Ersteindruck: Der neue Škoda Octavia III im Fahrbericht

In der Algarve Portugals erhielt ich die Möglichkeit, mir den neuen Škoda Octavia der dritten Generation näher anzusehen. Auf den Straßen Faros sowie der näheren Umgebung konnte ich mich von den Qualitäten des Tschechen überzeugen.

Škoda Octavia III 2013 Portugal Faro Vorderansicht

Was macht die Marke Škoda aus? Eine Frage, die sich derjenige stellen sollte, der auf der Suche nach einem neuen Auto ist. Wenn ich in einen Škoda einsteige, ihn näher besehe, anfasse und erforsche, erwarte ich ein grundsolides, ehrliches Auto, das praktisch veranlagt ist und ohne Design-Eskapaden auskommt. Galten diese Erwartungen bereits für den Škoda Rapid, kommt mit der dritten Generation Octavia eine Mittelklasse-Limousine auf den Markt, die auf dem Papier zum Kompaktwagen deklariert wird.

Ich nenne das kalkulierte Tiefstapelei. Die Zeiten, in denen Škoda am Billigheimer-Image zu knabbern hatte, sind seit Jahren passé. Bescheiden soll der Auftritt des Octavia III einerseits sein, andererseits legen die Tschechen viel Wert auf das äußere Design – ohne dabei die Tugenden, die die Marke ausmachen, zu vernachlässigen. Sachlich soll er sein, ohne Design-Schnickschnack, aber sich gleichwohl aus der Masse hervortun. Škoda schafft mit dem Octavia den bemerkenswerten Spagat, ein praktisches wie sachliches Auto auf die Räder zu stellen, das zugleich als schön, edel und elegant durchgehen kann.

Škoda Octavia III 2013 Portugal Faro Vorderansicht

Nach den Konzernbrüdern Audi A3, VW Golf VII sowie Seat Leon ist der Octavia das vierte Modell des VW-Konzerns, der auf den modularen Querbaukasten (MQB) basiert. Alle anderen Modelle gehören klar zum Kompaktsegment, der Octavia ist diesem meines Erachtens entwachsen – der Škoda Rapid schließt diese Lücke fortan. Der Konzern-Baukasten ist modular, auf keine fixe Größe beschränkt. Lediglich der quer verbaute Motor mit Frontantrieb bzw. optionalen Allradantrieb ist vorgegeben. So wundert auch nicht, dass der nächste VW Passat auf den MQB fußen wird. Es bleibt also festzuhalten: der Octavia III ist kein Kompaktwagen.

Nicht nur die Außenmaße machen dies deutlich. Mit 4,66 Meter ist er länger als die C-Klasse von Mercedes-Benz oder der BMW 3er F30. Wirklich erstaunlich ist dann das Platzangebot im Inneren. Fahrer und Beifahrer können sich über luftige Platzverhältnisse freuen; und auch den Fond-Passagieren wird es an Raum nicht mangeln. Den Fahrersitz auf meine Größe von 1,80 Meter eingestellt, habe ich hinter dem Fahrersitz noch geschätzte zehn Zentimeter zwischen Knie und Vordersitzlehne Luft. Da kommen beinahe Superb-Gefühle auf. Wer nun denkt, dies ginge auf Kosten des Kofferraumvolumens, der täuscht sich. Stolze 590 Liter passen in das Gepäckabteil. Mehr als in einen BMW 5er Touring. Dem Beladen zuträglich ist auch die Fließheckklappe, die man an dieser Stufenheck-Silhouette nicht zugetraut hätte.

Škoda Octavia III 2013 Portugal Faro Heckansicht

In „Race Blue“ steht der Škoda Octavia 1.8 TSI in der Morgensonne Faros. Eine Farbe, die dem Octavia sehr gut steht. Die helle Innenausstattung ist eine Frage des Geschmacks, wirkt elegant; in Schwarz kommt der Innenraum gediegen daher. Das Fahrergestühl ist in einem Leder-Alcantara-Mix bezogen, der die Elegance-Ausstattungslinie unterstreicht. Die Sitzwangen bieten genügend Seitenhalt, nur im Schulterbereich hätte ich mir mehr Rückhalt gewünscht. Als Blickfang und Handschmeichler erweist sich das Lenkrad. Wie gewohnt lassen sich Anzeigen und Bedieneinheiten nahezu ohne große Fragen ablesen bzw. bedienen.

Die Verarbeitung zeigt sich ordentlich und wird den Anforderungen europäischer Kunden gerecht. Bezüglich der Haptik müssen jedoch Abstriche gemacht werden. An Modelle des Schwesterkonzerns Audi etwa kommt die Haptik nicht heran. Knöpfe und Drehregler machen jedoch einen guten Eindruck, die Druck- und Klickpunkte sind gut ausdifferenziert. Wer auf solcherlei Aspekte Wert legt, wird bemerken, dass sich Schalter nicht so hochwertig anfassen, wie sie aussehen und teilweise auch Spiel haben. Aufgeschäumte Kunststoffe gibt es auf dem Armaturenbrett, alles darunter ist gewohntes Hartplastik, über dessen Verarbeitung jedoch nicht gemeckert werden kann.

