Ersteindruck: Audi A3 Cabriolet 1.8 TFSI S tronic – Ein Kurz-Fahrbericht

Erst im Juni dieses Jahres präsentierte Audi die A3 Limousine und bringt nun für das Frühjahr 2014, pünktlich zur neuen Cabrio-Saison, mit dem Audi A3 Cabrio die letzte Karosserie-Variante der A3-Familie auf den Markt und vervollständigt damit das Kompakt-Portfolio. Im Rahmen der Pressepräsentation fuhr ich das A3 Cabriolet 1.8 TFSI.

Fahrbericht Audi A3 Cabriolet 1.8 TFSI S tronic | technische Daten | Blogschau

Audi A3 Cabriolet 2013 1.8 TFSI Ambition S line Misanorot-Perleffekt Vorderansicht seitlich Cap Este

Am Flughafen von Nizza erwartete mich blauer Himmel, Sonnenschein und fast 20 Grad. Verwöhnt vom Kaiserwetter der Côte d’Azur ging es von Nizza über Monaco in die Seealpen, über den Col de Braus bis auf 1.002 Meter über dem Meeresspiegel. Die Bedingungen, das Audi A3 Cabrio 1.8 TFSI hier zu testen, waren ideal – wie die Bilder zeigen.

Bereits optisch ist das Cabriolet des A3 ein Grund zur Freude. Passé ist der unansehnliche Bürzel, den das Vorgänger-Cabrio noch spazieren fuhr. Denn im Gegensatz zum Vorgänger basiert die Cabriolet-Version des A3 nicht auf dem Steilheck, sondern augenscheinlich entstand es auf Basis der Limousine. Doch Dank der Variabilität des MQB entspricht der Radstand dem des Dreitürer-A3, während die Fahrzeuglänge des Cabrios gute drei Zentimeter kürzer im Vergleich zur A3 Limousine ausfällt. Typisch für den A3 ist dabei die Einheit in der Front. Alle A3-Varianten haben einen nahezu identischen Bug. Und das große Plus, mein Highlight der Limousine – das Heck – bekam auch das A3 Cabriolet spendiert.

Audi A3 Cabriolet 2013 1.8 TFSI S tronic Ambition S line Misanorot-Perleffekt Heckansicht seitlich Col de Brau

Da sich alle A3-Modelle in vielen Details gleichen, gelten meine geschilderten Eindrücke zur Audi A3 Limousine 1.8 TFSI ebenso für das Carbio. Das betrifft insbesondere das Interieur, das ich nach wie vor an sich für ergonomisch gelungen halte – bis auf den Bedienbereich des MMI hinter dem Wähl- oder Schalthebel. Haptik und Verarbeitung weisen die typische Audi-Qualität auf. Somit macht es auch das Audi A3 Cabriolet dem Tester schwer, ernsthaft Kritikwürdiges zu finden.

Schade finde ich dennoch, dass sich die unterschiedlichen Karosserie-Varianten des A3 nicht deutlich voneinander abheben, was das Interieur-Design angeht. Ob ich in einem A3, Audi A3 Sportback, in der Limousine oder dem geschlossenen Cabrio sitze – spürbare Unterschiede gibt es kaum.

Audi A3 Cabriolet 2013 1.8 TFSI S tronic Ambition S line Misanorot-Perleffekt Cockpit Interieur Innenraum Col de Brau

Was das Exterieur betrifft, so finde ich auch am Cabrio etwa die Integration der Seitenschweller des S line Exterieurpakets verbesserungswürdig. Die serienmäßigen Stoff-Sportsitze fühlten sich unangenehm rau an und boten für meine schmale Statur verbesserungswürdigen Seitenhalt. Das dicke Doppelendrohr in Chrom ziert selbst die kleinste Motorisierung. Weniger ist manchmal mehr.

Aber ganz gleich, welche Motor-Getriebe-Kombination ich wähle oder für welche Farbe ich mich entscheide: Ohne S line Exterieurpaket sieht das A3 Cabrio fast langweilig aus. Für mich also ein optisches Muss – trotz der etwas angepappt wirkenden Seitenschweller.

Audi A3 Cabriolet 2013 1.8 TFSI S tronic Ambition S line Misanorot-Perleffekt Seitenansicht Col de Brau

Bereits in meinem IAA-Artikel zum A3 Cabrio hatte ich erwähnt, dass das Cabrio geschlossen nicht die überaus gelungene Homogenität der Silhouette eines Opel Cascada aufweisen kann. Aber wenn das A3 Cabrio sein Stoffverdeck innerhalb von 18 Sekunden bei bis zu 50 km/h zusammenfaltet und im Heck verstaut – dann kann das Cabriolet oben ohne alle Register der Verführung ziehen. Lang und elegant zieht sich die sehnig konturierte Karosserie in die Länge. An diese Grazie kam nie ein A3 Cabrio zuvor heran. Viel zu gedrungen waren seine Vorgänger gezeichnet.

