Ersteindruck: Der neue VW Polo im Kurz-Fahrbericht

VW Polo V (Typ 6C) Facelift – Ersteindruck & Kurz-Fahrbericht

Volkswagen hat den Polo V aufgemöbelt, einige Modell-Varianten an den Münchner Flughafen bugsiert und fröhlich Autoschlüssel verteilt. Da sage ich nicht nein. Doch vor dem Aufbruch, vor der Fahrt durch das ländliche Bayern hieß es eine Vielzahl Entscheidungen zu treffen.

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VW Polo V Sunset Red Metallic Cornflower Blue Typ 6R 2014 Flughafen Münche

Immerhin in puncto Einspritzung und Aufladung herrscht Einigkeit unter den Testwagen. Ohne Turbo oder Direkteinspritzung rollt hier kein überarbeiteter Polo vom Typ 6C vom Feld. Dennoch stand ich vor der großen Auswahltafel und wusste nicht, wohin. Cornflower Blue oder lieber Sunset Red? Benziner oder Diesel? 5-Gang-Schaltgetriebe oder 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe? Drei oder lieber vier Zylinder?

Für den Anfang wurde es schließlich der 1.2 TSI in Cornflower Blue mit 5-Gang-Schaltgetriebe. Mit der Funkfernbedienung in der Hand ging es zum Sondermodell „Fresh“, kurz das Gepäck verstauen und um den neuen Polo, Modelljahr 2015 herumtigern. Wo finde ich die Neuerungen am Exterieur? Wer nicht gerade mit einem fotografischen Gedächtnis gesegnet ist oder Fotos vom 2009er Polo V zur Hand hat, wird nur schwerlich die Unterschiede finden. Sie sind da, aber nur ganz klein.

VW Polo V Fresh Comfortline Cornflower Blue Typ 6R 2014 Vorderansicht Detail Flughafen Münche

Die H7-Halogen-Scheinwerfer haben ein neues Design, kommen aber nach wie vor in unschöner Reflexionstechnik. Die Leuchtengrafik der Rücklichter wurde ebenfalls dezent modernisiert. An Heck und Front gab es zusätzlich neue Schürzen, einen überarbeiteten Kühlergrill, anders platzierten Chrom-Zierrat und neue Nebelscheinwerfer. Sonst sieht der Polo V aus wie eh und je. Sachlich wie pragmatisch gezeichnet, aber durchaus mit einem Schuss Gefälligkeit gesegnet.
Ebenfalls neu ist die Sonderlackierung „Cornflower Blue“ für das erwähnte Sondermodell.

Platz genommen im überarbeiteten Polo, fallen auf den ersten Blick zahlreiche Neuerungen auf: neues Lenkrad, hinter dem sich ein neues Kombiinstrument befindet, neu angeordnete Mittelkonsole mit dem neuen Infotainment-System. Im Sondermodell Fresh ist das Interieur zudem zweifarbig gehalten. Die helle, Ceramique genannte, Farbe ist zweifelsohne nicht jedermanns Sache, aber der Hell-Dunkel-Kontrast sorgt in jedem Fall für eine Auflockerung im Innenraum.

VW Polo V 1.2 TSI 66 kW 90 PS Fresh Typ 6R 2014 Cockpit Interieur Innenrau

Gewohnt übersichtlich geht es zu. Die Mittelkonsole wird durch den 6,5-Zoll-Touchscreen mit Annäherungssensorik des Composition Media dominiert. Darunter findet sich das Klimabedientteil, über dem Display eine Schalterleiste. Etwas unübersichtlicher geht es dann schon am Multifunktions-Lenkrad zu. Aufgrund der verbauten Systeme, wie etwa der Adaptive Cruise Control (ACC), erhöht sich die Anzahl Schalter, sodass letztlich 18 Knöpfe bedient werden können. Die Skalen des aufgefrischten Kombiinstruments sind optimal ablesbar und geben keinen Anlass zur Kritik; einzig die Kontrollleuchte für eingeschaltetes Abblendlicht hatte ich vermisst.

Haptisch kann der Polo Typ 6C weitestgehend überzeugen. Die Armaturentafel ist aufgeschäumt und gibt dem Druck neugieriger Finger nach. Darunter kommt strukturiertes Hartplastik zum Einsatz, das anständig entgratet nicht negativ auffällt. Weniger meinen Geschmack treffen die unverkleideten Bereiche im Innenraum, das blanke Blech, das in der Exterieur-Farbe erstrahlt. Manche mögen das als Farbtupfer im Innenraum mögen, mir fehlt hier dämmende Verkleidung – das wirkt auf mich wie eine Sparmaßnahme.

