Ersteindruck: Mit dem BMW i3 durch Berlin

Ersteindruck: Mit dem BMW i3 durch Berlin

Mit der Submarke BMW i und den beiden ersten Modellen BMW i3 sowie BMW i8 gehen die Bayern ein großes Risiko ein, beweisen aber auch Cojones. Kein anderer deutscher Automobil-Hersteller geht so konsequent den Weg der Elektromobilität wie BMW mit dem i3. Doch auch das große Drumherum passt. BMW bietet eine durchdachte Nachhaltigkeitsstrategie, die von der Produktion einzelner Komponenten, über die Fertigung bishin zur Verwertung das gesamte Autoleben umfasst. Aber reicht das, wenn ein Auto so kontrovers im Design daherkommt wie der BMW i3?

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BMW i3 Seitenansicht Solarorange mit Frozen Grey Metallic Berlin Fernsehtur

Was mich beinahe vollends überzeugt, ist die gesamte Strategie, das Konzept, das hinter BMW i steht. Bereits nach der IAA 2013 und der Vorstellung des BMW i3 hatte ich geschrieben, dass ich die grundsätzliche Marschrichtung gut und richtig finde. BMW beweist Mut und verdient Respekt, diesen Weg eingeschlagen zu haben.

Kritisch bleibe ich jedoch, was die Zielsetzung anbelangt, Carbon in die Massenfertigung zu überführen, um damit mittelfristig den Preis drücken zu können. Denn auf diese Weise kommen wir vom Erdöl nach wie vor nicht los. Freilich, die Carbon-Fertigung wird weniger Öl in Anspruch nehmen, als der Betrieb von Verbrennungsmotoren. Aber mit steigender Nachfrage, steigenden Absatzzahlen wächst auch die Carbon-Produktion. Was wiederum in Teilen für BMW spricht: Das verwandte Carbon soll am Ende eines i3-Lebens vollständig wiederverwertet werden. Theoretisch geht also kein Carbon verloren.

BMW i3 – Exterieur: streitbar & provokant, aber futuristisch

2013 BMW i3 I01 Solarorange mit Frozen Grey Metallic Seitenansicht Berlin Karl-Marx-Alle

Die Vorteile von Carbon sind unbestritten: Es ist leicht, sehr verwindungssteif und kann in jede beliebige Form gebracht werden. Angesichts des letztgenannten Aspekts kann sich der Betrachter eines i3 natürlich fragen, warum der i3 aussieht, wie er aussieht, wenn Carbon jede x-beliebige Form annehmen kann. Insbesondere das Heck stößt auf vielfältigen Widerstand und auch mir fällt es schwer, diesem Design etwas abgewinnen zu können. Zudem fällt die hohe Heckscheibe recht klein aus. Im Zusammenspiel mit der eigenartig ansteigenden Fensterunterkante leidet die Übersichtlichkeit.

Weitere Ärgernisse, wie die Seitenansicht oder die Fondtüren, die sich nur bei geöffneten Vordertüren öffnen lassen, habe ich bereits in dem oben verlinkten i3-Artikel anlässlich der Premiere auf der IAA 2013 zur Genüge erläutert. Die Front dagegen finde ich gelungen, sie kombiniert gekonnt typische BMW-Merkmale mit der neuen BMW-i-Design-Philosophie. Auch die Zwei-Farb-Lackierung in Solarorange mit Frozen Grey Metallic ist chic, passt gut zu den dunklen Glasflächen. Ein Muss sind die LED-Scheinwerfer für humane 890 € Aufpreis. Anderenfalls gibt es diese unsäglich hässlichen Halogen-Reflexionsscheinwerfer.

2013 BMW i3 I01 Solarorange mit Frozen Grey Metallic Frontalansicht Detail LED-Scheinwerfe

Optisch fällt der BMW i3 auf. Die Menschen bleiben stehen, drehen sich um. Futuristisch sieht er aus, ist aber auch provokant gezeichnet und sorgt damit für Zwiespalt. Das hat den Vorteil, dass der BMW i3 Gesprächsthema ist und bleibt. Letztlich werden i3-Kunden diesen Effekt wohl auch nicht verschmähen wollen, schließlich ist der Kauf eines BMW i3 ein Statement und jeder soll sehen, dass ein i3-Käufer bereit ist, viel Geld für ein kleines E-Mobil zu zahlen. Und sonst bleibt ja noch der unauffällige VW e-Golf für diejenigen, die mit ihrem Elektroauto nicht auffallen möchten. Der Grundpreis von knapp unter 40.000 € ist bei beiden Modellen beinahe identisch.

