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BMW EfficientDynamics mit Leerlauf im 535i Gran Turismo – Alte Suppe aus neuen Dosen?

Montag, 6. Dezember 2010 von Mario Lehmann

Während alle Welt und nahezu jeder Automobil-Hersteller ein Hybrid-Modell nach dem anderen ankündigt und ebenso jeder neuen Nachricht über die E-Mobilität huldigt, geht BMW alte, ausgetretene Pfade. Doch, das ist nicht schlecht, denn die Bajuwaren wühlen die alten Trampel-Pfade auf, schichten fein säuberlich Kies und Beton-Recycling auf, verdichten gewissenhaft und verlegen frisch aufpolierte Gehwegplatten. Sie zeigen uns damit, dass Altes und Bewährtes immer verbessert und effizienter werden kann.

Mit einem BMW 5er Gran Turismo erproben die Bayern ein Eco-Management-System, das den Verbrauch deutlich senken kann.

Toyota feiert sich seit Jahren selbst, haben sie doch den Hybrid-Antrieb und den Prius salonfähig gemacht. Längst gilt der Hybrid-Primus nicht mehr als Streber-Auto grüner Linksalternativer. Er hielt Einzug im gehobenen Bürgertum, das über die Zeit ein Umwelt-Bewusstsein entwickelte und nun auf der vermeintlich grünen Welle mitschwimmt. Ein Großteil der automobilen Welt zieht mit, versucht krampfhaft und überschnell mit Toyota gleichzuziehen. Im großen Stil werden nun Hybrid-Fahrzeuge auf den Markt geworfen, auf Messen präsentiert. Und die deutschen Autobauer müssen sich oftmals anhören, sie hätten den Hybrid-Trend verschlafen. Und genau das ist der Rummel um die hybride Mobilität auch: ein Trend, der ein umweltbewusstes, grünes Bewusstsein der Automobil-Konzerne vorgaukelt und dadurch einen enormen, noch nicht vorhersehbaren Image-Gewinn darstellt. Das investierte Geld kommt ohnehin nicht wieder rein, der Umweltschutz hält sich in Grenzen. Einen aberwitzigen Höhepunkt erreicht die Öko-Lüge um den Hybrid-Hype, wenn Porsche einen 320 km/h schnellen Rennsportwagen namens 918 Spyder vorstellt, der im batteriebetriebenen Schleichgang drei Liter Sprit auf 100 Kilometer verbrauchen soll, zumindest nach der zweifelhaften EU-Verbrauchsnorm.

Der Porsche 918 Spyder bekommt einen Hybrid-Antrieb spendiert und stülpt sich damit die grüne Maske der Hybrid-Lüge über, denn drei Liter wird der nicht auf 100 Kilometer verbrauchen.

Dass im tatsächlichen Betrieb drei Liter verbraucht werden, ist sehr wahrscheinlich; bei 700 PS Leistung sind diese in etwa 15 Minuten durchgeblasen. Wir sehen: Porsche springt auf den Hybrid-Zug auf, platziert sich zwischen den Waggons in einer Gesetzeslücke und lässt den Elektromotor zur pseudo-ökologischen Dekoration verkommen, der zu Steuerersparnissen und Fehleinschätzungen in der Öko-Bilanz führt. Aber anders zieht es Toyota mit seiner Luxus-Marke Lexus auch nicht durch, wenn Modelle wie der RX 450h oder LS 600h als völlig absurde und sinnlose Alternativen zum Diesel angeboten werden. Zumal auch schon kleinere, augenscheinlich sinnvollere Hybrid-Modelle nicht zwangsläufig weniger verbrauchen als ein vergleichbares Diesel-Aggregat.

Dass der Hybrid-Antrieb im Allgemeinen keine dauerhafte Lösung für die Zukunft sein kann, haben wir bereits zur Genüge dargelegt. Letztlich verhält es sich mit dem Elektro-Auto, dem E-Mobil oder wie auch immer man diese Erscheinung nennen möchte, nicht anders. Mitsubishis i-MiEV steht in Deutschland und Europa kurz vor der Markteinführung und ersten Neuwagen-Auslieferungen. Groß, ganz groß wird das Elektro-Auto als Antrieb der Zukunft gepriesen. Endlich ökologisch in der Stadt unterwegs sein, endlich leise surrend, in einem einzigen Gang und ohne Schaltrucken oder Schubunterbrechung. Und das Ganze bei Null Komma nichts CO2-Ausstoß. Denkste; Pustekuchen. Es scheint, vielen E-Enthusiasten gereicht der Verstand bis zur heimischen Steckdose. Fragt sich jemand der Elektrolisten eigentlich, woher unser Strom kommt, wie er gewonnen wird?