VW Polo V Sunset Red Metallic Cornflower Blue Typ 6R 2014 Bergsee_0

Während der Fahrt gefiel der VW Polo 1.2 TSI mit lässiger Unaufgeregtheit. Gewöhnungsbedürftig war beim Handschalter der ungewöhnlich starke Gaspedal-Gegendruck, aber das legte sich schnell. Für einen kleinen Stadtwagen liegt der Polo V ungewöhnlich satt auf dem Asphalt, federt zwar noch komfortabel, ist aber spürbar straff abgestimmt. Ob das für die teils schlechten innerstädtischen Straßen sinnvoll ist, wage ich zu bezweifeln. In jedem Fall scheint mir bereits mit dieser sportlich-komfortablen Federung das optionale Sport Select-Fahrwerk mit zweifach verstellbaren Dämpfern obsolet zu sein.

Der fröhlich drehende Vierzylinder-Turbo mit seinen 66 kW/90 PS ist für die Stadt ausreichend motorisiert. Flott beschleunigt der 1.2er Turbo auf Stadtgeschwindigkeit, wirkt agil und lebendig. Im hügeligen Alpenvorland jedoch scheint der kleine Turbo bergauf zuweilen etwas überfordert. Steigungen erfordern einen niedrigen Gang und hohe Drehzahlen. Diese braucht es auch beim Beschleunigen auf Landstraßen- oder Autobahn-Tempo. Unter Volllast wird der 90 PSer 1.2 TSI im Polo ab 4.000 Umdrehungen lauter und neigt zum Dröhnen. Als Stadtauto prädestiniert, zeigte sich der kleine Volkswagen aber auch auf der Autobahn bei Tempo 160 sicher und souverän – obschon es freilich etwas dauert, bis er diese Geschwindigkeit erreicht hat.

VW Polo V Sunset Red Metallic Cornflower Blue Typ 6R 2014 Bergsee_0

Mit dem DSG genannten Doppelkupplungsgetriebe (Direktschaltgetriebe) trumpft der Polo mit dem Facelift aber erst richtig auf. Und das sage ich, der sonst eher Abstand vom DSG nimmt. Aber im städtischen Bereich und gekoppelt mit den neuen Assistenzsystemen (Automatische Distanzregelung ACC, Umfeldbeobachtung Front Assist sowie die City-Notbremsfunktion) zeigt VW eindrucksvoll, was mit diesen Systemen geht und wie genial diese Hand in Hand arbeiten können.

Bin ich auch sonst kein Liebhaber hiesiger Assistenzsysteme, war das, was der Polo während der Testfahrzeit zeigte, sehr überzeugend. Auf der Landstraße fuhr ich mit eingeschaltetem Tempomat. Dieser war auf 110 km/h eingestellt, der Verkehrsfluss ließ jedoch lediglich 90 km/h zu. Der Polo hält Dank ACC den Abstand zum Vordermann ein, bremst ab, wenn es nötig wird, beschleunigt wieder, wenn Platz und Geschwindigkeit dies zulassen. Ich als Fahrer kann mich voll auf Straße und Verkehr konzentrieren, bediene lediglich die neue, serienmäßge elektro-mechanische Servolenkung. Fuhr ich in eine Ortschaft ein, deaktivierte ich die Geschwindigkeitsregelanlage (GRA) nicht, sondern beließ die Einstellung bei 110 km/h. Der Polo bremste analog zum vorausfahrenden Fahrzeug runter und mit gemütlichen 55 km/h rollte ich durch ein bayerisches Dorf. Am Ortsausgang beschleunigte der kleine Volkswagen wieder selbsttätig und angenehm flott.

VW Polo V 1.4 TDI 66 kW 90 PS DSG Highline Typ 6R 2014 Interieur Cockpit Innenrau

Als es im Laufe der Testfahrt zurück zum Tegernsee ging, staute sich der Verkehr – es ging auf der Bundesstraße kurzzeitig nur im Stop&Go vorwärts. Mit über dem Bremspedal schwebenden Fuß fuhr ich auf das Stauende zu. Ich hatte nicht vor, selbst zu bremsen – das sollte der Polo schön selbst machen. Ich spürte, wie die Verzögerung langsam einsetzte und immer nachdrücklicher wurde, bis der Polo relativ scharf abbremste, die Bremse leicht wieder löste und auf das Stauende zurollte, um letztlich bis zum Stillstand abzubremsen. Funktioniert. Daraufhin wurde ich via Bordcomputer gebeten, mittels Bremspedal zu signalisieren, dass ich noch wach war. War ich, hellwach. Eine so gute ACC hatte ich bisher noch nicht erlebt.

Nach einiger Zeit stand ein Fahrzeugwechsel an. Die Wahl fiel auf einen VW Polo 1.4 TDI mit ebenfalls 66 kW/90 PS sowie DSG. In der Highline-Ausstattung und in Sunset Red ging es wieder in das schöne Alpenvorland. Der kleine Selbstzünder ist komplett neu, läuft nur auf drei Zylindern und wird vorerst in einer 66- sowie 55-kW-Variante angeboten. Volkswagen versuchte das Common-Rail-Aggregat u. a. mittels Ausgleichswelle und Zweimassenschwungrad auf Rundlauf zu trimmen.

