autoaid auf der 64. IAA in Frankfurt am Main – Großer Andrang am ersten Pressetag

Am 13. September öffnete unter dem Motto „Zukunft serienmäßig“ die 64. Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main ihre Pforten – doch vorerst nur für Pressevertreter. Für den Publikumsverkehr öffnet die IAA erst am Montag, den 19. September. Ich war bereits vor Ort und konnte erste Eindrücke von der Messe und einer möglichen automobilen Zukunft sammeln.

Es ist schon beeindruckend, wie groß diese Messe tatsächlich ist. Ganze Horden von Journalisten aus aller Welt versammeln sich am 13. September 2011 am Messegelände in Frankfurt, schieben sich durch die drei Eingänge und drängen sich um die wenigen Presse-Akkreditierungsstände, geiern um die neuesten Modell und Studien herum und pressen sich durch Kollegen – Schreiberlinge, Fotografen und Vertreter der Automobil-Hersteller – und behindern sich gegenseitig im Kampf um ein aussagekräftiges Foto, einen Blick auf das Cockpit einer Designstudie oder einer Berührung, die anderswo als sexuelle Belästigung aufgefasst werden würde. Ob der schieren Größe des Geländes sollte angenommen werden, dass sich die Journalisten-Masse gutmütig verteilen würde; an Platz mangelt es freilich nicht. Stattdessen schart sich eine Journalisten-Traube tumultartig um die Enthüllung des DTM AMG Mercedes C-Coupé durch Michael Schumacher und Nico Rosberg. Ein Durchkommen scheint unmöglich, ein Foto aus der dritten Reihe ebenso. Gut, dann stören weniger Menschen den Ausblick auf die wirklich wichtigen Protagonisten dieses Tages. So ging es schnell vorbei an der Traube, hin zu den Neuheiten und Studien von Mercedes-Benz.

Mercedes auf der IAA 2011 – Das Gedränge ist groß, gerade an der Studie F125 und der neuen Mercedes B-Klasse sowie dem smart forvision. | (CC) MLe

Kaum auszudenken, wie sich die Messe für Besucher anfühlen muss, wenn sie ihre Pforten für diese öffnen wird. Noch voller, noch drängender und nervenaufreibender. Schon während des ersten Pressetages war es schwierig, sich respektvoll den Ausstellungsstücken zu nähern, diese in Ruhe zu betrachten und das ein oder andere sehenswerte Bild zu schießen. Hunderte Menschen stürzen sich auf ein einzelnes Modell, beschmieren es mit fettigen Finger- und Handabdrücken, die anschließend von missmutig dreinblickendem Putz-Personal mit schonendem Reiniger aus der Sprühflasche wegpoliert werden – im Minutentakt. Und natürlich lassen es sich die untersetzten Kollegen des automobilen Journalismus auch nicht nehmen, sich in allen erdenklichen, heroischen Posen im und am Fahrzeug von ihrem Fotopersonal ablichten zu lassen. So sitzen sie in den tiefen Sportsitzen hochpotenter Straßen-Sportler, streicheln liebevoll das Lederlenkrad und spielen an allerlei Tasten und Schaltern herum. Das eben noch liebkoste Lenkrad muss anschließend als Aufsteh-Hilfe dienen, an der sich hoch- und aus dem Innenraum herausgezogen und -gewuchtet wird, um den massigen Leib aus den tiefen Sportschalen zu pellen. Ein störungsfreies Foto vom Cockpit eines Ausstellungsstückes? Undenkbar! Rücksicht ist ohnehin überbewertet. Und überhaupt scheint es, dass Respekt vor kostspieligem Material völlig aus der Mode gekommen ist. So ist es mir auch wenig verständlich, dass sich Pressevertreter nahezu jedes Modell aus absoluter Nähe zu Gemüte führen dürfen, vieles anstandslos anfassen und sich beliebig hineinsetzen können, während es den Messe-Besuchern ab dem 1. September teilweise verwehrt bleibt, zahlreiche Modell aus nächster Nähe zu erfahren. Doch die Presse ist mächtig, das wissen auch die Hersteller. Darf sich der Journalismus nicht an Multi-Milliarden-Entwicklungen die Hände wund scheuern, schamlos greifen und grapschen, bliebe den Automobil-Herstellern ein womöglich positiver Werbeeffekt vonseiten des Auto-Journalismus verwehrt. Schlimmer noch, es gäbe gekränkte Pamphlete wider der Eigenwilligkeit und Spießigkeit der Auto-Produzenten. Nur, wer die Presse gewähren lässt, kann auf positive Resonanz in der Presse hoffen. Und so müssen die Hersteller einlenken; und ihnen bleibt nur, kräftig hinterher wischen zu lassen und die Spuren wieder zu entfernen.

