#AudiAT13: Mit dem Audi RS6 Avant quattro über Alpenpässe – Ein Fahrbericht

Ein röchelnder Biturbo-V8, der 560 PS sowie 700 Newtonmeter Drehmoment generiert, dazu ein hecklastig ausgelegter quattro-Antrieb. Gute 200 Kilometer über österreichische Passstraßen liegen vor mir. Und diese mochte ich genießen. Als letzter Fahrer machte ich mich vom Lunch Point auf, das Phänomen quattro nach dem Audi RS Q3 quattro ein weiteres, brutaleres Mal zu erfahren – allein, nur ich und der RS6 Avant.

Fahrbericht Audi RS6 Avant quattro | technische Daten & Ausstattung | Blogschau

Audi RS6 Avant quattro 4.0 TFSI V8 Biturbo Vorderansicht Alpen Nockalmstrass

Tief und breit und still ruht er auf der grünen Wiese. Leuchtend rot grinst er mich an. Eigenartig, wie verführerisch ein Kombi sein kann. Vieles am Audi RS6 Avant mutet überdimensioniert an. Die weit ausgestellten Radkästen, die grob-wabigen Lüftungsöffnungen, die 21-Zöller auf den 285er Walzen oder die beiden Endrohre im Ofenrohr-Format, die den Heckdiffusor flankieren.

In aller Ruhe entere ich den Innenraum. Und dennoch ist kaum Zeit, das sportlich-edle Gestühl in gestepptem Leder gebührend zu registrieren. Nur das Nötigste erhält meine Aufmerksamkeit: Sitz- und Lenkradverstellung, Spiegel und die Pass-Route im Navigationssystem.
Ein Druck auf den Start-Knopf erweckt das Biest heiser bellend zum Leben. Den Wählhebel des 8-Gang-Wandlers auf D – und der Ritt beginnt.

Audi RS6 Avant quattro 4.0 TFSI V8 Biturbo Seitenansicht Alpen Soelkpas

Zunächst geht es über ruhige Dorfstraßen. Im Comfort-Modus verhält sich der RS6 Avant auffällig unauffällig. Das Gaspedal verlangt nach stärkerem Nachdruck, um den Ingolstädter flotter werden zu lassen. Im Innenraum ist es leise, weder Abgasanlage noch Motor heischen um Beachtung. Hier wird die Zylinderabschaltung vier der acht Brennräume pausieren lassen.
Kurze Pause, bevor es auf den Sölkpass geht. Über das Drive Select-Menü des MMI stelle ich den RS6 scharf – Motor, Getriebe, Dämpfer, Lenkung, Sportdifferential, Motorsound und den ganzen Rest auf „dynamic“ geschaltet und ab auf den Sölkpass.

Der Charakter des Audi RS6 Avant quattro vollzieht eine 180-Grad-Wende. Das Getriebe fährt permanent im Sport-Modus und selten in einem höheren Gang als den dritten. Die Gasannahme ist giftig, aus den Endrohren brabbelt, sprotzt und kreischt es je nach Gaspedalstellung, bei Lastwechsel knattert und knallt es fröhlich aus dem Heck. Noch eben komfortabel, liegt der RS6 Avant nun bretthart und gefühlt noch geduckter auf dem Asphalt.

Audi RS6 Avant quattro 4.0 TFSI V8 Biturbo Heckansicht dynamisc

Entlang einer schmalen, welligen Landstraße, fast gerade – Gaspedal auf’s Bodenblech. Wie wild trompetet es in meinem Rücken und augenblicklich schießt der RS6 Avant quattro los. Mir stockt der Atem. Schnell ist der RS6 zu schnell, um Unebenheiten an den Fahrer durchreichen zu können. Flach geduckt fliegt der Kombi-Sportler auf die nächste Kurve zu. Kurz die Keramik-Bremsanlage angetestet. Giftig, standfest, gut dosierbar. Passt.

Die Strecke steigt leicht an und wird kurviger. Kurvenhungrig lenkt er ein. Mit jeder Kurve wächst der Mut, steigt die Kurvengeschwindigkeit. Mehrere Doppel-S-Kurven laden zum fröhlichen Lenkeinsatz ein. Und immer wieder ist es atemberaubend, mit welcher brachialen Kraft und Souveränität der RS6 Avant sich selbst nach vorn peitscht.

