Ersteindruck: Lexus GS 300h – Die neue Hybrid-Limousine im Kurz-Fahrbericht

Seit Mitte 2012 ist die vierte Generation Lexus GS in Deutschland erhältlich. Mit dem GS 450h befindet sich bereits ein potentes Hybrid-Modell im Portfolio der GS-Baureihe. Nun schiebt Lexus den GS 300h hinterher. Ausgestattet mit dem Antriebsstrang des Lexus IS 300h soll der GS 300h gerade bei Flottenkunden und Geschäftswagen-Fahrern ankommen.

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Lexus GS 300h F Sport Vorderansicht seitlich Basaltgrau Convento del Carme

Erstmals bietet Toyota/Lexus zwei verschieden starke Hybrid-Antriebe innerhalb einer Baureihe. Und eine schwächere Hybrid-Variante dürfte durchaus sinnvoll sein. Unabhängig vom Fahrspaß benötigen wohl nur wenige Kunden eine Reiselimousine mit 345 PS, die in unter sechs Sekunden auf 100 Stundenkilometer beschleunigt.

Lexus zielt mit dem GS 300h auf den Dienstwagensektor. Dieser wird dominiert von deutschen Herstellern und Modellen mit Dieselmotor. Es wird sich zeigen müssen, ob die Japaner hier Fuß fassen können. Abwegig ist diese Intention keineswegs – wie etwa der zunehmende Hybrid-Anteil im Taxi-Gewerbe zeigt.

Lexus GS 300h Luxury Line Siennabraun F Sport Basaltgrau Convento del Carme

Angetestet habe ich den Lexus GS 300h in zwei Varianten. Zum einen in der Luxury Line, zum anderen in der F Sport-Variante. Beide Ausstattungslinien stellen die beiden höchsten Varianten dar und legen den jeweiligen Fokus einerseits auf Komfort und Luxus, andererseits auf Sportlichkeit und Dynamik.

Wie von Lexus gewohnt, kommt die GS-Baureihe mit dem inzwischen bekannten Diabolo-Grill angerollt. Es sind zwar nur kleine Details, aber diese sind es in der Summe, die entscheiden. Allein das Wabengitter des GS 300h F Sport fügt sich für mein Auge sehr viel stimmiger in die Diabolo-Front ein als die öden Querstreben der Luxury Line. Dazu passt sich stimmig der geschärfte Frontstoßfänger ein.
Eines meiner persönlichen Highlights ist das Innenleben der Scheinwerfer, die mit jeweils drei Augen bestückt sind. Das LED-Tagfahrlicht fände ich optisch ansprechender, wäre es ein durchgehendes LED-Band.

Lexus GS 300h F Sport Heckansicht Basaltgrau Madri

Das Heck des F Sport gefällt mir ebenfalls besser als das der Luxury Line. Der angedeutete Heckdiffusor sieht gut aus, vermittelt Dynamik. Die kleine Abrisskante, die auf den Heckdeckel angebracht worden ist, wirkt dagegen weniger schön in das Gesamtgefüge integriert.
Die orangenen Blinkergläser am Lexus GS stören meines Erachtens die Rücklichtgrafik.

Insgesamt wirkt das Exterieur stimmig und passend für die obere Mittelklasse. Während der Lexus IS deutlich aggressiver und polarisierender gezeichnet ist, kommt der Lexus GS gediegener daher. Die Limousine wirkt in der Silhouette klassisch und elegant; und damit auch etwas unaufgeregt sowie unspannend. Das Design des GS 300h F Sport dagegen wirkt von der Seite angenehm zugespitzt. Dazu trägt auch der kleine Heckspoiler bei, der aus der Nähe betrachtet jedoch wenig homogen wirkt.

Lexus GS 300h Luxury Line Interieur Innenraum Cockpit Bambus Topaz Brow

Große Klasse beweisen die Japaner im Interieur. Das Ambiente wird dem Luxus-Anspruch von Lexus zur Gänze gerecht. Sowohl Verarbeitung als auch Materialanmutung erweisen sich als erstklassig. Ich nehme Platz in den gut ausgeformten Ledersitzen, die ich sowohl beheizen als auch belüften kann. Mit Einschalten der Zündung stellen sich Sitz und Lenkrad in die zuletzt gewählten Positionen. Dank der vielfältigen Verstellmöglichkeiten finde ich schnell meine optimale Sitzposition. Lediglich die Kopfstützen ließen sich für meine nur durchschnittliche Körpergröße von 1,80 Meter nicht hoch genug einstellen. Das F Sport-Lenkrad ist angenehm griffig, in der Luxury Line wegen der Bambusholz-Bestandteile etwas glatt. Die Anzahl der Lenkradtasten halten sich noch gerade in Grenzen.