Permanent am Arbeiten: Der neue Porsche 911 Carrera S (991) wird derart malträtiert, dass das Personal pausenlos hinterherputzen muss. | (CC) MLe

Was noch auffiel? Die Automobil-Industrie feiert sich wieder selbst. Überwunden scheint die weltweite Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise – immerhin befindet sich die Automobil-Branche im Aufschwung. Entsprechend pompös und übertrieben muten die Präsentationen und Premieren an und wirken die durchgestylten Hallen. Bestechendstes Beispiel: Audi. Die Ingolstädter ließen auf dem Freigelände der Messe für mehrere Millionen Euro eine Art Mini-Allianz-Arena zimmern, die sie „Agora“ nennen. Riesig, prestigeträchtig und bedeutungsschwanger steht es da, umso beengter und stickiger geht es innen zu. Bereits während der Pressetage wirkte der Audi-Pavillon zu eng, pressten sich die Pressevertreter wie Öl-Sardinen durch die mit Audi-Modellen zugepflasterten Präsentations-Gassen. Nicht auszudenken, wie sich die Besucher ab dem 19. September dort fühlen werden.

Auch ein weiteres Phänomen der Auto-Messen-Schickeria bleibt mir verschlossen: die von allen Seiten begafften und allerseits gelobten, begehrten Hostessen, die sich um, über und auf den Neuwagen-Modellen räkeln. Ich habe das nie verstanden. Sollen sie ablenken von den automobilen Unzulänglichkeiten eines 6,5 Liter Hubraum starken Lamborghini Aventador, der mit seinen 700 PS und einem Normverbrauch von 17,2 Litern so gar nicht in das IAA-Konzept „Zukunft serienmäßig“ passt? Eine solch offensive Rückwärtsgewandtheit verstärkt diesen Anschein. Sei es, wie es ist: eine nahezu zwei Meter lange Frau auf hochhackigen Schuhen gehört für mich nicht dort hin und lenkt zu sehr ab – nämlich von dem, das eigentlich von Interesse ist. Zudem stehen sie jedem Fotografen, der sich allein für das Auto interessiert, im Weg.

Geradezu symptomatisch: Frau in hohen Schuhen mit kurzem Rock versperrt Blick auf Ausstellungsstück. Soll sie die 700 PS-starken Unzulänglichkeiten des Italieners kaschieren? | (CC) MLe

Sei’s drum, im Fokus stehen dennoch die Fahrzeuge, die dem Publikum präsentiert werden. Neben den einzelnen Herstellern und ihren Modellen schlugen auch Zulieferer ihre Zelte auf und präsentieren ihre Neuerungen und Fahrzeugkomponenten. Ganz im Sinne des automobilen Wandels stehen Elektromobilität, Hybrid-Antriebe und Leichtbau sowie gesteigerte Effizienz und Optimierung im Vordergrund.