Audi RS6 Avant quattro 4.0 TFSI V8 Biturbo Seitenansicht Alpen Turracher Se

Tief im Nebel gehüllt liegt die Passstraße in einer Höhe von knapp über 1.200 Meter. Ein feiner Wasserschleier legt sich auf den Pass, lässt die Straße vor Feuchtigkeit glänzen. Mit bassigem Dröhnen zerpflügen 285er Reifen die Feuchte, wirbeln Dreck und Nässe nach hinten. Viel zu schnell wuchtet sich der 2-Tonner auf die nächste Serpentine zu. Kurz und heftig angebremst und hinein ins Vergnügen. Kurz vor dem Scheitelpunkt von Null- auf Volllast gewechselt und schon setzt ein breites, kindliches Grinsen ein, wenn der RS6 Avant seinen massigen Körper mit einem Heckwedler ums Eck schießt und die Steigung emporstürmt, als ginge es steil bergab.

Audi RS6 Avant quattro 4.0 TFSI V8 Biturbo Seitenansicht AlpenDas Kribbeln in der Magengrube, das Ploppen des Druckausgleichs in den Ohren beim Bergauf-Stürmen – ein unbezahlbarer Moment. Außerordentlich unterhaltsam auch, wie sich der Audi RS6 Avant quattro in dieser Situation verhält. Für einen Moment schlenzt das Heck aus der Kurve hinaus. Fein und beinahe unmerklich regelt der quattro-Antrieb das Antriebsmoment, legt mehr Kraft auf die Vorderachse, zieht den RS6 Avant aus der Kurve, bevor die Kraftverteilung wieder alle vier Räder involviert und der Sport-Kombi der quattro GmbH mit maximaler Traktion die Strecke hinauf schießt.

Zeit für eine Pause, Zigarette und Fotos. Hier finde ich das passende Panorama im Revier des Audi RS6 Avant quattro. Der auffällige Misanorot-Perleffektlack passt sich schön ein in das saftige Grün der Wiesen und den schroffen Felsklippen der Alpen. Ein Wanderer macht unauffällig Fotos vom RS6 Avant. Weiter geht’s über die Turracher Höhe.

Fernab der spaßigen Hatz über die Pässe sind es auch die kleinen Dinge, die mir große Freude bereiten. In Ortschaften rolle ich dahin, spiele mit dem Gaspedal und lausche dem Knallkonzert der doppelflutigen Heckfanfare.

Audi RS6 Avant quattro 4.0 TFSI V8 Biturbo Heckansicht Alpen Nockalmstrass

Ich war beinahe am Ende der Nockalmstraße anglangt, als ich einen zarten Blick auf den Durchschnittsverbrauch und die Restreichweite warf. 19,7 Liter im Schnitt, Restreichweite nur noch 80 Kilometer. Wie weit Klagenfurt noch entfernt war, wusste ich nicht. Das Navi zeigte mir lediglich Etappenziele an. Kurzum den RS6 Avant stilgelegt und im Comfort-Modus bewegt. Mit einer Restreichweite von 40 Kilometern stelle ich den Audi vor dem Hotel ab. Durchschnittsverbrauch: 18,5 Liter Super Plus.
Es ist schon lang dunkel, als ich meinen Zielort am Wörthersee erreiche. Vier Stunden können ja so kurz sein.

Audi RS6 Avant quattro 4.0 TFSI V8 Biturbo Kombiinstrument Tacho Drehzahlmesse

Und wo Licht ist, ist auch Schatten.
Schade etwa ist, dass ich zwar dem betörenden Sound von hinten lauschen kann, der V8-Motor im Bug jedoch demgegenüber geradezu blass bleibt. Auch störte mich, dass ich das Audi drive select ausschließlich über das MMI bedienen muss. Andere Modelle erlauben dies über eine Taste in der Mittelkonsole. Das würde ich mir auch für den RS6 Avant wünschen.

