Ersteindruck: Der Ford Focus ST Turnier im Fahrbericht

Im Rahmen der Ford Regionaltour 2012, die am 30. Oktober an Schloss Kartzow am Rande Potsdams Halt machte, hatte ich die kurze Gelegenheit, den aktuellen Ford Focus ST Turnier auszuführen. Allerdings stellt dieser Fahrbericht nur einen ersten Eindruck dar – zu kurz war leider die Ausfahrt.

Ford Focus ST Turnie

Bis zu meiner Ankunft an Schloss Kartzow hatte ich gehofft, dass sich das Wetter doch noch bessern würde. Es blieb allerdings dabei: Der gesamte Tag wurde begleitet von kontinuierlichem Dauerregen.

Sei’s drum, wir haben keine Zeit zu verlieren. Also ging es kurz nach der Anmeldung und einer wärmenden Tasse Kaffee hinaus vor das Schloss, um den Schlüssel für einen in Sunset-Gelb-Metallic erstrahlenden Focus ST Turnier zu ergattern.

Ford Focus ST Turnie

Im Innenraum Platz genommen, wurde ich sogleich von schönen Recaro-Sportsitzen umfangen, die die Außenfarbe im Innenraum aufgreifen. Eine rote ST-Stickerei prangt als ergänzendes Detail auf der Sitzlehne. Dank der Lenkradverstellung wurde das Problem der anstoßenden Knie an der Lenksäule schnell gelöst. Dann hieß es Motor starten und ab auf Brandenburgische Landstraßen.

Ford Focus ST TurnierIm Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem Ford Focus ST MkII, kommt der aktuelle Focus ST nicht mehr mit einem Reihenfünfer von Volvo daher. Stattdessen gibt es einen Pott und 500 ccm Hubraum weniger – aber dafür auch 25 PS mehr. Aus einem 2.0 Liter großen Vierzylinder-Turbo kitzelt Ford 250 PS und stemmt eine Leistung von 360 Nm ab 2.000 Umdrehungen auf die Vorderachse. Damit lässt sich der Standard-Sprint in 6,5 Sekunden absolvieren, der Vortrieb endet erst bei 248 km/h.

Auf dem Papier liest sich das bereits sehr beeindruckend.
In Sachen Optik hat der Focus ST Turnier ebenfalls etwas zu bieten. In der Front kommt der Kölner eher konventionell daher. Bis auf das Wabengitter im Kühlergrill mit integriertem ST-Logo und der tiefer herunter gezogenen Front wirkt der ST wie ein gewöhnlicher Focus. In der Seitenansicht fallen die Seitenschweller auf, aber auch die 18-Zöller Leichtmetall-Felgen im ST-Design, die in einem dunkleren Silbergrau-Ton zu gefallen wissen. Einen sportlichen Kontrast bilden die rot lackierten Bremssättel.
Seinen Höhepunkt erlangt das Design am Heck. Zentral ist hier die doppelflutige Auspuffanlage angebracht, die sich als Blickfang entpuppt. Nach oben abgeschlossen wird das sportliche Design mit einem Dachkanten-Spoiler.
Nicht so recht zum Gesamtbild passen möchte die im Design etwas altbacken wirkende Antenne.

Ford Focus ST Turnie

Im Innenraum sind es neben den wirklich schönen Sitzen die vielen Details, die mir gefallen. Zentral auf dem Armaturenbrett platziert und dem Fahrer zugewandt sind drei Zusatz-Instrumente, die über Öltemperatur, Lade- sowie Öldruck informieren. Das ST-Logo findet sich in der Einstiegsleiste, im Bordcomputer-Display und in einer Lenkradspange wieder. Das Lenkrad selbst liegt wirklich gut in der Hand, das vom weichen Leder verführerisch geschmeichelt wird. Etwas zu viel des Guten waren für mich die vielen Funktionen, die am und um das Lenkrad angebracht waren. Auch die Mittelkonsole wirkt auf mich überfrachtet mit Knöpfchen und Schalterchen. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig war für mich die ungewöhnliche Ausführung der Handbremse.