VW Polo V 1.4 TDI 66 kW 90 PS Highline Sunset Red Metallic Typ 6R 2014 Seitenansicht Tegernsee Rottach-Eger

Ganz gelungen ist das nicht. Rappelnd wird das Triebwerk erweckt und rasselt lebhaft im Leerlauf vor sich hin. Vibrationen sind am Lenkrad kaum, nur minimal spürbar. Das ist gut. Weniger gut dagegen: Ich spüre den unrunden Lauf über den Fahrersitz am Hintern. „Popometer“ hatte ich irgendwie anders erwartet.

Fahrstufe D einlegen und los geht’s. Mit kräftig Druck und 230 Nm marschiert der Diesel los, hängt gut und gierig am Gas und lässt ohne Zweifel im innerstädtischen Verkehr Spaß aufkommen. Wird jedoch Leistung abgerufen, wird der Dreizylinder zäh und unangenehm. Wer eher der Dynamiker ist, wird weder mit der Leistung noch mit der Geräuschkulisse seine Freude haben. Aber für Dynamiker ist der 1.4 TDI auch nicht gemacht, trotz der straffen Fahrwerksabstimmung. Gemütliches Gleiten und Cruisen, flottes Vorankommen in der Stadt – dafür ist der 1.4 TDI im Polo V genau richtig.

VW Polo V 1.4 TDI 66 kW 90 PS Highline Sunset Red Metallic Typ 6R 2014 Heckansicht Tegernse

Unschön war allerdings eine Auffälligkeit, die ein Neuwagen nicht aufweisen sollte. Wie erwähnt, ist es mit der Laufkultur des Dreizylinder-Diesels nicht bestens bestellt. Gut, damit mag der ein oder andere zurecht kommen. Dass jedoch im Stau bei Anfahrt im Teillastbereich ab etwa 1.600 Umdrehungen knisternde Knackgeräusche aus der Armantur auf der Beifahrerseite kommen – das sollte nicht sein. Anscheinend hat bereits nach wenigen Kilometern das stete Virbrieren überraschend schnell geräuschvolle Folgen. Ein Umstand, der mich an den Škoda Yeti 2.0 TDI erinnerte.

Insgesamt zeigt sich der überarbeitete VW Polo ausgewogen und gereift. Optisch gab es nur winzige Retuschen – was nicht stört, denn immerhin sieht der Polo seit anno 2009 nicht schlecht aus; nicht aufregend, aber passabel und gefällig. Die großen Neuerungen gibt es im Bereich Infotainment sowie Assistenzsysteme. Hier überzeugt der Polo ohne Probleme. Auch motorseitig blieb nichts beim Alten. Alle Triebwerke sind entweder Neu- oder Weiterentwicklungen. Damit erfüllen alle Aggregate u. a. die Euro-6-Abgasnorm.

VW Polo V 1.4 TDI 66 kW 90 PS Highline Sunset Red Metallic Typ 6R 2014 Vorderansicht Motorraum Tegernse

Grundsätzlich zeigte der aufgefrischte Polo 6C eine überzeugende Vorstellung – trotz einiger Kritikpunkte, an denen Volkswagen gern noch etwas arbeiten darf. Sowohl 1.2 TSI als auch 1.4 TDI scheinen ideale Begleiter für die Stadt zu sein, können gemütlich und flott – je nach Gusto. Gekoppelt mit dem angenehmen DSG entfalten die Assistenzsysteme um die adaptive Distanzregelung ACC ihr volles Potential.
Wer mehr Bumms unter der Haube haben möchte, muss sich noch etwas gedulden. Im Laufe des Jahres erst folgen der Polo BlueGT (150 PS) sowie der neue Polo GTI (192 PS). Mit diesen beiden Varianten dürfte dann auch obenrum mehr Freude aufkommen.

VW Polo V 1.4 TDI 66 kW 90 PS Highline Sunset Red Metallic Typ 6R 2014 Seitenansicht Tegernse

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Zur Fahrpräsentation des VW Polo am Tegernsee wurde ich von Volkswagen eingeladen. Alle anfallenden Kosten wurden vom Hersteller übernommen. Zu keinem Zeitpunkt wurde versucht, auf meine Berichterstattung Einfluss zu nehmen.

10 Reaktionen auf diesen Beitrag

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    […] Autoaid: “Insgesamt zeigt sich der überarbeitete ‪#‎VW‬ ‪#‎Polo‬ ausgewogen und gereift. Optisch gab es nur winzige Retuschen – was nicht stört, denn immerhin sieht der Polo seit anno 2009 nicht schlecht aus; nicht aufregend, aber passabel und gefällig.” [mehr] […]

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