Ersteindruck: Nationale Präsentation des tschechischen Kompakten in Essen – Der Škoda Rapid im ersten Fahrbericht

Ab heute, dem 20. Oktober 2012 wird der neueste Streich der Tschechen in Deutschland seine Händler-Premiere feiern. Zu Preisen ab 13.990,- € möchte Škoda junge, preisbewusste Familien von der Kompakt-Limousine überzeugen. Im Rahmen der Rapid-Präsentation in Essen konnte ich den neuesten Sprössling kurz antesten.

Škoda Rapid

Mit welchen Erwartungen setze ich mich in einen Škoda Rapid? In einen Kompakten mit Kofferraum, der bei unter 14.000,- € Grundpreis vornehmlich weniger finanzstarke Kundenkreise erobern soll.

Ich erwarte ein grundehrliches, solides Fahrzeug, das für verhältnismäßig wenig Geld viel Auto mit viel Platz bietet. Und enttäuscht wurde ich durchaus nicht; auch wenn mich das ein oder andere Detail ernüchterte. Dennoch bleibt es erstaunlich, wie es Škoda schafft, ein derart vollständiges Auto auf die Räder zu stellen. Freilich, für knapp unter 14.000,- in der Basis darf wiederum nicht allzu viel erwartet werden; und eine emotionsgeladene Lust-Maschine ist der Rapid auch nicht. Aber das will er auch nicht sein.

Škoda Rapid

Äußerlich kommt der neue Škoda Rapid der 2011er IAA-Studie MissionL sehr nahe. Am Außendesign wurden im Nachgang lediglich die typischen ConceptCar-Elemente wie die versenkbaren Türgriffe entfernt und durch konventionelle Lösungen ersetzt. Im Serienzustand sei der Škoda Rapid das erste Modell im Portfolio der Tschechen, das die neue Design-Sprache nach außen trage. Diese zeichne sich aus durch Klarheit, Frische sowie Zeitlosigkeit – ein Aspekt, der mir sehr entgegen kommt. Das Design des Rapid ist unaufgeregt, schlicht – und dennoch elegant. Klar, hier werden keine großartigen Emotionen geweckt, dafür strahlt der Škoda Ruhe aus. Er ist klar und übersichtlich gezeichnet, er wirkt nicht durch Sicken übermäßig ausgefranst und punktet stattdessen mit solider Großserientechnik und einem enormen Maß an Praktikabilität sowie nützlichen Details.

Zur ersten Ausfahrt im neuen kompakten Škoda stand mir ein Škoda Rapid 1.2 TSI Green tec Elegance zur Verfügung, der in Brillant-Silber Metallic im Essener Sonnenlicht glänzte.

Gut, Silber ist meine Farbe nicht, aber abgesehen vom jeweiligen Kundengeschmack geht es hier eher um die inneren Werte; und natürlich das Fahren.

Škoda Rapid

Im Innenraum herrscht – um es kurz zu machen – Platz. So sollen z. B. knapp 100 Millimeter Kopf- sowie 65 Millimeter Beinfreiheit im Fond bestehen. Mein Highlight ist platzmäßig jedoch der Kofferraum: 550 Liter Ladevolumen bringen auch die vierköpfige Familie mit genügend Gepäck in den Urlaub.

Hinein gestiegen in das gute Stück und den Innenraum in Augenschein genommen. Ich umfasse ein recht dickes, angenehm zu berührendes Lederlenkrad, sehe einen eleganten Schaltknauf und streife über einen lederbezogenen und mit ansehnlichen Nähten versehenen Handbremshebel. Kleine Chromrähmchen um Lüftungsdüsen und einigen Schaltern sagen mir, ich sitze in der Elegance-Ausstattung. Diese ist die hochwertigste der drei zur Auswahl stehenden Linien „Active“, „Ambition“ und „Elegance“.