Offen stehen noch 275 Liter Kofferraumvolumen zur Verfügung. Für das Pärchen auf dem Weg in den Wochend-Urlaub ist das ausreichend. Ist das Verdeck geschlossen, fasst der Gepäckraum 320 Liter. In der vorderen Reihe werden Fahrer und Beifahrer mit Raum verwöhnt. Im Fond dagegen dürfte es ungleich enger zugehen, aber immerhin ohne Notsitz in der Mitte. Sprich, das A3 Cabrio ist ein ehrlicher Viersitzer.

Audi A3 Cabriolet 2013 1.8 TFSI Ambition S line Misanorot-Perleffekt Heckansicht seitlich Cap Este

Den 180 PS starken Vierzylinder-Turbo fuhr ich in zwei Varianten – mit manuellem 6-Gang-Schaltgetriebe sowie mit der 7-Gang S tronic, dem Doppelkupplungsgetriebe. Auffällig ist: Der 1.8er Turbo mit S tronic kann nicht die sonst so typischen Vorteile eines Doppelkupplungsgetriebes in puncto Leistungsabgabe bieten. In den Angaben von 0 auf 100 km/h kann man mit dem Handschalter schneller sein. Untypisch.

Für mich ein weiteres Manko: Ich habe ein kompaktes Cabriolet unter dem Hintern, das 180 PS mobilisiert; aber ich kann diese Leistung nicht spüren bzw. die Leistungsabgabe, die ich bei 180 PS in einem Kompakten erwarte, kommt bei mir nicht an. Das ist eigenartig, denn nominell ist das, was das A3 Cabrio 1.8 TFSI auf die Straße bringt, alles andere als träge. 7,8 Sekunden braucht das Cabrio mit S tronic. Liest sich sportlich, ist es eigentlich auch, fühlt sich jedoch nicht so an. Denn, obwohl offen gefahren, fühle ich mich dennoch wie in Watte gepackt und abgekapselt, entkoppelt von der Straße. Das führt dazu, dass die Leistung in meinem Bauch nicht ankommt.

Audi A3 Cabriolet 2013 1.8 TFSI S tronic Ambition S line Misanorot-Perleffekt Kombiinstrument Tacho Cockpit Interieur Innenrau

Egal, ob auf der Autobahn, im Stadtverkehr oder in den Seealpen. Neben der guten Figur, die das A3 Cabrio macht, ist es mir Dank drive select möglich, in einer jeweils passenden Konfiguration unterwegs zu sein. Über die Autobahn gleitet das Cabriolet im Comfort-Modus gediegen und unaufgeregt, die S tronic schaltet höchst unauffällig und sauber durch die Gänge, ohne dass Fahrer und Beifahrer davon großartig Notiz nehmen. Die Gaspedalkennlinie ist so gewählt, dass nicht jede Gaspedal-Bewegung sofort in Nervosität ausartet. Cruisen – Das ist das Naturell des A3 Cabriolet.

Im langsamen Stadtverkehr geht es weiter im Efficiency-Mode. Klimaanlage, Motor und Getriebe arbeiten verbrauchsoptimiert, das Gaspedal fordert einen längeren Weg ein, um den Wagen zackig zu beschleunigen.

Audi A3 Cabriolet 2013 1.8 TFSI S tronic Ambition S line Misanorot-Perleffekt 1.4 TFSI Vegasgelb Heckansicht Col de Brau

Auf dem Col de Braus ging es weiter im Individual-Modus. Die S tronic auf S lässt den Motor höher drehen, um stets im optimalen Drehzahlbereich zu fahren, das Gaspedal spricht giftiger auf Gasstöße an. Allerdings arbeitete das Getriebe auf dem Pass meines Erachtens nicht optimal. Teilweise ließ die S tronic den Motor jenseits der 5.000 Umdrehungen unnötig hoch orgeln, anstatt im nächsthöheren Gang in einem drehmomentstärkeren Drehzahlbereich zu fahren. Auch sonst waren die Schnelligkeit der Gangwechsel als auch die Schaltzeitpunkte nicht das, was ich von einem Doppelkupplungsgetriebe erwarte.

Gut, dass der Testwagen mit den Schaltwippen ausgerüstet war, sodass ich die Strecke entsprechend manuell bewältigen konnte. Sportlich bewegt und geschaltet zu Zeiten, wann ich wollte, kam auf der Serpentinen-Strecke des Col de Braus eine Menge Freude auf. Mit den Fingern an den Schaltpaddles gingen auch endlich die Schaltvorgänge so schnell wie sie sein sollten. Dabei fällt aber auch auf, dass die Wippen den haptischen Tiefpunkt darstellen, den das A3 Cabriolet zu bieten hat. Statt Kunststoff hätte es auch etwas Edleres sein können, schließlich wurde auch sonst mit Aluminium im Interieur nicht gegeizt.