Lexus GS 300h F Sport Cockpit Interieur Innenraum Garnet Leder Granatrot Aluminium Basaltgra

Die Mittelkonsole wirkt aufgeräumt, zentral sind die Bedienelemente der Klimaautomatik, die vielleicht etwas höher liegen könnten. Die meisten anderen Funktionen werden über die Multimedia-Navigations-Schnittstelle bedient. Wie auch im Lexus IS gilt hier eine nicht unerhebliche Eingewöhnung, da mir das System während meiner kurzen Testzeit recht komplex vorkam. Mit 12,3 Zoll fällt das Zentral-Display ungewöhnlich groß aus.

Lexus GS 300h Luxury Line Siennabraun F Sport Basaltgrau Convento del Carmen_0

Insgesamt untermauert Lexus in puncto Interieur den eigenen Anspruch an Verarbeitung und Anmutung. Schon kurz nach dem Einsteigen setzt eine angenehme Wohlfühlatmosphäre ein. Einzig für die Bedienung bedarf es ein gewisses Maß an Einarbeitung. Wer diese gemeistert hat, wird kaum noch etwas im Innenraum zu beanstanden haben. Allein: Die Hybrid-Batterie verringert das Kofferraum-Volumen von 566 Liter im GS 250 auf 451 Liter im GS 300h oder GS 450h.

Fahrerisch verhält sich der Lexus GS 300h so, wie ich es von der Luxury Line erwarten würde: gediegen, hoch komfortabel, leise und sicher. Als F Sport suggeriert der GS mehr Sportlichkeit, als er auf dem Asphalt einlösen kann – das gilt für ihn noch mehr als für den IS 300h F Sport. Sportlichkeit versprüht allein die Optik.

Lexus GS 300h F Sport Vorderansicht Detail Basaltgrau Convento del Carme

Aber das ist immerhin vom IS 300h bekannt. Der 2,5-Liter-Vierzylinder, betrieben im Atkinson-Zyklus, ist voll auf Effizienz getrimmt. Die kombinierte Saugrohr-Direkteinspritzung D-4S oder die variable Ventilsteuerung Dual VVT-i sorgen für weitere Effizienzsteigerungen, sodass insgesamt ein thermischer Wirkungsgrad von 38,5 Prozent erzielt werden kann.
Die Planetenrad-Getriebeeinheit Power Split Device (PSD) ist ein Grundbaustein der Hybrid-Modelle von Toyota/Lexus – und gleichzeitig wohl der häufigste Kritikpunkt. Der sogenannte Gummibandeffekt des stufenlosen Getriebes e-CVT ist nach meinem Befinden im GS 300h besonders stark spürbar. Aber trotz der permanent hohen Drehzahl bei Vollgas bleiben Fahrer und Passagiere von unangenehmen Dröhnen verschont.

Lexus GS 300h Luxury Line Kombiinstrument Interieur Innenraum Cockpit Bambu

Ob der Verbrennungsmotor läuft oder nicht läuft – das ist nicht zu spüren. Weder das Abschalten noch das Anlassen während der Fahrt waren in irgendeiner Form zu spüren. Lediglich die EV-Leuchte im Kombiinstrument konnte Auskunft darüber geben.

Lexus GS 300h F Sport Seitenansicht seitlich Basaltgrau Convento del Carme

Großspurige Beschleunigungsorgien unter Volllast sind nicht die Natur des GS 300h. Doch der reine Komfort-Gleiter ist er auch nicht. Sportlich-aggressives Kurvenjagen mag ihm nicht liegen, aber schnelle, zackige Kurvenfahrten meistert der 300h Dank des exzellenten Fahrwerks ohne Mühe. Wenn er erstmal rollt, dann rollt er – und dabei lässt er sich von ein paar Kurven nicht abbringen. Flotte Landstraßen-Partien machen somit wirklich Freude, gerade im F Sport. Mittels des Fahrmodusreglers auf Sport S+, wird die Dämpfung spürbar strammer, liegt der GS 300h satter auf der Straße, die ohnehin schon fein abgestimmte Lenkung reagiert nun noch feinfühliger und direkter auf Lenkbefehle und gefällt durch die unmittelbarere Rückmeldung. Doch auch im Normal- oder Eco-Modus liegt der GS gut und sicher auf der Bahn, findet einen gesunden Kompromiss zwischen etwas strafferer Dämpferregelung und hohem Reisekomfort.