Škoda Rapid

Während meiner Ausfahrt mit dem Škoda Rapid habe ich im Wesentlichen nichts vermisst. Deutlich zeigt der kompakte Tscheche, wie durchdacht er ist. In puncto Ergonomie erbte der Rapid viel von Konzernmutter Volkswagen – alle Schalter sind dort, wo sie vermutet werden. Rätsel geben diese nicht auf. Im Nu lässt es sich in den Kompakten, der in Mladá Boleslav produziert wird, hineinschwingen, den Motor anlassen und einfach losfahren, als hätte man nie etwas anderes gemacht.

Einzig die Funktionen des Blinkerhebels wurden mir nicht sofort im Detail ersichtlich. Das verbaute Navigationsgerät für 990,- € war schnell und sicher zu bedienen. Nur, dass sich das System zuweilen als etwas träge erwies und gelegentlich Zeit brauchte, um die korrekte Position festzustellen, stiftete zu Beginn Verwirrung.

Škoda Rapid

Details, die mir störend auffielen, waren die fehlenden Fensterheber-Schalter für den Fond in der Fahrertür. Stattdessen lässt sich vom Fahrersitz aus die Kindersicherung ein- oder ausschalten.

Auch störend: der Hartplastik-Rahmen um den Navigationsbildschirm war am rechten oberen Rand erschreckend locker und ließ sich beeindruckend tief in die Armatur drücken. Hier wäre etwas mehr Verarbeitungs-Liebe zum Detail wünschenswert.

Auf den ersten Metern schießt es mir durch den Kopf: „Meine Güte, was ist die Lenkung leichtgängig.“ Zu Beginn dachte ich, die Lenkung biete zu wenig Gegendruck. Doch mit jeden gefahrenen Kilometer durch das Essener Stadtgebiet geht das leichte Kurbeln ins Blut über. Ich gewöhne mich schnell daran, gefallen will es mir aber nicht so recht. Geschmackssache.

Škoda Rapid

Der Škoda Rapid erweist sich während meiner kurzen Ausfahrt als patenter Reisebegleiter. Die leichtgängige Lenkung, das leise Motorengeräusch im Innenraum und das komfortabel abgestimmte Fahrwerk lassen den kompakten Rapid zum Reise-Allrounder werden. Hektik und Stress des Innenstadtverkehrs bleiben draußen. Die 215er Reifen rollen angenehm gedämpft über Fahrbahnunebenheiten. Dass solche vorhanden sind, lässt der Rapid seinen Insassen zwar wissen, lässt aber keine unangenehmen Stöße oder Geräusche in das Cockpit eindringen. Einzig die Abrollgeräusche der Reifen künden vom Auf und Ab rheinländischem Asphalts.

Der kleine, zwangsbeatmete Vierzylinder mit 1.197 ccm Hubraum ließ mich zwiespältig zurück. Das rasselnde Motorengeräusch entwickelt im mittleren Drehzahlbereich einen dieseltypischen Nagelsound – dieser bleibt stets dezent, aber präsent. Meinen Geschmack trifft das nicht; und ja, zuweilen ließ ich mich davon auch nerven.

Škoda Rapid

Der 105-PSer-Turbo lässt sich im Stadtverkehr durchaus flott bewegen. Die Schaltwege sind nicht zu lang, der Wählhebel flutscht problemlos durch die Gassen. Lediglich der Schaltweg vom ersten in den zweiten Gang fühlt sich knochiger an.

Was den Durchzug betrifft, so weiß ich nicht, ob ich ernüchtert sein soll. Meines Erachtens zieht der 1.2 TSI sauber und homogen hoch, ab etwa 2.000 Umdrehungen legt der Škoda etwas an Druck zu – obwohl das volle Drehmoment von 175 Nm bereits bei 1.550 Umdrehungen anliegen soll. Sicherlich ist der erfahrene Drehmomentverlauf alltagstauglicher als der plötzliche Tritt ins Kreuz, aber etwas mehr Dampf hätte ich mir vom kleinen Turbo-Benziner schon versprochen. Kurzum: der 1.2 TSI fährt sich trotz Turbo meines Erachtens nicht wie ein ebensolcher, auch wenn sich bei geöffnetem Fenster ein leises Turbo-Säuseln vernehmen lässt.

