BMW i3 und der Werkstoff Carbon – Für leichtere Elektro-Autos setzen die Münchner auf Erdöl
Donnerstag, 5. Januar 2012 von Mario LehmannAuf der letztjährigen IAA in Frankfurt am Main war der BMW i3 mitsamt seines sportlichen Hybrid-Bruders i8 zu bewundern. Die Münchner von BMW stellen sich so die elektrisierte Neuwagen-Zukunft vor. Ja, der Elektro-Antrieb wird – in welcher Form auch immer – die heutigen konventionellen Antriebe ersetzen. Verbrennungsmotoren setzen auf Erdöl-basierte Kraftstoffe, E-Autos werden im Idealfall mit grünem Strom betrieben. Ziel ist es also, sich von der endlichen Ressource Erdöl zu emanzipieren. Aber BMW setzt mit der geplanten Großserienfertigung von Carbon bzw. kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK) voll auf Öl. Ein Widerspruch?

Der BMW i3 – Auf der IAA 2011 war das Elektro-Auto, das 2013 auf dem Neuwagen-Markt erscheinen soll, erstmals zu sehen. Die Karosserie soll zu großen Teilen aus Carbon gefertigt werden. | Foto: MLe
Von allen Seiten wird das Projekt Elektromobilität voran getrieben. Ziele, die den Vortrieb motivieren, sind, die Umwelt durch Verringerung des Schadstoff-Ausstoßes zu entlasten und auf das endliche und stetig teurer werdende Erdöl zu verzichten. Das sind lobens- und achtenswerte Motive. Allerdings stehen hinter diesen auch große Unternehmen und Industrien, die auf Umsatz und Profit angewiesen sind, sodass die technologisch, menschlich und ökologisch sinnvollsten Lösungen sicherlich nicht als erste herangezogen werden. Denn es geht um Geld; wie immer. Es wird daher einen behutsamen, fließenden Übergang geben müssen, der für sichere, hohe Einnahmen sorgen kann.

Der große Hybrid-Bruder des i3: Der BMW i8 bekommt zusätzlich noch einen Verbrennungsmotor. Auch hier spielt Carbon eine wichtige Rolle. | Foto: MLe
Trotz des erklärten Ziels, sich des Erdöls zu entledigen, baut BMW die eigene Zukunft auf diese zähflüssige Masse auf. Auch an der an das Erdöl gekoppelten Industrie und den dazugehörigen Unternehmen hängt viel Geld. Obwohl Rohöl und dessen Förderung teuer, schädlich für die Umwelt sind – BP hat immerhin erst kürzlich gezeigt, wie riskant die Förderung sein kann – lohnt sich der Einsatz finanziell nach wie vor. Aus unternehmerischer Sicht ist es also nur logisch, auch weiterhin auf Erdöl zu setzen, auch wenn es um die Elektromobilität geht.
BMW wird also das Erdöl verwenden, um die Karosserie die BMW i3 mittels Carbon so leicht wie möglich zu gestalten. 300 Kilogramm sollen so im Vergleich mit gängigen Werkstoffen eingespart werden können. Diese Ersparnis wird durch das Mehrgewicht des Akkus auch benötigt. So soll das Gesamtgewicht 1.250 Kilogramm betragen. Das kommt der Reichweite zugute. Für den Endverbraucher klingt das Konzept BMW i3 also gut: Elektro-Antrieb, verhältnismäßig geringes Gewicht, dadurch bessere Reichte, emissionsfrei. Doch wie sieht es mit der Produktion aus?
Carbon wird aus Erdöl gewonnen und muss sehr energieaufwändig verarbeitet werden. Darüber hinaus ist Carbon etwa 50 mal teurer als Stahl. Mit dem Einstieg in die SGL Carbon möchte BMW Carbon in die Massenfertigung überführen und damit den Preis drücken. Für die Produktion ist jedoch ein großer logistischer Aufwand vonnöten. Die Fertigung selbst ist gleichfalls sehr aufwändig.

Carbon – Aus Erdöl werden u. a. die Carbon-Gelege im Hintergrund gefertigt, aus denen später das kunststoffverstärkte Endprodukt entsteht. | Foto TobiasKlaus, CC 3.0
Die Initiative der Bayern von BMW mit der neuen Sub-Marke i ist löblich. Statt bestehende Modelle in mäßige Elektro-Umbauten zu verwandeln, soll eine eigene Elektro-Marke realisiert werden. BMW muss sich jedoch die Kritik gefallen lassen, weiterhin am Erdöl festzuhalten. Immerhin sollte langfristig die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen Ziel aller Anstrengungen sein. Stattdessen verlagern die Bayern den Stoff Erdöl vom Kraft- zum Werkstoff. Das mutet zweifelhaft an und führt zwangsläufig in eine Sackgasse. Und der Umwelt ist damit gleichsam wenig geholfen.


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