BMW i3 – Interieur: Öko-Charme trifft Sci-Fi

2013 BMW i3 I01 Cockpit Interieur Innenraum Interieurdesign Suite Naturleder Stellaric Dalbergiabrau

Ich öffne die Tür und bleibe mit meinen Augen alsbald am Schweller hängen. Die Carbon-Karosserie ist hier nicht verkleidet und ich sehe sofort, was ich unter anderem für mein Geld bekomme. Der Fahrersitz weist eine gesunde Härte auf, ohne unbequem zu sein. Sofort fällt hier die Luftigkeit und das Raumgefühl auf, eine klassische Mittelkonsole fehlt. Ich habe Platz, und das nicht zu wenig. Als Fahrer sitze ich ungewohnt hoch, vergleichbar mit einem Van oder SUV. Das erhöht das subjektive Gefühl der guten Übersichtlichkeit; nach hinten und schräg hinten ist die Sicht jedoch eingeschränkt.

2013 BMW i3 I01 Cockpit Interieur Innenraum Interieurdesign Suit

Das Leder in Dalbergiabraun finde ich traumhaft schön – ist jedoch auch zusammen mit dem Interieurdesign Suite fast 3.000 € teuer. Die Innenraum-Materialien versprühen Öko-Charme, wirken aber auch hochwertig und sauber verarbeitet. Dazu fühlen sich Armaturen und Türverkleidungen, die aus Naturfasern hergestellt werden, angenehm an. Das luftig leichte Raumgefühl resultierend aus Bauhöhe und fehlender Mittelkonsole spiegelt sich im Cockpit-Design wieder. Geschwungene Linien, das Infotainment-Display, das zu schweben scheint – das sorgt für eine angenehme Leichtigkeit, muss jedoch nicht jedermanns Sache sein. Zwar bin ich kein Freund frei stehender Display, aber im BMW i3 wirkt das schwebende, 10,2 Zoll große Display stimmig integriert und fügt sich weit kohärenter in das Interieur-Design ein als etwa die Pattex-Variante in der neuen Mercedes-Benz C-Klasse.

BMW i3 – Auf Fahrt

2013 BMW i3 I01 Solarorange mit Frozen Grey Metallic Heckansicht Detail Berlin Fernsehturm Karl-Marx-Alle

Beim Starten des i3 ertönt ein Signalton, der an das Hochfahren eines Betriebssystems erinnert. Der ungewöhnliche Gangwahlhebel am Lenkrad, der mittels Drehen die unterschiedlichen Fahrstufen realisiert, ist etwas klobig geraten und erscheint ungewöhnlich. Andererseits liegt er sehr gut und ergonomisch in der Hand. Alle Funktionen sind hier vereint – mit dem Daumen drücke ich die Park- oder Start-Stopp-Taste und mit einer Drehung lege ich den einzigen Vorwärts- und den Rückwärtsgang ein oder gehe in den „Leerlauf“ N. Ohne große Eingewöhnung lässt sich das einstufige Getriebe einhändig ohne Umgreifen bedienen – knick, knack, fertig. Und los.

Trotz des hohen Aufbaus liegt der Schwerpunkt dank E-Motor und Batterie sehr tief, gleitet der BMW i3 satt auf der Straße. Als Kleinwagen für den urbanen Alltagsbegtrieb konzipiert, fällt auf den mäßigen Berliner Straßen die harte Fahrwerksabstimmung auf. Ich mag es ja straff, aber der i3 bügelt für mein Empfinden zu unsaft über tiefe Kanaldeckel und kleinere Fahrbahnschäden und -unebenheiten. Hier wäre womöglich etwas Feinschliff mit Fokus auf Komfort angedacht.

2013 BMW i3 I01 Solarorange mit Frozen Grey Metallic Vorderansicht Berlin Fernsehturm Karl-Marx-Alle

Auf der anderen Seite ist es gerade diese Härte in Kombination mit dem 170-PS-Elektromotor, die den Fahrer hinter dem Lenkrad frohlocken lässt. Und schnell ist sie da, die Freude am Fahren. Der Heckmotor mit Hinterradantrieb – also ein klassischer Heckantrieb in einem zukunftsweisenden Auto – der tiefe Schwerpunkt und die direkte Lenkung ohne lästige Antriebseinflüsse bringen gemeinsam mit der strammen E-Motorleistung das auf die Straße, was ich von einem BMW erwarte – nur anders. Ab der ersten E-Motor-Umdrehung stehen 250 Newtonmeter an und lassen i3-Fahrer bei Bedarf stürmisch an der Ampel losstromern. Beim Kickdown aus dem Stand spüre ich es dann, dieses Kribbeln im Bauch, das Zusammenziehen der Magenwände. Mit gutem Nachdruck geht der i3 von der Haltelinie los, um ab etwa 30 km/h nochmals spürbar vehementer nach vorn zu gehen. Und eben das ist der Moment, den ich wohlig in der Magengrube zu spüren bekomme. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.

Ein witizges Detail offenbart der rechte Außenspiegel an der Ampel. Dass dieser beim Einlegen des Rückwärtsgangs automatisch nach unten schwenkt, ist bekannt. Neu ist jedoch, dass der Spiegel mit Setzen des Blinkers beim Rechtsabbiegen nach außen schwenkt und damit den toten Winkel reduziert, sodass Radfahrer und Fußgänger deutlich schneller gesehen werden können.