Lexus GS 300h Luxury Line Heckansicht Detail Siennabraun Convento del Carme

Mit 9,2 Sekunden bis auf Landstraßentempo lässt sich der Lexus durchaus flott in Bewegung setzen, aber dezidiert sportlich ist das nicht. Dennoch ist mit dieser Leistung kommodes Vorankommen gewährleistet. Untermotorisiert fühlte ich mich nicht, Überholvorgänge waren in akzeptabler Zeit und Strecke zu bewältigen.

Am schwierigsten zu vermitteln dürfte die elektronisch geregelte Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h sein. Auch wenn Autofahrer nur selten in diesen Geschwindigkeitsbereichen unterwegs sind – in Deutschland wird es schwierig, sich mit dieser Limitierung durchzusetzen. Ob notwendig oder nicht, ich würde behaupten, die Geschwindigkeitsbegrenzung wird hinderlich für den Verkauf sein.

Lexus GS 300h Fahrmodusregler Sport S

Alles in allem zeigt sich der Lexus GS 300h als ausgesprochen komfortable Reiselimousine, die mit Anmut, Luxus und sehr guter Verarbeitung im Interieur überzeugt, und außen gerade im F Sport-Dress in dezenter Sportlichkeit gefällt. Den Hybrid-Antrieb haben die Ingenieure von Toyota/Lexus weiter optimiert. Das Resultat ist eine beeindruckende Laufruhe und ein sehr niedriges Geräuschniveau im Innenraum. Die Fahrleistungen gehen durchaus in Ordnung, überzeugen jedoch nicht restlos. Andererseits überzeugt das Fahrwerk fahrdynamisch ohne Abstriche. Dennoch halte ich es aufgrund der Begrenzung auf 190 km/h für fraglich, ob sich der GS 300h auf dem deutschen Markt wird durchsetzen können.

Ebenfalls positiv hervorzuheben: Das Fehlen von Kupplung, Anlasser und Lichtmaschine reduziert (Folge-)Kosten, statt eines Zahnriemens kommt eine wartungsfreie Steuerkette zum Einsatz. Ein erhöhter Reifenluftdruck von 2,6 bar verringert den Rollwiderstand, sodass Verschleiß und Kraftstoffverbrauch reduziert werden können.

Lexus GS 300h F Sport Frontansicht Detail Basaltgra

Die Markteinführung des Lexus GS 300h in Deutschland erfolgt am 11. Januar 2014. Der Einstiegspreis liegt bei 45.300 €. Für Geschäftskunden wird Lexus eine Business Edition anbieten, die bei 49.400 € startet. Mit der Executive Line gibt es ab 50.800 € eine mittlere Ausstattung und mit den gefahrenen Varianten F Sport (ab 61.700 €) sowie Luxury Line (ab 62.300 €) die beiden Top-Varianten.

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Zur Pressepräsentation des Lexus GS 300h in und um Madrid wurde ich von Lexus Deutschland eingeladen. Alle anfallenden Kosten wurden vom Hersteller übernommen.
Weder hat dies Einfluss auf meine persönliche Meinung und den hier veröffentlichten Artikel noch wurde versucht, darauf Einfluss zu nehmen.

4 Reaktionen auf diesen Beitrag

  1. Kurzcheck Lexus GS 300h: Kleiner Motor große Ersparnis? > Fahrberichte > Lexus GS 300h, Toyota Hybrid Motor > Autophorie.de

    […] mehr Fahrimpressionen gibt es auch bei Mario zum nachlesen, mit ihm zusammen war ich im neuen GS […]

  2. Deutscher Auto Blogger Digest vom 06.12.2013 › "Auto .. geil"

    […] AutoAidErsteindruck: Lexus GS 300h – Die neue Hybrid-Limousine im Kurz-FahrberichtSeit Mitte 2012 ist die vierte Generation Lexus GS in Deutschland erhältlich. Mit dem GS 450h befindet sich be… […]

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