscher Auto Blogger Digest vom 12.07.2013 › "Auto .. geil"

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  6. Toyota Auris Touring Sports Hybrid und Diesel angefahren > Toyota > Autophorie.de

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