Merkmale, mit denen Škoda meines Erachtens auch zurecht wirbt, sind die sog. „Simply Clever“-Details. Denn für mich sind es oft diese Details, die Sympathie für ein Auto erzeugen können und damit Emotionen auslösen. Im Rapid waren dies etwa kleine Details wie der Parkticket-Halter an der Windschutzscheibe, der Eiskratzer am Tankdeckel oder das von innen gummierte Brillenfach im Dachhimmel.

Škoda Rapid

Und manchmal fallen Eigenartigkeiten auf. Ich weiß, der Rapid ist eine kompakte Limousine mit Schrägheck und eine solche hat in der Regel einen Heckscheibenwischer. Meiner aber nicht. Und ich wundere mich, wieso ich da auf den Wischerhebel drücke und nichts passiert. Einen Heckscheibenwischer gibt es für denjenigen, der meint einen zu benötigen, für moderate 80,- € in der Preisliste.

Zusammenfassend muss ich Škoda ein gelungenes und gut durchdachtes Auto bescheinigen – und der Rapid ist ein Auto im klassischsten Sinne: günstig in der Anschaffung, Platz für Familie und Gepäck sowie ein Mindestmaß an Komfort- und Sicherheitsausstattung. Für den von mir gefahrenen Škoda Rapid 1.2 TSI Green tec Elegance werden mindestens 19.260,- € fällig. Mit Metallic-Lack, Multifunktionslenkrad Radio-Navigationsgerät sowie dunkel-getönte Fond-Scheiben liegt der Listenpreis bei knapp über 21.000,- €. Und obwohl der Basispreis damit um über 7.000,- € überstiegen wird, empfinde ich das Gesamt-Paket als ein faires Angebot, das insbesondere für die junge Familie interessant sein dürfte.


Zur nationalen Präsentation des Škoda Rapid in Essen wurde ich von Škoda Deutschland eingeladen.
Alle anfallenden Kosten wurden vom Hersteller übernommen.
Dies hat jedoch keinen Einfluss auf meine Meinung und den hier veröffentlichten Artikel.


Weitere Artikel zum Škoda Rapid findet ihr hier:

14 Reaktionen auf diesen Beitrag

  1. Der neue Skoda Rapid – Erfahrungsbericht

    […] Constantin Bergander, Nicole Y. Männl, Björn Habegger, Stefan Sprick, Jens Stratmann, Mario Lehmann und Fabian Meßner, die sich hauptsächlich mit dem Thema Automobil auseinander setzen und […]

  2. Ersteindruck Škoda Rapid: Mehr Auto braucht keiner > Škoda > Autophorie.de

    […] Was die Kollegen über den Škoda Rapid sagen: So einfach kann praktisch sein – Škoda Rapid Ersteindruck Škoda Rapid – “Das Klassen-Cleverle?” Skoda Rapid – Ein echter Volkswagen Der Skoda Rapid: einfach pfiffig Skoda Rapid: Erster Eindruck der neuen Limousine mit großem Platzangebot und frischem Look Der neue Skoda Rapid – Erfahrungsbericht Ersteindruck: Nationale Präsentation des tschechischen Kompakten in Essen – Der Škoda Rapid im e… […]

  3. » Neuwagen-Präsentation: Škoda präsentiert in Mladá Boleslav die dritte Generation des Octavia - autoaid.de blog

    […] Mittelklasse ist schließlich der Škoda Rapid inzwischen zuständig – wie ihr auch in meinem Ersteindruck und Fahrbericht nachlesen […]

  4. » Škoda Octavia III: Einstiegspreis bekannt gegeben – Die neue tschechische Mittelklasse ab 15.990€ - autoaid.de blog