Audi RS6 Avant quattro 4.0 TFSI V8 Biturbo Cockpit Innenraum Interieu

Ein weiterer Punkt: Die Bremsanlage. So gut die Keramik-Bremsen auch zupacken – das häufige Quietschen trübt den guten Eindruck und nervt auf Dauer. Einen unschönen Effekt bekam ich auf der Passabfahrt zu spüren. Klar, die Bremsen werden hier besonders beansprucht. Für die Keramik-Bremsanlage stellen diese Anforderungen auch kein Problem dar. Allerdings war deutlich zu spüren, wie der Bremsdruckpunkt mehr und mehr nach hinten wanderte. Vermutlich verantwortlich dafür ist heiß gewordene Bremsflüssigkeit, die wiederum dafür sorgte, dass die Gummibremsleitungen sich ausdehnten. Dadurch verschiebt sich der Druckpunkt. Normalerweise lassen sich Bremsen und Bremsflüssigkeit gut durch den Fahrtwind runterkühlen. Aber bei den Anforderungen einer Passstraße war das denkbar schlecht möglich.

Ich gebe aber auch zu bedenken, dass der Audi RS6 Avant immerhin über 4.400 Kilometer stark beansprucht wurde – stärker, als es normal der Fall sein dürfte.

Audi RS6 Avant quattro 4.0 TFSI V8 Biturbo Seitenansicht Alpen Nockalmstrass

Die Audi Land of quattro Alpen Tour 2013 hat ihr Soll erfüllt. Ich durfte erleben, was mit einem RS-Modell der quattro GmbH geht. Nie hätte ich gedacht, dass ein 2.000 Kilogramm schwerer Kombi der oberen Mittelklasse so brutal, so dreckig, so unnachgiebig zu Werke gehen könnte. Wie ein wilder Stier trieb mich der Audi RS6 Avant quattro bis auf 2.049 Höhenmeter und wieder hinunter auf 460 Meter. Es fällt mir schwer, angemessene Worte angesichts der erlebten Leistung, der Strecke, der Panoramen zu finden. Ich weiß jedoch, dass ich diese Erfahrung nicht missen möchte. So viel Fahrfreude, wie mit dem RS6 Avant in den Alpen, erlebte ich selten.

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8 Reaktionen auf diesen Beitrag

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  2. Deutscher Auto Blogger Digest vom 01.11.2013 › "Auto .. geil"

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  3. Alexander Hoffmann

    Danke für den schönen Fahrbericht und wow, das Teil ist wohl der Traum vieler Familienväter, da fällt der Satz „Schatz ich bringe heute die Kinder in den Kindergarten“ sehr leicht 🙂 Das dürfte einer der schnellsten Baby-Transporter sein den man sich als Familie kaufen kann. Aber wenn da jetzt nicht der Familien unfreundliche Preis wäre 😉 Allerdings ist das auch Kombi fahren in einer anderen und eigenen Liga, wobei sich für mich die Frage stellt, ist das noch ein Kombi oder schon eher ein Sportwagen im Tarnkleid. Und warum ist der Wagen bei genau 305 Km/h abgeregelt, wie ist man bei Audi auf diesen Wert bitte gekommen? Quietschen Keramik-Bremsen grundsätzlich oder lag es am feuchten Wetter?

  4. Mario Lehmann

    Hallo Alexander,
    vielen Dank für die lobenden Worte.

    Warum der RS6 Avant bei 305 km/h abgeregelt wird, kann ich nicht sagen. Aber 305 fährt er nur, wenn das Dynamikpaket plus bestellt wird. Regulär stoppt er bei 250 km/h, mit Dynamikpaket bei 280 km/h oder eben wahlweise bei 305 km/h.

    Generell sagt das Quietschen der Bremsen nichts über eine schlechter werdende Bremsleistung aus. Es ist nervig und scheint häufiger bei den Keramikbremsen vorkzuommen. Woran genau es lag, kann ich nicht sagen. Mit etwas Freibremsen wurde es kurzzeitig besser, hielt jedoch nicht lang an. Denkbar ist aber auch einfach, dass die Belastung, die der RS6 Avant diesen zwölf Tagen ausgesetzt war, seine Spuren hinterließ. Immerhin wurde auf den Pässen auch so gefahren, wie man im Alltag wohl nie fahren würde.

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