42,9 % des erzeugten Stroms in Deutschland wurden 2009 per Kohle (18,3 % Steinkohle, 24,6 % Braunkohle), 22,6 % per Atomkraft, 12,9 % durch Verbrennen von Erdgas erzeugt. Gerade einmal 10,5 % des im Jahre 2009 erzeugten Stroms stammen aus regenerativen Stromerzeugungsverfahren wie Windkraft, Photovoltaik (Solarstrom) oder Wasserenergie. Das bedeutet, 55,8 % des in Deutschland erzeugten Stroms wird durch Verbrennen fossiler Rohstoffe auf Kosten einer längst beeinträchtigten Umwelt gewonnen. 22,6 % entstehen durch ein Verfahren, das Müll produziert, der 1 Million Jahre Menschen, Tiere und Natur verstrahlt und vergiftet. Rein rechnerisch bedeutet dies, wer ein Elektroauto bewegt, fährt mit Strom, für dessen Erzeugung in Deutschland circa 122 Gramm CO2 pro gefahrenen Kilometer anfallen, abgesehen vom produzierten Müll, der anfällt.

Strommix in Deutschland 2009 / (CC) Wikimedia Commons, Sepp

Damit sind rein rechnerisch die Strom-Autos ineffizienter als kleine Diesel und Benziner. Zum Vergleich: Ein VW Polo 1.2 TSI schleudert direkt 124 Gramm CO2 je Kilometer in die Luft; also unwesentlich mehr, als ein E-Auto indirekt durch die Kraftwerke ausstoßen lässt. Ein VW Polo 1.6 TDI BlueMotion Technology erzeugt 96 Gramm, der 1.2 TDI BlueMotion sogar 87 – 89 Gramm. Erschwerend hinzu kommt, dass ein Polo wesentlich alltagstauglicher, erprobter und etablierter ist, als ein wie ein rohes Ei wirkender Mitsubishi i-MiEV.

Auch preislich tun sich Welten auf. Ein VW Polo Highline 1.2 TSI mit Alcantara-Sportsitzen, Sportfahrwerk, 17”-LM-Felgen, Navigationssystem, Bi-Xenon mit Tagfahrlicht und Kurvenlicht, Tempomat und vielem anderen Schnick-Schnack kostet knapp 24.000,- € und damit etwa 10.000,- € weniger als ein Mitsubishi i-MiEV. Außerdem kostet nach den Angaben der Autobild ein i-MiEV pro Kilometer 94 Cent, bei einer Jahresfahrleistung von 10.000 Kilometern und drei Jahren Haltedauer. Ein VW Polo 1.2 Trendline dagegen, der um einiges günstiger in der Anschaffung sein würde als der 1.2 TSI Highline, kostet auf diese Zeit gerechnet pro Kilometer 40 Cent.

Es darf also bezweifelt werden, ob Elektro-Autos in Deutschland zum jetzigen Zeitpunkt Sinn machen.

Eine etwas andere Richtung schlägt BMW ein. Zugegeben, auch die Bayern aus München bieten unverhältnismäßige Hybrid-Modelle in Luxus-Dimensionen. Modelle wie der BMW X6 und BMW 7er an und lassen am automobilen Verstand zweifeln. Trotzdem arbeiten die Ingenieure von BMW auch aktiv an der Optimierung von Verbrennungsmotoren weiter. In einem 5er Gran Turismo-Prototypen hat BMW 300 Kilogramm Technik verbaut, die helfen soll, vorausschauender und damit verbrauchsoptimierter zu fahren. Das Ganze passiert während des sogenannten Segelns. Segeln meint hier – ähnlich wie der Segelflug – das Dahingleiten ohne Kraftstoffzufuhr oder Kraftaufwand. Ein Beispiel aus dem Alltag: Wir fahren mit 60 Kilometern pro Stunde auf eine Ampel zu. Als wir uns dieser bis auf 300 Meter nähern, springt die Ampel auf Rot. Daraufhin nehmen wir Gas weg und verbrauchen automatisch weniger Sprit. Bei Handschaltungen können wir vom fünften oder sechsten Gang in den dritten Gang herunterschalten und lassen die Motorbremse für uns arbeiten. Somit verzögert allein der Motor, das Auto wird langsamer und verbraucht dabei keinen Kraftstoff.