Škoda Octavia III 2013 Portugal Faro Cockpit Interieur

Auch hier zeigt sich, was der Octavia III ist und sein möchte und was nicht. Er ist ein Kopf-Auto für Pragmatiker, die nicht unbedingt einen Kombi, aber genügend Ladevolumen haben wollen. Obgleich der dritte Octavia nicht als emotionaler Lustmacher konzipiert wurde, ist er keineswegs spaßarm.

Das gefahrene 1.8-Liter-Triebwerk mit Turboaufladung und Direkteinspritzung sorgt für sportliche Fahrwerte. In der Leistungsabgabe kam er mir zwar unspektakulär vor, aber der Octavia bietet in nahezu allen Lebenslagen genügend Kraft, um gleichmäßig über das gesamte Drehzahlband seine Kraft zu entfalten. Das ist zwar nicht turbo-typisch, macht ihn aber sympathisch. Das manuelle 6-Gang-Getriebe erschien mir insgesamt zu knorpelig, insbesondere im Übergang vom zweiten in den dritten Gang verlief der Schaltvorgang nicht immer reibungslos. Hier dürfte es gern besser flutschen.

Škoda Octavia III 2013 Portugal Faro Kofferraum Interieur

In zackig gefahrenen Kurven bleibt der Octavia gutmütig und beherrschbar. Dabei gibt die Lenkung ausreichend direkte Rückmeldung, ohne übermäßig auf Sportlichkeit getrimmt zu sein oder allzu synthetisch zu wirken. Ausgewogen fällt das Fahrwerk aus. Tendenziell eher straff ausgelegt und damit für zügigere Landstraßen-Partien gut geeignet, zeigt es sich dennoch komfortabel und gleicht Unebenheiten meist souverän aus. Lediglich abrupte Fahrbahnabsenkungen schlagen gelegentlich durch.

Wirkliche Kritik am Octavia III fällt schwer, denn Škoda hat ein gutes, praktisches und günstiges Auto vorgestellt, das obendrein auch optisch gefällt. Zudem erwies sich der Škoda Octavia 1.8 TSI als völlig unkompliziert. Einsteigen, losfahren. Auch das gehört zum praktischen Talent des Tschechen. Der Clou jedoch ist: der Octavia bietet Mittelklasse zum Kompaktklasse-Preis: der Einstiegspreis liegt bei 15.990,- €. Und dazu gibt es die zahlreichen cleveren Detaillösungen, denen ich teilweise schon im Rapid begegnete. Dazu gehören etwa der Tickethalter in der Windschutzscheibe, der Eiskratzer im Tankdeckel oder die Warnweste unter dem Sitz. Einige weitere „Simply clever“-Details sind zwar aufpreispflichtig, fallen aber nicht besonders kostenintensiv aus.

Škoda Octavia III 2013 Portugal Faro Heckansicht LED-Rücklicht

Trotz des günstigen Einstiegspreises: der gefahrene Škoda Octavia Elegance 1.8 TSI kostet mindestens 26.260,- €. Mit einigen gesetzten Häkchen auf der Ausstattungsliste kann der Octavia III auch über 35.000,- € kosten.


Škoda Octavia Elegance 1.8 TSI – technische Daten


technische Daten 1.8 TSI
Motor-Bauart Reihen-4-Zylinder-Ottomotor | Direkteinspritzung & Turboaufladung
Hubraum 1.798 cm³
max. Leistung 132 kW / 180 PS bei 5.100–6.200 U/min
max. Drehmoment 250 Nm bei 1.250–5.000 U/min
Antriebsart Frontantrieb
Getriebe 6-Gang-Schaltgetriebe
Beschleunigung, 0–100 km/h 7,3 s
Höchstgeschwindigkeit 233 km/h
Leergewicht 1.313 kg
max. Zuladung 510 kg
Kofferraum-Volumen 590 l
Verbrauch innerorts/außerorts 7,8 l/5,1 l Super
Verbrauch gesamt 6,1 l Super
Grundpreis Octavia Elegance 1.8 TSI 26.260,- €


Škoda Octavia III 2013 Portugal Faro Vorderansicht

Zur Pressepräsentation des Škoda Octavia III in Faro, Portugal wurde ich von Škoda Deutschland eingeladen. Alle anfallenden Kosten wurden vom Hersteller übernommen.
Dies hat jedoch keinen Einfluss auf meine Meinung und den hier veröffentlichten Artikel.

Stimmen zum Octavia III der geschätzten Blogger-Kollegen findet ihr hier:

17 Reaktionen auf diesen Beitrag

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