2013 BMW i3 I01 Solarorange mit Frozen Grey Metallic Vorderansicht Detail LED-Scheinwerfe

Was ich wirklich gelungen finde, ist das von BMW realisierte Ein-Pedal-Konzept, das das Bedienen des Bremspedals fast überflüssig macht. Allein mit dem Fahrpedal lässt sich der i3 durch die Stadt manövrieren. Eine Skala im Fahrer-Display zeigt drei Fahrsituationen an: Charge, ePower und eine Mittelposition zwischen diesen beiden. Diese Mittelposition erreiche ich nach kurzer Gewöhnungszeit problemlos mit der „Halbgasstellung“ des Fahrpedals. Beschleunigung erfordert ePower, logisch. Gehe ich vom Pedal, rekuperiert der BMW i3 sofort und bremst dabei so stark ab, dass einerseits die Bremslichter aufleuchten und andererseits die Betätigung des Bremspedals oftmals nicht notwendig wird. In 30er-Zonen in Rechts-vor-links-Situationen etwa reicht das, um die Vorfahrt zu beachten. Anfangs jedoch ging ich öfter zu früh vom Gas, sodass ich vor der Einmündung zum Stehen gekommen wäre. Aber auch daran gewöhnte ich mich schnell. Im Stop&Go-Verkehr bewährte sich das Ein-Pedal-Konzept ebenfalls, meist ließ ich den i3 bis zum Stillstand rekupieren, ohne selbst via Bremspedal zu bremsen.

BMW i3 – Fazit

Die Fahrt war kurz, zu kurz für einen wirklichen Test, aber für einen ersten Eindruck reichte die Ausfahrt durchs Berliner Zentrum allemal. Fahrerisch kann der i3 als urbanes Fortbewegungsmittel überzeugen. Klein und wendig ist er, vermittelt auf den vorderen Sitzen ein angenehmes Raumgefühl und fährt sich flinker sowie spritziger als von einem effizienten E-Kleinwagen erwartet. Andererseits fährt der i3 erfreulicherweise genauso, wie ich es von einem Klein-BMW erwarte.

2013 BMW i3 I01 Solarorange mit Frozen Grey Metallic Heckansicht Detail i3-Log

Andererseits ist auch noch Luft nach oben. So fällt etwa die Dämpfung für ein Stadtauto zu hart aus, die nur bei geöffneten Vordertüren zu öffnenden Fondtüren dürften im Alltag unpraktisch sein, zumal die vorderen Gurte in den Hintertüren integriert sind. Zudem lassen sich die Fondscheiben nicht öffnen. Das Gepäckabteil fällt nicht besonders üppig aus, sollte aber für den Alltagsbetrieb als Zweitwagen genügen. Aber gerade für einen Zweitwagen dürfte der BMW i3 den meisten Menschen zu teuer sein. Lademöglichkeiten vorausgesetzt ist die Reichweite von bis zu 160 Kilometern ausreichend.

Das gefahrene Modell kostet – ohne, dass ich die Ausstattungsliste komplett kennen würde – mindestens 48.280 €, eher noch mehr. Für einen Kleinwagen, und sei er noch so innovativ und wegweisend, ein ausgesprochen hoher Preis. Auch wenn der Vergleich gewaltig hinkt, ich würde wohl angesichts des Preises schwach werden und viel lieber zum BMW M135i greifen.

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Die kurze Testfahrt mit dem BMW i3 wurde mir freundlicherweise durch die BMW Niederlassung Berlin ermöglicht. Zu keinem Zeitpunkt wurde versucht, auf meine Berichterstattung Einfluss zu nehmen.

4 Reaktionen auf diesen Beitrag

  1. Deutscher Auto Blogger Digest vom 27.06.2014 › "Auto .. geil"

    […] AutoAidErsteindruck: Mit dem BMW i3 durch BerlinErsteindruck: Mit dem BMW i3 durch Berlin Mit der Submarke BMW i und den beiden ersten Modellen BMW i3 sowie BM… […]

  2. Markus

    Ich war ja sonst kein großer Fan von BMW, aber ich applaudiere dem Unternehmen für die Entscheidung zu einem reinen Elektroauto, auch wenn ich mit dem Design persönlich nicht viel anfangen kann. Besonders der Knick an der Seite gefällt mir nicht so gut. Trotzdem macht es Hoffnung, wenn sich immer mehr Automarken auf reine Elektroautos einlassen. Und bei einem Sportwagen wie dem i8 auf Hybrid zu setzen, finde ich auch genial und ein richtiges Zeichen. Zumal der Wagen außerdem super aussieht.

  3. Jakob

    Ich finde es absolut top, dass BMW so viel in Richtung Elektroauto unternimmt, die Autos lassen sich vor allem in der Stadt richtig gut fahren und haben richtig Power. Schöner Artikel

  4. Blogger Auto Award 2015 – Das sind die Gewinner | autoaid.de blog

    […] Audi A1 [47 Punkte / 20,89 %] // BMW i3 [47 Punkte / 20,89 %] (Vorjahressieger) 2. Škoda Fabia [35 Punkte / 15,56 %] 3. VW Polo [26 Punkte […]

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