Die Spritspar-Methode wurde früher auch schon technisch umgesetzt. Im sogenannten Freilauf. Bei Autos mit Zweitaktmotoren war es erforderlich, mit der Gaswegnahme den Antrieb vom Motor zu entkoppeln, um Motorschäden durch Schmierungsmangel vorzubeugen. Vorteil dieser Lösung ist auch ein gewisses Spritspar-Potential.

Ein Wartburg 353 W Tourist. Der Einliter-Zweitaktmotor kam in jedem der vier Gänge mit Freilauf. Damit wurden Motorschäden vermieden, indirekt aber auch Sprit gespart. / (CC) Wikimedia Commons, WartburgPeter

Auf dieser technischen Grundlage baut BMW auf. Mithilfe einer eigens entwickelten Software, der Serien-Achtstufenautomatik mit veränderter Steuer-Software und einem aktuellen Navigationsgerät lassen sich nach Testfahrten zu urteilen über 20 % Kraftstoff einsparen. Im Eco-Modus des Emma genannten Software-System von BMW (Eco Mode Manager) werden zudem Komfort-Elemente des 535i GT kaum merklich zurückgeschraubt. Die Gasannahme erfolgt etwas träger, indem dem 5er Gran Turismo ein Drittel des Drehmoments genommen wird, das allerdings mittels Kickdown abrufbar bleibt und die Klimaanlage kühlt etwas langsamer. Diese Einbußen dürften im Alltagsbetrieb jedoch kaum spürbar sein. Über das Navigationssystem wird der Zielort eingegeben. Die errechnete Strecke des Navis weist verschiedene Charakteristika auf, die das System erkennt. Dem Fahrer meldet es bei passenden Gelegenheiten, den Fuß vom Gas zu nehmen. Zwar mutet es etwas seltsam an, wenn auf freier Strecke auf der Autobahn das Display anzeigt, man solle den Fuß vom Gas nehmen. Doch einen Kilometer später wird aus der freien Strecke eine 120er. Und wer bei Tempo 200 die Kraftstoffzufuhr unterbricht, den Antrieb vom Motor automatisiert entkoppeln lässt und einen Kilometer lang rollt, der gleitet mit etwa 120 auf dem Tacho in die 120er-Zone.

Emma erkennt also die Charakteristik der gewünschten Route im Vorhinein, weiß, wo welche Geschwindigkeitsbeschränkungen vorliegen und kann entsprechend Freilauf-Passagen empfehlen. Auch scharfe Kurven auf Landstraßen oder Bergkuppen werden im Voraus erkannt und sinnvoll in die Spritspar-Strategie integriert. Und so absolvieren die Testfahrer der Autobild ihre gefahrene Teststrecke einmal mit 13,0 Litern ohne Emma und einmal mit 10,1 Litern Benzinverbrauch auf 100 Kilometer mit Emma.

Jetzt ist der 535 Gran Turismo ohnehin kein Spritspar-Auto, so dürfen an dieser Stelle auch keine Wunder erwartet werden. Aber dennoch zeigt und beweist BMW eindrucksvoll, dass mit herkömmlichen Antrieben, wie dem Ottomotor noch immer zu rechnen ist. Gerade angesichts des Downsizings, der Start-Stopp-Technologie und weiteren Spritspar-Methoden, wie dem Freilauf, die technisiert aktiv dazu beitragen können, den Kraftstoffverbrauch zu senken.

Sicherlich muss und darf auch ein solches Vorgehen und Forschen hinterfragt werden. Denn es erscheint auf den Blick fraglich, wozu überhaupt noch auf Basis des Verbrennungsmotors geforscht wird, wo doch seine Zeit ohnehin abgelaufen ist.

Ja und nein, müssten die Antworten lauten. Sicher, die Zeit der Verbrennungsmotoren wird in absehbarer Zeit abgelaufen sein. Doch Fakt ist auch, dass die Investition in den Hybrid-Antrieb zwangsläufig in einer Sackgasse enden muss, da dieser einerseits nicht ohne Verbrennungsmotor auskommt und somit weiterhin Umwelt und Ölreserven belastet und andererseits wirtschaftlich nicht rentabel ist und nur zur Image-Bildung und -Profilierung zu gebrauchen ist.