Ford Focus ST Turnie

Wie sich erkennen lässt, sind die Anlagen, die der Ford Focus ST Turnier mitbringt, vielversprechend und gut. Um so ernüchternder zeigt sich der Kölner leider auf der Straße.
Der 2-Liter-Turbo-Motor hat Kraft, in fast allen Lebenslagen. Der Focus hängt satt am Gas und führt Gasbefehle willig aus, auch jenseits der 6.000er Marke. Kräftig schiebt er auch aus unteren und mittleren Drehzahlen heraus vorwärts und offenbart ein gutes Maß an Kraft. Ford Focus ST TurnierNur leider kann der Focus diese Kraft nicht über die Vorderachse auf die Straße bringen, insbesondere bei Nässe. In den ersten beiden Gängen zieht es den Focus ST teils wild nach links oder rechts – hier erfordert es eine kundige Hand am Lenkrad, um mit den teils heftigen Antriebseinflüssen umgehen zu können. Die durchdrehenden Reifen bekommt der ST dabei kaum in den Griff, da hoppeln und springen Vorderachse und Vorderräder nach vorn – teils noch im dritten Gang. Und die Warnleuchte der Traktionskontrolle tanzt Rumba im Kombiinstrument.
In höheren Gängen bleibt der Focus ST dagegen souverän und überzeugt mit einer über das Drehzahlband sich gleichmäßig ansteigenden Kraftentfaltung. Hier ist der Focus ST mit seinem 2.0 EcoBoost-Triebwerk in seinem Element und bereitet seinem Fahrer am meisten Freude. Problematisch bleibt dabei nur, dass das Landstraßen-Tempo sehr schnell überschritten ist.

Diese Probleme, die ich bei nasser Fahrbahn mit dem Ford hatte, sollen sich auch bei trockener Fahrbahn ergeben, wie Passion Driver Sebastian Bauer in seinen Eindrücken zum Focus ST schildert.

Ford Focus ST Turnie

Ein weiterer, durchaus Zwiespältiger Punkt betrifft den Motor-Sound. Generell geht es im Cockpit angenehm ruhig zu. Ein beherzter Tritt auf das Gaspedal hat mit steigenden Drehzahlen jedoch ein stetig anwachsendes, sportliches Motorengeräusch zur Folge. Der Sound, der den Innenraum erfüllt, klingt sehr markant und eigenwillig, aber für mein Ohr durchaus gefällig – aber auch etwas artifiziell. Das verwudnert nicht, denn der Sound wird künstlich mittels eines sogenannten Sound Symposers erzeugt. Bei getretenem Gaspedal und mit steigender Motor-Drehzahl öffnet sich lastabhängig ein Ventil, dass die Motorengeräusche vom Motorraum in das Cockpit leitet. Dabei klingt Symposer für mich nach einem Neologismus aus synthetic und compose – also synthetisches Komponieren. Das trifft den Kern, mein Problem bleibt jedoch das Synthetische, mit dem ich mich nicht anfreunden kann.

Ford Focus ST Turnie

Insgesamt ist der Ford Focus ST Turnier für mich ein gefälliges Auto, das design-technisch insbesondere durch zahlreiche Details im Innenraum für Freude bei mir sorgen kann. Das Exterieur-Design verhält sich größtenteils konventionell und verrät lediglich durch einige Modifikationen seine inneren Werte.
Problematisch sehe ich die Art der Leistungsabgabe. Das Triebwerk selbst zeigte sich ohne Fehl und Tadel, die Schaltarbeit ging leicht und flott vonstatten – wenn auch über etwas lange Schaltwege. Das Problem des Focus ST ist schlichtweg das auf-die-Straße-bringen der Leistung. Und es deprimiert ungemein, wenn ich mit 250 PS in den ersten beiden Gängen nur behutsam fahren kann, früh schalten muss, um nicht völlig die Traktion zu verlieren. Hier hat Ford Nachholbedarf.

Ford Focus ST Turnie

Der Grundpreis des Ford Focus ST Turnier beträgt 29.900,- €. Der gefahrene Testwagen beläuft sich mit Leder-Sport-Paket, ST-Komfort-Paket, Fahrer-Assistenzpaket II, Winter-Paket sowie u. a. Bi-Xenon-Scheinwerfer, Navigationssystem mit Rückfahrkamera, der Lackierung in Sunset-Gelb-Metallic und einigen weiteren Extras auf 37.090,- €.

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