In einer kleinen Artikel-Serie widme ich mich einigen ausgewählten Herstellern und deren Neuheiten sowie ganz speziell dem Automobil-Zulieferer ZF. Dieser ließ es sich nicht nehmen, eine exklusive Führung über ihren Stand durchzuführen und im Rahmen dieses Rundgangs Fragen zu beantworten, auf Details einzugehen und das ein oder andere Geheimnis anzudeuten.

10 Reaktionen auf diesen Beitrag

  1. » autoaid auf der 64. IAA in Frankfurt am Main: Die ZF Friedrichshafen AG – Vom neunten Gang und der Hybridisierung des 8-Gang-Automatgetriebes - autoaid.de blog

    [...] den zahlreichen Fahrzeugherstellern sind auch viele andere Unternehmen auf der IAA in Frankfurt vertreten. So auch die ZF Friedrichshafen AG, eines der weltweit führenden Unternehmen auf dem [...]

  2. » autoaid auf der 64. IAA in Frankfurt am Main: Die ZF Friedrichshafen AG – Leichtbau-Fahrzeug-Komponenten und Elektro-Antriebe - autoaid.de blog

    [...] zur Elektrifizierung des Automobils an. Zwei unterschiedliche Konzepte stellt ZF seit dem 13. September 2011 auf der IAA in Frankfurt [...]

  3. » autoaid auf der 64. IAA: Neuwagen-Premiere – Der Opel Astra GTC - autoaid.de blog

    [...] der IAA in Frankfurt am Main stellt Opel die dreitürige Version des Astra J vor. Bereits seit Anfang Juni kann der [...]

  4. » BMW i3 und der Werkstoff Carbon – Für leichtere Elektro-Autos setzen die Münchner auf Erdöl - autoaid.de blog

    [...] der letztjährigen IAA in Frankfurt am Main war der BMW i3 mitsamt seines sportlichen Hybrid-Bruders i8 zu bewundern. Die Münchner von BMW [...]

  5. » Neuwagen-Vorstellung: BMW 1er F21 – Im September erscheint der Dreitürer des Kompakt-Bayern - autoaid.de blog

    [...] Jahr nach der Vorstellung des BMW 1er F20 auf der IAA 2011 folgt die dreitürige Variante des kompakten Hecktrieblers. Mit dem F21 erfolgen die [...]

  6. » Neuwagen-Vorstellung: Mercedes-Benz A-Klasse W 176 – Der kompakte Schwabe ist ab sofort bestellbar - autoaid.de blog

    [...] muss gestehen, aufregend sieht sie aus, die neue A-Klasse. Ähnlich wie die B-Klasse auf der letztjährigen IAA beeindruckt mich die neue Designsprache der Schwaben noch immer. Überzeugen kann sie mich aber [...]

  7. » Ersteindruck: Mazda CX-5 2.0 SKYACTIV-G im Kurz-Fahrbericht - autoaid.de blog

    [...] auf der IAA 2011 wurde das erste SUV der Japaner aus Hiroshima vorgestellt. Deutsche Kunden mussten sich jedoch bis [...]

  8. » IAA 2013 in Frankfurt am Main – Der erste Pressetag - autoaid.de blog

    [...] ich hätte das doch wissen müssen? Vor zwei Jahren sah es auf der IAA 2011 nicht anders aus. Natürlich, ich wusste auch, worauf ich mich einlasse. Es sind eben die Autos, [...]

  9. » IAA 2013 – Vorstellung des neuen BMW i3 - autoaid.de blog

    [...] der IAA 2011 präsentierten die Münchner das BMW i3 Concept, das mit großen Glasflächen und futuristisch [...]

  10. » Ersteindruck: Mercedes-Benz B 250 (W 246) im Kurz-Fahrbericht - autoaid.de blog

    [...] richtig gut aus. Kein Vergleich zur alten B-Klasse T 245 oder der A-Klasse W 169. Bereits auf der 64. IAA 2011 konnte ich mich vom gelungenen Design der aktuellen B-Klasse [...]

Hinterlasse eine Antwort