DEKRA stellt Gebrauchtwagenreport 2012 vor – Warum die Statistiken von ADAC, DEKRA und TÜV unzuverlässig sind
Donnerstag, 19. Januar 2012 von Mario LehmannZu Beginn dieses Jahres stellt die DEKRA den Gebrauchtwagenreport 2012 vor. Dabei wurden 50 neue Fahrzeuge in einem Laufleistungsbereich von 0 – 50.000 Kilometer in die Datenbank der Prüforganisation aufgenommen. Insgesamt habe die DEKRA 15 Millionen Fahrzeuge bei der Hauptuntersuchung (HU) auf der Hebebühne gehabt. Insgesamt stehen in der Datenbank des Stuttgarter Prüfgesellschaft 280 Fahrzeugmodelle, die in acht Kategorien unterteilt werden. Der Opel Astra J wurde als Fahrzeug mit der besten Einzelwertung ausgezeichnet. Doch was ist eine solche Auszeichnung wert?
Nicht nur die DEKRA veröffentlicht regelmäßig die Ergebnisse ihrer durchgeführten Hauptuntersuchungen. Auch der TÜV gibt mit seinem TÜV-Report eine Statistik aus, die Aussagen über Zuverlässigkeit und Qualität einzelner Fahrzeugmodelle treffen soll. Weiterhin großen Wert beigemessen wird der Pannenstatistik des ADAC, die angibt, wie oft und aufgrund welcher Probleme die gelben Engel zu bestimmten Fahrzeugen ausrücken mussten.
In der Theorie klingen solche Statistiken und Übersichten besonders geeignet, um sich einen Überblick über qualitative Fahrzeuge zu verschaffen. Sowohl für den Neuwagen- als auch den Gebrauchtwagenkauf können aussagekräftige Urteile die Kauf-Entscheidung maßgeblich beeinflussen. Zuverlässige Autos mit hoher Langzeitqualität versprechen keine oder nur wenige Werkstatt-Aufenthalte und würden somit für niedrigere Unterhalskosten sorgen.
Doch was, wenn diese Reporte und Statistiken nicht die ganze Wahrheit widerspiegeln?

TÜV-Report 2012 – Seit 2008 steigt die Quote der Fahrzeuge mit erheblichen Mängel kontinuierlich an; von 15,7 auf 19,7 %. | Grafik: vdtuev.de
Der Gebrauchtwagenreport der DEKRA wie auch der TÜV-Report können in ihren Statistiken nur die Fahrzeuge listen, die durch Mängel auffällig geworden sind – logisch. Das Problem jedoch ist, dass die Statistik verwässert wird. Denn viele Fahrzeug-Hersteller bieten einen HU-Service an, der dem Autofahrer die lästige Haupt- sowie Abgasuntersuchung (AU) abnehmen soll. Dabei werden im Vorhinein alle für die HU relevanten Überprüfungen durchgeführt und bei Bedarf ausgebessert. Diese Vorab-Checks werden häufig als kostenlos beworben. Wird der entsprechende Wagen anschließend beim Prüfer vorstellig, ist er auch meist mängelfrei. Und eine gute Quote bei der HU ist auf Dauer viel wert, fördert den Werterhalt und sorgt für ein besseres Image der Marke.

Der Opel Astra J – Nach den Ergebnissen des Gebrauchtwagenreports der DEKRA ist der Rüsselsheimer Sieger in der Einzelwertung. | © Opel
Prinzipiell ist das auch gut: Der Fahrzeughalter spart sich die Zeit und das Geld, bei gravierenden Mängeln, die den Erhalt einer neuen Plakette verwehren würden, mit seinem Auto erneut vorstellig werden zu müssen. Zudem dient dieser Service der Verkehrssicherheit. Allerdings verlieren so die Mängelreporte von TÜV und DEKRA an Aussagekraft. Mängelschwerpunkte und Unzuverlässigkeiten bleiben so verborgen. In dieser Hinsicht ist der Verbraucher nicht vor Gebraucht- oder Neuwagen mit bestimmten Schwächen und Anfälligkeiten gefeit, zumal eine solche Statistik bestenfalls allgemeine Anhaltspunkte zur Haltbarkeit einiger Baugruppen gibt, aber keine Aussage zur allgemeinen Zuverlässigkeit zulässt.
HU-Services bieten zum Beispiel Audi, BMW, Opel sowie Seat und Škoda oder VW an. Das könnte unter Umständen eine Erklärung dafür sein, wieso Opel (zweimal Platz 1) und Audi (viermal Platz 1, zweimal Platz 2) sowie auch VW (sechsmal Platz 1, achtmal Platz 2, einmal Platz 3) beim diesjährigen Gebrauchtwagenreport der DEKRA sehr gut abschneiden.
Doch auch die beliebte Pannenstatistik des ADAC ist leider nicht so aussagekräftig, wie viele meinen. Denn viele große Automobil-Unternehmen betreiben eigene Pannenhilfen, die liegen gebliebene Fahrzeuge wieder fahrbereit machen. Unter bestimmten Auflagen gewähren die Hersteller häufig eine „Mobilitätsgarantie“ oder ähnlich bezeichnete Konzepte, die dafür sorgen, dass betroffene Fahrzeuge nicht oder weniger häufig in den Statistiken des ADAC auftauchen. Außerdem werden in der ADAC-Pannenstatistik viele Posten aufgeführt, die nichts mit der Zuverlässigkeit des Fahrzeugs zu tun haben. Entladene Batterien oder Marderschäden sowie Schäden aufgrund mangelnder Wartung vonseiten der Halter sagen nichts über die Qualität, Haltbarkeit oder Zuverlässigkeit eines Autos aus. Zwar werden nach eigenen Angaben selbstverschuldete Pannen wie Aussperren durch im Fahrzeug vergessene Schlüssel oder Kraftstoffmangel nicht berücksichtigt, allerdings ändert dies wenig an der Tatsache, dass gleichfalls Wartungsstau selbstverschuldet ist und nur wenig über ein Fahrzeug-Modell aussagt.

Die ADAC-Pannenstatistk ist nicht so aussagekräftig wie sein könnte. Der ADAC verneint eine Verfälschung der Ergebnisse durch Hersteller-Pannendienste.
Weiterhin erklärt der ADAC, dadurch, dass nahezu alle Hersteller interne Pannenhilfen anbieten, seien die Statistiken wieder ausgeglichen. Eine Verfälschung und Beeinflussung der Statistik verneint der Club. Außerdem würden viele Autofahrer zuerst die ADAC-Nummer wählen statt die des Hersteller-Services. Überprüfen lässt sich dies freilich nicht. Skepsis ist daher durchaus angebracht. Ironischerweise erfolgt häufig die Pannenhilfe, die über die Hersteller-Hotline gerufen worden ist, durch den ADAC selbst. Diese Pannen erscheinen allerdings nicht in der Statistik. Anderenfalls würde der ADAC wohl eine Vielzahl an Aufträgen verlieren.



interessante betrachtungsweise. nicht der übliche tenor, wie ich finde.