Der Mitsubishi i-MiEV in typischer Öko-Pose der zeitgenössischen Pseudeo-Öko-Welle. Kosten & Alltagstauglichkeit sprechen gegen ihn, seine Ökobilanz allerdings auch. Dennoch wird der i-MiEV das erste Serien-Elektro-Fahrzeug sein, das großangelegt in Europa ab Ende 2010 verkauft werden wird.

Und der Elektro-Antrieb? Der ist noch lange nicht ausgereift. Hersteller, die bald E-Fahrzeuge auf den Markt bringen wollen oder dies bereits getan haben, kommen selten bis gar nicht auf eine Reichweite von über 100 Kilometern heran und sind damit eingeschränkt alltagstauglich und müssen beinahe täglich ans Stromnetz. Dazu sind sie kaum erschwinglich und an der Akku-Technologie hakt es auch noch. Außerdem gelangen in Deutschland für die Strom-Erzeugung im Schnitt 122 Gramm CO2 pro Kilometer in die Atmosphäre, also kaum weniger, als bei Verbrennungsmotoren.

Es scheint also noch immer an wirklichen Alternativen zu fehlen. Der Elektro-Antrieb ist trotz vermehrter Bemühungen noch nicht reif, den Ottomotor abzulösen. Und die Brennstoff-Zelle, die Technologie, die die einzig wirklich sinnvolle Antriebs-Technologie zu sein scheint, braucht noch mindestens zehn Jahre, bis sie zur Marktreife gelangt. Daher ist die aus heutiger Sicht einzig sinnvolle Vorgehensweise diejenige, die wir derzeit auch teilweise beobachten können: Optimierung der Benzinmotor-Technologie. Die Stichworte dabei sind Downsizing, Start-Stopp-Automatik, Bremsenergierückgewinnung, Freilauf, optimierte Direkteinspritzung und Motoraufladungen. Über diese Methoden erreicht der konventionelle Viertakt-Ottomotor ein Verbrauchs- und Schadstoff-Niveau, das denen des Hybrid- und Elektro-Antriebs Konkurrenz macht.


4 Kommentare zu “BMW EfficientDynamics mit Leerlauf im 535i Gran Turismo – Alte Suppe aus neuen Dosen?”

  1. autoaid.de blog » Blog Archiv » BMW EfficientDynamics mit Leerlauf …

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  2. autoaid.de blog » Blog Archiv » Neuwagen-Vorstellung & Hybrid-Fahrzeuge: Auf der Detroit Motor Show präsentiert Toyota eine geplante Prius-Modell-Familie – Was Toyota der Automobil-Zukunft beschert

    [...] Der losgetretene Öko- und Hybrid-Hype in breiten Schichten der Gesellschaft, der unaufhörlich gigantische mediale Druck bringt die Automobil-Hersteller in die Bredouille. Toyota etablierte eine Übergangslösung und vermarktet diese erfolgreich. Das Produkt ist ausgereift und die Systeme können problemlos vom Prius übertragen werden auf den Lexus CT 200h, den Auris Hybrid und letztlich auf eine ganze Prius-Familie. Der Aufwand hält sich in Grenzen, denn die Technologie ist vorhanden und bedarf lediglich einiger, kleinerer Modifizierungen. Zudem bedient Toyota hauptsächlich das Kompakt-Segment, statt der Oberklasse wie es andere Hersteller derzeit praktizieren. Zwar bietet Lexus auch Oberklasse- und Luxus-Hybride an, doch liegt der Fokus der Japaner auf kompakte, alltagstaugliche Stadtautos. Das ist massentauglicher, erhöht den Absatz und erscheint volksnäher. [...]

  3. Ratgeber Spritsparen – Maßnahmen, um effektiv Geld & Sprit zu sparen | Werkstattratgeber – Ihr Ratgeber für Kfz-Werkstätten und Autohäuser

    [...] sollten vermieden werden. Auch im Sinne des Bremsenverschleißes ist es sinnvoll auf die Schubabschaltung bzw. Motorbremse zu setzen. Bei der Anfahrt auf eine rote Ampel ist es daher weniger sinnvoll, in den Leerlauf zu [...]

  4. autoaid.de blog » Blog Archiv » Preisverleihung: Die Gelben Engel gehen an BMW, Porsche und Toyota – ADAC und deutsche Automobilbauer feiern sich selbst

    [...] davon abgesehen kritisch zu beäugen; dies wurde bereits mehrmals verdeutlicht (08. November 2010, 06. Dezember 2010, 14. Januar 2011). Ein Hybrid-Fahrzeug inklusive des Hybrid-Antriebes als Mobilität der Zukunft zu [...]

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