Audi A3 Cabriolet 2013 1.8 TFSI S tronic Ambition S line Misanorot-Perleffekt Seitenansicht Seealpen Col de Brau

Serpentine um Serpentine, Kurve für Kurve fraß sich das A3 Cabriolet 1.8 TFSI durch die Seealpen. Auch in engagiert gefahrenen Kehren, wenn das Cabrio dezent über die Vorderachse schiebt, bleibt der Ingolstädter neutral und gutmütig, stets beherrschbar. Nur wer es mittels Lastwechsel und Lenkung provoziert, kann auch kurz mit dem Heck schwenzeln.

Die Bremsen zeigten sich während der Passabfahrt bissig und gut dosierbar, ohne dabei zu giftig anzusprechen. Als während der Fahrt ein seltsamer Geruck in den Innenraum stieg, zeigte sich, dass diese Belastung den Bremsen nicht so gut bekam. Obwohl die Bremsleistung nach wie vor gut und unverändert war, rauchte es schließlich aus den vorderen Radhäusern. Klar, für diese Art Gebirgstour ist die Bremsanlage nicht konzipiert. Umso beachtlicher, dass sie trotz der offensichtlichen Belastung mit nicht nachlassender Bremswirkung und stabilem Druckpunkt arbeitete.

Audi A3 Cabriolet 2013 1.8 TFSI Ambition S line Misanorot-Perleffekt Vorderansicht Èze Cap Este

Auffällig auch der Motorensound. Oft klang das 1.8er Triebwerk unter Last angestrengt und blechern und überhaupt nicht gediegen und anmutig. Da heißt es noch ein wenig warten, bis das angekündigte S3 Cabriolet mit 300 PS erscheinen wird, das dann mit deutlich kernigerem – wenn auch simulierten – Sound punkten wird.

Was bleibt, sind Eindrücke von einem wirklich schön gezeichneten Kompakt-Cabriolet vor einer traumhaften Kulisse – im November. Das Resultat sind unter anderem die hier gezeigten Fotos von der Testfahrt. Das Audi A3 Cabriolet 1.8 TFSI wirkt elegant, erscheint edel verarbeitet und bietet in seiner Ausstattungsliste allerlei zeitgemäße Assistenzsysteme, die das Fahren sicherer machen können. Wenn es in den Bergen mit jedem Höhenmeter kühler wird, sorgt die Nackenheizung für wohlige Wärme. Das Windschott reduziert den Innenraumsturm deutlich und macht das Fahren sehr viel angenehmer. Die Kartendarstellung des MMI Navigation plus punktet mit der grandiosen Google-Earth-Ansicht, die jedoch nur in Verbindung mit Audi connect (Internet-Zugang im Fahrzeug) und einer SIM-Karte mit Datentarif verfügbar ist.

Audi A3 Cabriolet 2013 1.8 TFSI Ambition S line Misanorot-Perleffekt Cockpit Interieur Innenrau

Was die Getriebewahl betrifft, ist das flexiblere und anpassungsfähigere Getriebe zweifelsohne die S tronic. Mir persönlich bereitet der Handschalter auf dynamischeren Strecken zwar mehr Freude, aber den Berufsverkehr in Monaco bewältige ich mit dem Doppelkupplungsgetriebe deutlich entspannter. Sportlich kann das DSG auch, trifft dabei jedoch weniger meinen Geschmack.

Rein für die dynamisch ambitionierte Kurvenhatz in den engen Bergpässen wären die Dynamiklenkung, für Stadtfahrten und Landstraßen-Cruisen das Audi magnetic ride, also die adaptiven Dämpfer, wünschenswert. Nicht, weil das S line Sportfahrwerk für die Passfahrt nicht gut genug wäre. Das nicht. Allerdings zeigte es sich auf den teils mäßigen Straßen Nizzas und Monacos etwas zu hart und stößig, als dass es als komfortabel durchgehen könnte.

Audi A3 Cabriolet 2013 1.8 TFSI S tronic Ambition S line Misanorot-Perleffekt Seitenansicht Detail Col de Brau

Das Audi A3 Cabriolet wird ab Frühjahr 2014 erhältlich sein und bei 31.700 € für das A3 Cabrio 1.4 TFSI mit 125 PS starten. Der Grundpreis für den 1.8 TFSI S tronic beträgt 35.800 €, während das gefahrene Modell etwa 54.500 € kosten würde.

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Zur Pressepräsentation des Audi A3 Cabriolet in Nizza und Monaco wurde ich von Audi Deutschland eingeladen. Alle anfallenden Kosten wurden vom Hersteller übernommen.
Weder hat dies Einfluss auf meine persönliche Meinung und den hier veröffentlichten Artikel noch wurde versucht, darauf Einfluss zu nehmen.

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