    […] bereits im Škoda Rapid kommen auch im Octavia wieder viele, teils aufpreispflichtige, „Simply Clever“-Lösungen zum […]

  5. » Ersteindruck: Der neue Škoda Octavia III im Fahrbericht - autoaid.de blog

    […] veranlagt ist und ohne Design-Eskapaden auskommt. Galten diese Erwartungen bereits für den Škoda Rapid, kommt mit der dritten Generation Octavia eine Mittelklasse-Limousine auf den Markt, die auf dem […]

  6. » Blogschau: Vorstellung des neuen Škoda Octavia III Combi – Auto-Blogger unterwegs im Münchner Umland - autoaid.de blog

    […] Ansonsten besticht auch der Octavia Combi mit den Qualitäten, die bereits die Limousine auszeichnen: eine klar, aber gefällig gezeichnete Karosse, ergonomisches Cockpit und optional zahlreiche kleine Helferlein. Wieder gut kommen auch die „Simply Clever“-Lösungen bei den Testern an – nicht anders als zuvor beim Škoda Rapid. […]

  7. » Ersteindruck: Die Mazda3 Limousine Center-Line 2.0 SKYACTIV-G 120 im Kurz-Fahrbericht - autoaid.de blog

    […] Litern Ladevolumen erreicht er zwar lange nicht das Niveau eines VW Jetta VI (510 Liter) oder eines Škoda Rapid mit seinen 550 Litern. Jedoch wurde ersichtlich, dass der verfügbare Raum hinter der B-Säule […]

  8. Ersteindruck: Der neue Mazda3 – Einführung, Daten & Fakten | autoaid.de blog

    […] einer Länge von 4,46 Meter überragt der Mazda3 einen VW Golf VII um fast 20 cm und kommt an den Škoda Rapid bis auf 2cm heran. Zur Mercedes-Benz C-Klasse W 204 fehlen lediglich 12 cm. Das macht deutlich, der […]

  9. Mercedes-Benz C-Klasse T-Modell (S 205) – Weltpremiere in Bremen | autoaid.de blog

    […] maximalem Ladevolumen ist lediglich ein Zuwuchs von zehn Litern zu verzeichnen. Zum Vergleich: Ein Škoda Rapid kommt mit 550 Litern daher und kann dieses auf bis zu 1.490 Liter erweitern. Der Octavia III bringt […]

  10. Fahrbericht Škoda Rapid 1.2 TSI: Einstiegsmöglichkeit | Driver's Groove Driver's Groove

    […] Der Skoda Rapid bei anderen Bloggern: So einfach kann praktisch sein – passion-driving Fahrveranstaltung in Bratislava mit dem Skoda Rapid – rad-ab Zusammenfassung der Berichte zum Skoda Rapid – freude-am-erfahren Tschechische Limousine in Volkswagen-Qualität – auto-geil Skoda Rapid gefahren – motor-inside Ersteindruck Skoda Rapid – autoaid […]

  11. Pariser Autosalon 2014: Škoda Fabia III feiert Weltpremiere | autoaid.de blog

    […] was in puncto Stauraum möglich ist. Der im Tankdeckel versteckte Eiskratzer, der bereits aus dem Škoda Rapid und dem Škoda Octavia III bekannt ist, hält nun auch Einzug in den Fabia. Praktikabilität – […]

  12. Test & Fahrbericht: Škoda Rapid Spaceback – Einführung, Daten & Fakten | autoaid.de blog

    […] der Škoda Rapid im Oktober 2012 auf den Markt kam und zeigte, wie gut, praktisch und günstig ein Kompaktauto auf […]

  13. Škoda Rapid Spaceback 1.4 TSI – Test & Fahrbericht | autoaid.de blog

    […] Spaceback genannte Schrägheck-Variante des Škoda Rapid verspricht mehr Individualisierung und Lifestyle. In der 122 PS starken Top-Motorisierung und […]

Hinterlasse eine Antwort